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#35.16 Kanonen statt Butter. Die frühe NS-Kriegswirtschaft und ihre Profiteure

Shownotes

#35.16 Kanonen statt Butter. Die frühe NS-Kriegswirtschaft und ihre Profiteure

Warum marschierten Deutschlands Industrielle so bereitwillig ins Dritte Reich – und was verdienten sie dabei? Schlüsseltechnologien wie Elektrostahl (Bochumer Verein) und Benzinsynthese (IG Farben, Leuna-Werke) wurden zum Motor der NS-Aufrüstung, gesteuert durch dichte Netzwerke aus Partei, Staat und Großindustrie.

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Link zu Jans Podcast In 99 Folgen durch die deutsche Geschichte: https://99xgeschichte.de/

Erwähnte Folgen:
33.33 Fritz Haber wird ins Exil getrieben
34.8 Benzinsynthese, Leuna-Werk
35.4 Luftrüstung

Ausgewählte Literatur:
Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, München 2007.
Paul Windolf / Christian Marx: Die braune Wirtschaftselite. Unternehmer und Manager in der NSDAP, Frankfurt/Main/New York 2022.

Intro-Musik arrangiert und vertont von Max, Auszüge aus Reden von Hermann Goering – Verkündung der Nürnberger Gesetze und Adolf Hitler – Reichstagsrede – Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, via www.archive.org
Bildnachweise: Bundesarchiv Bild 146-1977-149-13, Hermann Göring, Adolf Hitler, Albert Speer (Bundesarchiv, Bil d 146-1977-149-13 / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0), Flgzeugträger "Graf Zeppelin", Hitler bei Stapellauf (Bundesarchiv, Bild 183-2006-0810-500 / CC-BY-SA 3.0), Adolf Hitler and Hermann Göring in 1938 (Bundesarchiv, Bild 183-2004-1202-504 / CC-BY-SA 3.0)

Episodenbild: Adolf Hitler besucht den Bochumer Verein, 1935 (aus: Johannes Wagner: Bochum unterm Hakenkreuz)

Videoillustrationen:
InfraServ Knapsack - Archivbestand / CC BY-SA 3.0 de; Bundesarchiv, Bild 183-1987-1217-504 / CC-BY-SA 3.0; Bundesarchiv, Bild 102-12733 / CC-BY-SA 3.0; Bundesarchiv, Bild 183-R98364 / CC-BY-SA 3.0, Albert Vögler 1933, Wikimedia / Gemeinfrei; Bundesarchiv, Bild 183-1998-0525-500 / CC-BY-SA 3.0; Cropped from File:Bundesarchiv Bild 121-0008, Sudetenland, Besuch Wilhelm Frick.jpg / Public domain; Wilhelm Keppler, National Digital Archive of Poland / gemeinfrei, Hitler und Göring mit Walter Borbet beim Bochumer Verein, aus: Bochum unterm Hakenkreuz; Hitler und Borbet beim Bochumer Verein, aus: Bochum unterm Hakenkreuz; Göring beim Bochumer Verein; Bundesarchiv, Bild 101III-Zschaeckel-207-12 / Zschäckel, Friedrich / CC-BY-SA 3.0 ; Bundesarchiv, Bild 146-1972-064-61 / CC-BY-SA 3.0 ; Bundesarchiv, Bild 102-16108 / CC-BY-SA 3.0 ; Hellmuth Wohlthat, Nationaal Archief / gemeinfrei; Bundesarchiv, Bild 183-2005-0331-502 / CC-BY-SA 3.0; Magdelener / CC BY-SA 4.0; Bundesarchiv, Bild 183-R16259 / CC-BY-SA 3.0; Bundesarchiv, Bild 102-15752 / CC-BY-SA 3.0; (The Bayer Collection) sowie 150 Jahre Hoechst, Fotos für die Presse / Public domain

Tags:

#Neuere_und_neueste_Geschichte
#Deutschland

Transkript anzeigen

00:00:00: Nicht erschrecken, ihr habt es wahrscheinlich schon gemerkt.

00:00:02: Ich bin nicht Jonas!

00:00:04: Ich bin Jan von wer wir sind und warum das nicht klappte.

00:00:08: Jonas hat mich gebeten das Thema für heute anzureißen.

00:00:13: In dieser Episode von Deutschland-Dreifunddreißigvierzig geht es um die Frage Warum sind so viele Manager Unternehmer?

00:00:22: Und auch Unternehmerinnen Lammfrom ins Dritte Reich marschiert?

00:00:28: Die Mehrheit der Wirtschaftselite war überzeugt, dass das Experiment Weimar und die parlamentarische Demokratie gescheitert waren.

00:00:39: Sie wünschten sich ein autoritäres Regime!

00:00:46: Sie nahmen, was sie kriegen konnten.

00:00:48: Versüßt wurde ihnen dieser Kompromiss durch die Ausschaltung der lästigen Arbeiterbewegung KPD, SPD und die Gewerkschaften – sie alle waren innerhalb von Monaten hinweggefegt.

00:01:02: Gleichzeitig wurde die Nazi-Führung im Hitler nicht müde dem sozialen Status der Wirtschaftselite demonstrativ Respekt zu zollen.

00:01:12: Radikale Antikapitalisten unter den Nazis wurden kaltgestellt und den Worten folgten Taten.

00:01:19: Eine der schwersten Wirtschaftskrisen des modernen Kapitalismus wurde in relativ kurzer Zeit überwunden, die unternehmerische Autonomie schrumpfte ja aber das Privateigentum blieb unangetastet.

00:01:35: im Gegenzug verlangten die neuen Herren eigentlich vergleichsweise wenig Mit Spielen, mit Jubeln und ansonsten Klappe halten.

00:02:08: Hi

00:02:25: und Willkommen zu Deutschlandbräen.com, im Dritten Jahr der Nazi-Diktatur hatte sich die Folgebereitschaft der Wirtschaftsilite längst auch finanziell ausgezahlt – und zwar so sehr das es den Nationalsozialisten selbst fast peinlich wurde!

00:02:48: Schachsrüstungsmilliarden stimulierten die Binnennachfrage Ausländische Konkurrenz war vom Markt verdrängt.

00:02:56: Die Preise stiegen, die Löhne nicht.

00:02:58: Unter diesen Bedingungen war es für Unternehmer von fast allen Branchen quasi unmöglich keine enormen Profite einzufahren.

00:03:07: Schon im zweiten Jahr der braunen Diktatur zahlten manche Firmen derart schamlos hohe Dividenden aus das selbst hartgesottene Parteigenossen anfingen zu schimpfen Die Kommunisten hätten ja doch irgendwie recht gehabt.

00:03:36: das Hundertfache eines Industriearbeiters.

00:03:52: Bis neunzehntundunddreißig stieg dieser Faktor auf fast hundertdreißig – das ist deutlich mehr als heute, auch wenn es einzelne DAX-Konzerne gibt die darüber liegen!

00:04:02: Im Verlauf der dreißiger Jahre veränderte sich die deutsche Volkswirtschaft also merklich.

00:04:08: Die Lohnquote, also der Anteil am Bruttoinlandsprodukt den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen sank um mehrere Prozentpunkte Ebenso der Anteil für Sozialversicherungen.

00:04:21: Und der Staat, das hatte ich ja schon einmal vorgerechnet, der fraß sich durch die Volkswirtschaft.

00:04:48: sechs Prozent nicht mehr übersteigen.

00:04:51: Der Effekt war aber rein kosmetisch und das sollte auch so sein.

00:04:56: Hätte das Regime wirklich etwas ändern wollen, hätte es die Unternehmenssteuern erhöhen müssen.

00:05:02: Die Deckelung diente einem anderen Zweck denn nun waren die Firmen dazu angehalten ihre Gewinne durch buchhalterische Tricks kleinzurechnen.

00:05:13: Das Geld war natürlich nicht weg.

00:05:15: Die Rentabilität, also das Verhältnis von Gewinn zu eingesetzten Mitteln schoßt durch die Decke.

00:05:22: Auf diese Weise schuf sich die deutsche Wirtschaft über die kommenden Jahre gigantische Finanzreserven, die sie für selbst finanzierte Investitionen verwenden konnte.

00:05:34: und genau das war das Ziel gewesen!

00:05:37: Die Volkswirtschaft sollte alle verfügbaren Ressourcen in Investition lenken zogen diese Investitionen an wie ein Magnet.

00:05:49: Gleichzeitig sank die Nachfrage der Privatwirtschaft am langfristigen Kapitalmarkt, man brauchte keine Kredite mehr und den frei werdenden Spielraum nutzte der Staat um günstige Kreditte für öffentliche Aufgaben zu ergattern – und die wichtigste öffentliche Aufgabe war natürlich die Wehrmacht!

00:06:10: Diese Entwicklung fiel nicht vom Himmel.

00:06:11: das haben die letzten Folgen deutlich gemacht.

00:06:14: Das NS-Regime griff aktiv in die verschiedenen Branchen ein, je nachdem ob sie für die eigenen Ziele wichtig waren oder nicht.

00:06:22: Eine Besonderheit der deutschen Volkswirtschaft, die ich bisher nicht erwähnt habe, kam ihnen dabei entgegen.

00:06:29: In bestimmten Branchen waren nämlich bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten sogenannte Kartelle üblich.

00:06:37: Kartelle sind in der Wirtschaft keine kriminellen Vereinigungen wie im Drogenschmuggel.

00:06:42: Es sind Absprachen zwischen Wettbewerbern, mit denen sie ihr Verhalten auf dem Markt koordinieren.

00:06:49: Einkaufspreise, VerkaufsPreise, Produktqualität, Aufteilung eines Marktes nach Kunden oder Regionen.

00:06:56: Schon im Kaiserreich hatte der Staat diese Kartelle oft nicht nur toleriert sondern gefördert.

00:07:02: Nach dem Ersten Weltkrieg etwa sollte die kriselnde Schwerindustrie im Ruhrgebiet mithilfe von Absprachen vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden.

00:07:12: Erklärte der industrielle Paul Silverberg zufrieden vor dem Reichsverband der deutschen Industrie, wenn etwas eine wirtschaftliche Katastrophe schroffster und schärfsterart gehindert hat.

00:07:22: Dann war es die Arbeit der Syndikate und Kartelle.

00:07:26: Nach der Machtübernahme setzten Jalmer Schacht und die Nazis diese Tradition mit neuer Energie fort.

00:07:31: Bereits im Sommer von hierher ermächtigte sich das Reichswirtschaftsministerium bestehende Kartelle zu kontrollieren und neue einzurichten.

00:07:40: Bis nineteenhundertfünfunddreißig entstanden tausend sechshundert freiwillige Kartelle.

00:07:44: In hundertzwanzig weiteren Fällen setzte das RWM Zwangsabsprachen durch, etwa im stark fragmentierten Druckereigewerbe – Tausende kleine Betriebe über ganz Deutschland verteilt mit einem Jahresumsatz von immerhin einer Milliarde Reichsmarkt.

00:07:58: Durch die Intervention des Ministeriums wurde das ganze Gewerbe neu strukturiert und Mindestpreise durchgesetzt.

00:08:05: Wer keinem Kartell angehörte, hatte nun keine Möglichkeit mehr juristisch gegen die Absprachen vorzugehen.

00:08:11: Im Gegenteil – das RWM ermutigte, die Kartelle gegen diese vermeintlichen Außenseiter vor Gericht zu ziehen!

00:08:18: Die Gerichte urteilten dann in der Regel zugunsten der Kartelle weil die Außeseite angeblich dem Wohl von Volk und Staat schadeten.

00:08:27: Was passierte wenn die braune Hand des Staates nach einer Branche griff zeigt ein Blick auf die Energiewirtschaft?

00:08:33: Die Stromerzeugung in Deutschland war ähnlich strukturiert wie der Bankensektor.

00:08:38: Eine Handvoll Energieversorger mit riesigen Elektrizitätswerken, Stromnetzen, Kohlerivieren und eigenen Baufirmen dominierte den Markt.

00:08:49: Bis auf eine Ausnahme gehörten diese Firmen dem präußischen Staat oder dem Reich.

00:08:54: Die Ausnahme war zugleich der größte Stromerzeuger – RWE die reinisch-westfälischen Elektrizitärzwerke.

00:09:01: Auf dem Papier hielten die Kommunen des Ruhrgebiets die Anteils Mehrheit.

00:09:05: Das operative Geschäft führte jedoch eine Schlüsselgruppe aus Privataktionären, die sich auf eine Schar von Managern anwälten und Technikern stützte.

00:09:15: Im Aufsichtsrat gab jemand den Ton an, dem wir schon kennen – Albert Vögler von den Vereinigten Stahlwerken.

00:09:23: Sein Bruder Eugen Vöglar wiederum leitete das Bauunternehmen Hochtief, dass mit RWE eng kooperierte.

00:09:31: Die Vöglas waren eben bestens vernetzt.

00:09:34: Albert saß neunzehntundanddreißig in sechsundzwanzig Unternehmensleitung, nicht überall wird er regelmäßig aufgeschlagen sein.

00:09:40: da wäre ja praktisch Woche für Woche in Meetings gewesen aber das soziale und symbolische Kapital aus diesen Posten war schon enorm.

00:09:48: Albert Vögler kannte jeden der Einfluss hatte.

00:09:51: jeder der Einfluß wollte wollte Albert Völger kennen.

00:09:55: Aber zurück zur RWE und der Energiewirtschaft.

00:09:59: Seit neunzehundertundzwanzig hatten die Stromriesen den Markt unter sich aufgeteilt.

00:10:04: Die einzigen echten Wettbewerber waren die zahlreichen kleinen, kommunalen und regionalen Stromversorger aus der Frühzeit der Elektrifizierung.

00:10:14: Ähnlich wie bei den Sparkassen waren auch diese öffentlichen Unternehmen in die Hände von lokalem NSDAP-Funktionären gefallen.

00:10:22: Hilfestellung geleistet hatte das Gesetz zur Gleichschaltung der im kommunalen Besitz befindlichen Unternehmen, und zwar schon im Juni.

00:10:33: Die Ämterpratronage, die ich in der letzten Folge beschrieben habe, Griff also auch her.

00:10:40: Als Schacht an die Spitze des Wirtschaftsministeriums kam, favorisierte er für die Energiewirtschaft die gleichen Zentralisierungsmaßnahmen wie in anderen Branchen.

00:10:51: Nach dem Vorbild des Bankengesetzes Arbeitete das RWM-Ninzenhundertfünfundreißig an einem neuen Energiewirtschaftsgesetz.

00:10:59: Man sprach von gesteigerter Effizienz, de facto erleichterte die Zrinntralisierung aber natürlich auch die staatliche Steuerung der Branche.

00:11:08: Neue Investitionen in die Stromversorgung sollten von staatlicher Zustimmung abhängig gemacht werden und zwar wenn sie im übergeordneten Interesse der deutschen Energiewirtschaft lagen.

00:11:18: Soweit die Theorie, als das Gesetzesvorhaben in den Umlauf kam, machte das Innenministerium plötzlich Probleme.

00:11:25: Wilhelm Frick – der Innenminister – ging diese Begründung nämlich viel zu weit.

00:11:30: Nationalsozialistische Politik durfte nicht mit dem nackten Eigeninteresse einiger Oligopolisten begründet werden.

00:11:38: Seine Ministerialbeamten schrieben also die Gesetzesbegründungen um.

00:11:43: Nun hieß es der weitreichende Kontrollanspruch des Staates gewährleiste eine einheitliche Führung, und zwar im Interesse des Gemeinwohls und zur Sicherstellung der Landesverteidigung.

00:11:56: Inhaltlich war das Gesetz nicht angetastet worden.

00:11:59: Die Stromriesen allen voran natürlich RWE wurden geschützt – Der Konzentrationsprozess setzte sich ungebrochen fort nunfreilich unter den wachsamen Augen von Schachtsbehörden und dem Zweifelsfall nach Maßstäben die er und seine Leute

00:12:12: vorgaben.".

00:12:14: Schachs neuer Plan und die massiven Eingriffe, die ihm folgten, führten praktisch zu einer Zweiteilung der Volkswirtschaft.

00:12:22: Wer Investitionsgüter anbot – also Maschinen herstellte oder im Hoch- und Tiefbau tätig war – partizipierte weiter am Aufschwung.

00:12:31: Dagegen stagnierten die Konsumgüther.

00:12:33: Hier fand weder nineteenhundertdreißig noch fünfund dreißig ein nennenswertes Wachstum statt.

00:12:38: Der Interventionismus sägte den Aufschwing einfach ab Und die Freiheitsgrade, die das Regime den Großunternehmen einräumte variierte eben ja nach Branche.

00:12:47: Je weniger die militärstrategischen Ziele mit markkonformen Mitteln erreicht werden konnten, desto stärker wurde der politische Druck.

00:12:56: Besonders gut beobachten lässt sich dieser Effekt an der Textil- und Bekleidungsbranche.

00:13:04: Heute kann man das noch kaum glauben – aber damals gehörte diese Branche zu den größten Arbeitgebern in Deutschland!

00:13:11: Eins Komma zwei Millionen Menschen arbeiteten in der Grundstoffindustrie, also in Spinnerain, Weberain oder Gerberain.

00:13:19: Weitere anderthalb Millionen waren in der Schuh- und Bekleidungsproduktion beschäftigt.

00:13:25: Insgesamt umfasste die Branche zwanzig Prozent der Industriearbeiterschaft.

00:13:30: Damit arbeitete mehr Menschen in dieser Branche als zum Beispiel in der Chemieindustrie, der Elektrotechnik oder dem Kohlebergbau.

00:13:40: Bei der Drosselung der Importe hatten Schacht und seine Leute ganz bewusst zuerst die Textilindustrie ins Visier genommen, weil sie einen besonders großen Rohstoffhunger hatte.

00:13:51: Noch in den Emporten war der Anteil von Textil an den Importen bei ca.

00:13:56: auch bei

00:13:56: ca.,

00:13:56: etwa.

00:13:57: Die schachtsche Außenhandelsbürokratie begünstigte Rohstoffe, die für die Aufrüstung nötig waren Eisen, Stahl, Kautschuk, Aluminium.

00:14:05: Die Erholung im Textilsektor wurde also zugunsten der Schwerindustrie gewaltsam beendet.

00:14:12: In manchen Arbeitsämtern ging schon das Gespenst von Massenentlassungen um.

00:14:17: Per Alas belegte die Reichsregierung die Branche mit Kurzarbeit und verbot neue Investitionen ohne Genehmigung durch das RWM, Händler- und Verbraucher reagierten mit Hamsterkäufen.

00:14:29: Um die Brange zu beruhigen wurden die zuständigen Wirtschaftsgruppen angewiesen Preissteigerungen zuzulassen.

00:14:36: Und so wurde die Textilindustrie ausgerechnet der Sektor mit den größten Preissteigungen.

00:14:42: Diese Entwicklung war langfristig lebensbedrohlich, deswegen nahmen die Branche nur so gern an einer Initiative teil, die vom Reichswirtschaftsministerium ausgingen.

00:14:53: Achtzig Prozent der Rohstoffe für die Textilebranche stammten aus Naturprodukten wie Baumwolle, Leder und Wolle.

00:15:00: Kunstfasern hatten nur einen Marktanteil von zwanzig Prozent.

00:15:04: Anders als unser Polyester oder Elastan waren die damaligen Kunstfaser nicht voll synthetisch, Zellwolle und Kunstseide wurden aus Pflanzenfasen hergestellt vor allem aus Holz und eben aber nicht aus Erdöl.

00:15:17: Das machte sie für die Experten im RWM so attraktiv Denn Erdül musste ja auch teuer auf dem Weltmarkt eingekauft werden Und es machte absolut keinen Sinn Erdöl vom Weltmarkt einzukaufen, wenn man damit dann Baumwolle ersetzte.

00:15:32: Dass man auch auf dem Weltmarkt einkaufen musste.

00:15:35: Also informierte das Ministerium die beiden Hauptproduzenten von Kunstfasern bereits im Sommer, dass insbesondere die Baumwollen-Importe aus den USA bald stark eingeschränkt werden würden.

00:15:47: Das Ministerium wünsche deshalb eine Verdopplung der Produktionskapazitäten binnen Jahresfrist!

00:15:54: Die Kunstfaserproduzenten reagierten auf diese Anfrage mit Ablehnung.

00:15:59: Der eine der beiden, die IG-Farben hatte kein Interesse an weiteren Investitionen – in der Unternehmensstrategie der IG-farben fristete die Kunstfasersparte ein Schatten da sein.

00:16:10: Andere viel lukrativere Sektoren verlangten die volle Aufmerksamkeit.

00:16:15: Der andere Hauptproduzent, die vereinigten Glanzstofffabriken gehörte niederländischen Eignern und war nicht bereit unter den herrschenden politischen Bedingungen ein derartiges Geschäftsrisiko auf sich zu nehmen.

00:16:30: Zumal eben die Weltmarktpreise für Naturfasern stark rückläufig waren, weil sich ja die Weltwirtschaft gerade wieder belebte.

00:16:37: In der Regimezentrale war der Kunstfaserproduktion jedoch mittlerweile oberste Priorität eingeräumt worden.

00:16:44: Hitler persönlich bevollmächtigte seinen Wirtschaftsberater Wilhelm Kepler alles Nötige zu tun um die Versorgung der Volksgenossen mit günstigen Bekleidungsartikeln zu gewährleisten.

00:16:56: Keppler delegierte die Aufgabe an einen seiner Mitarbeiter, dessen Familie eine Textilfabrik in Cottbus besaß.

00:17:04: Dieser Mitarbeiter hieß Hans Kerl – übrigens nicht zu verwechseln.

00:17:13: Dieser Hans-Kerl, ein N und mit HR war Mitte dreißig und am März gefallener – also erst nach der Machtübernahme in die NSDAP eingetreten.

00:17:23: Die kurze Zeit seither hatte Kerl intensiv genutzt um sich zu vernetzen.

00:17:28: Er war Grauwirtschaftsberater in der Kurmark im heutigen Brandenburg und Präsident der IHK Niederlausitz in Cottbus.

00:17:36: Für Wilhelm Kepler arbeitete er seit wenigen Monaten.

00:17:39: als er den Auftrag erhielt, die Kunstfaserproduktion ans Laufen zu bekommen Statt bei der IG-Farben oder der Glanzstoff AG Klinken zu putzen, umging Kerl die beiden Hauptproduzenten einfach.

00:17:51: Er nutzte seine Kontakte in die Partei und die Textilindustrie, um einfach neue Kunstfaserfabriken aufzuziehen.

00:17:59: In vier Textilregionen nämlich in Schlesien, Sachsen, Thüringen und im Rheinland sollte jeweils eine Fabrik gebaut werden.

00:18:07: Dazu schliessen sich Unternehmen zur sogenannten Syndikaten zusammen über die alles weitere organisiert wurde, also Aufbau der Fabriken und der Produktion, Vermarktung der fertigen Produkte usw.

00:18:21: Jedes Syndikat sammelte vier Millionen Mark Kapital von seinen Mitgliedern ein.

00:18:26: Nominell war die Mitgliedschaft freiwillig – aber den Textilfilm war schon klar, dass eine Weigerung nur negative Konsequenzen nach sich gezogen hätte!

00:18:35: Lieber jetzt Pluspunkte bei den Herrschenden sammeln.

00:18:42: Tatsächlich sollte sich dieses Kalkül auszahlen.

00:18:46: Das Regime tat alles, um das unternehmerische Risiko so gering wie möglich zu halten.

00:18:52: Unter der Schirmherrschaft der Dresdner Bank wurde zusätzliches Kapital eingesammelt und zinsgünstig verliehen.

00:19:00: Außerdem wart man zwei führende Experten für Kunstfasern von der IG Farben ab.

00:19:05: Einer der beiden war Walter Schieber ein promovierter Chemiker.

00:19:10: Schieber nahm das Angebot gerne an, nicht nur weil er die Leitung der Zellstofffabrik im Thüringischen Schwarzer übernehmen sollte – sondern auch, weil er seit nineteenhundertdreißig der NSDAP und seit dreidreißzig DSS angehörte.

00:19:24: Seine Person steht exemplarisch für die Verflechtung des Kunstfaserprojektes mit Partei, Staat und Industrie.

00:19:31: Schieberg wurde nämlich auch noch mit einem Posten in der GAU-Wirtschaftsberatung von Thüringen versorgt.

00:19:37: Als diese Public-Private-Partnership der braunen Art an Fahrtaufnahmen, entschied sich plötzlich die vereinigte Glanzstofffabriken AG doch noch auf den Zug aufzuspringen und ihrerseits die Produktionskapazitäten auszubauen.

00:19:52: Für Hans Kerl ein N mit HR lief der Auftrag also wunderbar rund!

00:19:58: Er durfte Kepler – und damit auch dem Führer – einen Erfolg nach dem anderen melden.

00:20:02: zwei Jahre nach dem Start der Initiative, hatte sich der Marktanteil von Zellstoffen auf vierzig Prozent verdoppelt.

00:20:12: Das Muster, das sich hier zeigt, taucht in der braunen Kriegswirtschaft immer wieder auf – ein Rohstoffproblem, dass mit herkömmlichen Mitteln nicht zu lösen war?

00:20:20: Ein technologischer Ausweg, der politisch gewollt und staatlich abgesichert wurde!

00:20:25: Und Unternehmer, die zwischen Zwang und Chance kaum noch unterscheiden konnten oder wollten.

00:20:32: Kunstfasern waren dabei nur der Anfang.

00:20:35: Die eigentlichen Schlüsseltechnologien für die Aufrüstung lagen woanders, beim Spezialstahl und beim synthetischen Benzin.

00:20:55: Denn während des Ersten Weltkriegs hatte man schon einmal in kürzester Zeit massiv in die Erweiterung der Produktion investiert.

00:21:13: Und daraus resultierten in den zwanziger Jahren enorme Überkapazitäten, die selbst die größten Erzeuger in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hatten.

00:21:22: Aber die gesamtwirtschaftlichen Daten erzählen nur einen Teil der Geschichte – von zentraler Bedeutung für die deutschen Aufrüstungsbemühungen waren bestimmte Schlüsseltechnologien.

00:21:34: Dazu gehörte die Synthese von Benzin für die Treibstoffversorgung.

00:21:39: Auf die gehe ich aber gleich noch ein.

00:21:42: Die Produktion von hochwertigen Spezialstahl, der in einem Elektroschmelzprozess gewonnen wurde ist ebenfalls wichtig.

00:21:50: Die Production dieses Elektrostals ging nach nineteenhundertdreisig durch die Decke.

00:21:55: bis Kriegsbeginn versieben fachte sich die zur Verfügung stehende Menge was Deutschland zum weltweit größten Produzenten machte.

00:22:04: Es ist eine Ironie der Geschichte das ausgerechnet zwei, der für diesen Prozess wichtigsten Firmen von leidenschaftlichen Anhängern des NS-Regimes geleitet wurden.

00:22:16: Der erste dieser Leiter hieß Walter Borbett geboren in Schalke, ein studierter Ingenieur.

00:22:24: Borbitt war ein Veteran der deutschnationalen Bewegung und hatte sich ganz der Waffenproduktion verschrieben.

00:22:31: Nicht von ungefähr trieb ihn einen lebenslangen Neid auf Krupp an!

00:22:35: Im Ersten Weltkrieg hatte Borbett die Produktion vom Waffenstahl vergünstigt, indem er den Anteil teurer Importligierungen reduzierte.

00:22:44: In den zwanzigern stieg er in die Chefetage des Bochuma Vereins auf einem Montankonzern der Teil der Vereinigten Stahlwerke war.

00:22:53: Borbette machte dem Bochummaverein zu einem Innovationszentrum für das sogenannte Zentrifugal-Gussverfahren.

00:23:00: Damit entfiel das aufwendige Aufbohren der Kanonenrohre aus einem Stahlgussblock.

00:23:05: Stattdessen wurden die Läufe aus dem flüssigen Metall herausgedreht.

00:23:10: Dieses Verfahren war die technische Voraussetzung, zum Beispiel für die Acht-Kommer-Ach-Zentimeter-Flack – die später so berüchtigte, weil extremaffektive Acht Acht!

00:23:21: Die Machtübernahme nahm Borbett begeistert auf auch wenn er bis zur Mitgliedersperre nicht in die NSDAP eintrat.

00:23:28: Bereits im Frühjahr, in den letzten Jahren traf sich Borbett zu Besprechungen mit Erhard Millig im Luftfahrtministerium und General von Blomberg im Reichswehrministerium.

00:23:39: In den ersten Jahren wurde ihm die Gnade eines persönlichen Gesprächs mit dem Führer über Rüstungsfragen gewährt.

00:23:46: In der letzten Jahre gab er dann mehrfach den Gastgeber für die Spitzen des Regimes – Kriegsminister Blomberg, Admiral Räder, General Fritz Göring und sogar Der Führer persönlich kam zu Besuch.

00:24:00: Hitlers erste öffentliche Stippvisite am vierzehnten April neunzehntundundunddreißig wurde groß inszeniert, Generaldirektor Borbett gab persönlich den fremden Führern.

00:24:10: Am Nachmittag fuhr Hitler dann davon und zwar durch die spalierebildende Zuschauermenge wie es in der Lokalpresse hieß.

00:24:19: Nach zwei Jahren unter den Nazis waren die Auftragsbücher des Bochumer Vereins prall gefüllt.

00:24:24: Im Vergleich zum Vorjahr hatten sich die Umsätze in den letzten Jahren noch einmal fast verdoppelt und kamen nun knapp an die Rüstungssparte von Krupp heran.

00:24:33: Für Walter Borbett, der sein ganzes Leben im Schatten des großen Konkurrenten aus Essen gestanden hatte, muss das ein später Triumph gewesen sein.

00:24:43: In den ersten Jahren beantragte er ein braunes Parteibuch.

00:24:47: Das zweite Porträt führt uns nach Krefeld.

00:24:50: Walter Roland war deutlich jünger als sein Namensvetter Borbeth.

00:24:54: Die beiden kannten sich aber auch gut, als junger Ingenieur hatte Roland beim Bruchemann-Verein gearbeitet und war vom Borbitt protegiert worden.

00:25:01: Die beiden Stahlexperten lagen auch politisch auf einer Wellendänge.

00:25:05: Roland hatte sich als halbwüchsiger freiwillig zu einem Pionierbataillon bei Verdorn gemeldet – sein Bruder Fritz starb neben ihm!

00:25:14: Das Kriegsende in den letzten Jahren verbitterte ihn.

00:25:17: Er trat einen Freikorr bei und beteiligte sich am Widerstand gegen die Rohbesetzung in der Mitte des Jahres.

00:25:23: Seit dem Jahr saß Walter Roland bei einer Tochtergesellschaft des Bochumer Vereins in der Chefetage.

00:25:30: Die deutschen Edelstahlwerke produzierten mit elektrischen Öfen hochwertigen Spezialstall.

00:25:36: Für die Fertigung von Panzergehäusen war dieser Spezial-Stall zentral, auch die Verschweißung der Panzerplatten wurde durchgeführt.

00:25:47: Das Unternehmen war Weltmarktführer bei diesem komplexen Verfahren, das im Endeffekt den Grundstein für die gesamte deutsche Panzerentwicklung legte.

00:25:58: Walter Roland war aber nicht nur technisch involviert sondern auch ganz handfest engagiert.

00:26:04: Nach Wiedereinführung der Wehrpflicht meldet er sich als Reserveoffizier zur Panzertruppe.

00:26:10: Mit großer Begeisterung nahm er an Manöwanteil.

00:26:13: Obwohl er den Krieg aus nächster Nähe kannte, konnte er nicht genug davon bekommen.

00:26:19: So scheint es jedenfalls – bald wurde er von der NS-Propaganda befeuert als Panzer Roland bekannt.

00:26:26: Borbett und Roland standen für einen Typus, der in den Schlüsselbranchen der Aufrüstung häufig anzutreffen war.

00:26:33: Technisch brillant, politisch begeistert, persönlich ehrgeizig!

00:26:38: Für sie war die Verbindung von wirtschaftlicher Unternehmung und NS-Regime kein Kompromiss.

00:26:44: Es war eine

00:26:45: Gelegenheit.".

00:26:47: Damit kommen wir zu einem zweiten Grundstoff der Aufrüstung, in dem Gewinnstreben Politik und Technik ineinandergriffen – dem synthetischen Benzin!

00:26:58: Dazu hatte ich bereits in der letzten Staffel nämlich in Folge thirty-eight ein bisschen was erzählt.

00:27:03: Das möchte ich jetzt etwas stärker ausbauen….

00:27:07: Während der Kaiserzeit war die deutsche Chemieindustrie ein Innovationsmotor, der Hochindustrialisierung gewesen.

00:27:13: Vielleicht habt ihr das ja auch so wie ich im Geschichtsunterricht in der Oberstufe pauken muss.

00:27:20: Allerdings tickten die Uhren im Chemiesektor politisch etwas anders als zum Beispiel in der autoritär orientierten Schwerindustrie.

00:27:29: In der Chemie überwogen solche Köpfe, die auf Freihandel setzen und eine liberale Gesinnung pflegten.

00:27:36: Das galt auch noch mit Einschränkungen nach dem Krieg.

00:27:39: Man hatte sich mit der Republik arrangiert und Stresemanns Erfüllungspolitik unterstützt.

00:28:02: Der eigentliche Kopf hinter diesem neuen Mega-Konzern war Carl Bosch.

00:28:07: Über die Familie Bosch müsste man eigentlich mal einen eigenen Podcast machen, Karl Bosch war nämlich der Neffe von dem Bosch also Robert Bosch nachdem die ganzen Werkzeuge im Baumarkt benannt sind.

00:28:18: Karl Bosz war nicht weniger genial als sein Onkel.

00:28:21: Achtundhundertvierundsiebzig in Köln geboren war er ein exzellenter Chemiker und Erfinder und politisch extrem gut vernetzt und zwar im Kaiserreich und später auch in der Republik.

00:28:33: Vor dem Krieg hatte Bosch eng mit Fritz Haber zusammengearbeitet, das war der Chemiker den ich kurz infolge XXIII-XIII erwähnt hatte als es um die Säuberungswelle an den Universitäten ging.

00:28:45: Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Haber-Bosch Verfahren.

00:28:50: Dieses Verfahren erlaubte es Kunstdünger und auch Sprengstoff buchstäblich aus der Luft zu erschaffen.

00:28:57: In dem Verfahren wird Ammoniac aus Stickstoff und Wasserstoff in der Luft synthetisiert.

00:29:03: Die Synthese von Grundstoffen für die Chemieindustrie war etwas, das Bosch Zeitlebens nicht mehr losließt und dass er deshalb mit Hochdruck weiterverfolgte.

00:29:14: Nach allem was ich so in Erfahrung bringen konnte, war es nicht nur wissenschaftliche Neugier, die Bosch antrieb sondern auch die Sorge, Aber der Weg von der Entdeckung geeigneter Verfahren bis zu ihrer industriellen Anwendung war extrem kostspielig.

00:29:35: Erst der Megakonzern IG Farben konnte das nötige Kapital dauerhaft auftreiben, um die Visionen von Karl Bosch umzusetzen.

00:29:44: Während Vorenwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens immer wieder vor einem Versiegen der erdgebundenen Ammoniac vorkommen gewarnt worden diskutierte man in den Zwanzigerjahren über einen möglichen Peak Oil, also das Versiegen der globalen Ölquellen.

00:30:01: Die IG-Farben trieb deshalb das Konzept der sogenannten Kohlehydrierung voran.

00:30:07: Bis er bereits neunzehnhundertsechsunzwanzig begann der Konzern im mitteldeutschen Städtchen Leuna mit dem Bau einer Spezialfabrik die aus Kohle Benzin herstellte.

00:30:16: Frag mich jetzt bitte nicht wie genau das funktionierte!

00:30:19: Falls es jemand für Laien erklären kann, melde er oder sie sich gerne bei mir.

00:30:25: Insgesamt steckte die IG-Farben über dreihundert Millionen Reichsmark in die Benzinsynthese und dann setzte ein weltweiter Ölbum ein.

00:30:34: Angeregt durch die Spekulation das Öl könne versiegen – und steigende Weltmarktpreise gingen überall auf dem Globus Prospektorenanzwerk!

00:30:43: Und wurden fündig.

00:30:44: Innerhalb weniger Jahre wurden vorkommen im Venezuela Texas, Kalifornien und Oklahoma entdeckt.

00:30:51: Die IG-Farben hätten die Hydrierungen in Leuner nun abschreiben können – aber Karl Bosch stemmte sich mit aller Macht dagegen!

00:30:59: Er wollte sein Projekt nicht aufgeben.

00:31:01: Angesichts dessen musste den IG-farbenmanagern der Aufstieg der Nationalsozialisten wie ein Geschenk des Himmels vorgekommen sein.

00:31:10: Sie wussten nämlich von den Autarkiefantasien der NSDRP und Hitlers persönlicher Begeisterung für Autos.

00:31:16: Und so knüpfte man bereits im Juli, und machte Hitler die Benzinsynthese als Zukunftstechnologie schmackhaft.

00:31:27: Nach der Machtübernahme erhielt die IG-Farben für ihr Vorhaben unverhofft Unterstützung von Albert Vögler – Ihr erinnert euch, Vorstandsvorsitzender der Westerk Aufsichtsrat bei RWE – Der Mann mit den sechsundzwanzig Mandaten!

00:31:42: Er versprach sich von der Benzinsynthese zwei fette Vorteile.

00:31:46: Erstens würde der Kohlemarkt expandieren, zweitens könnte die Westtag ihre Beziehungen zur Chemieindustrie vertiefen.

00:31:54: Vögler nutzte seine Kontakte zu braunen Elite und schaffte es sowohl erhardmilch im Luftfahrtministerium wie auch das Reichswirtschaftsministerium für das Syntheseprojekt einzunehmen.

00:32:07: Im August' Thirty-Sich schickte der uns nun schon bekannte Staatssekretär Gottfried Feder eine Mitteilung an die IG-Farbenzentrale.

00:32:16: Wir Nationalsozialisten haben die Absicht, ganz allgemein die deutsche Rohstoffbasis zu vergrößern.

00:32:23: Aus dieser Einstellung heraus ist es selbstverständlich dass wir die Steigerungen der Benzinerzeugung aus deutschen Rohstoffen erstrehen.

00:32:31: Rein wirtschaftlich gesehen wäre es falsch bei einem Weltmarktpreis von etwa fünf fennigen Benzin mit einem Gestehungspreis.

00:32:43: Ich habe den Importeuren erklärt, welche Garantien könnt ihr mir für die Erhaltung des Weltfriedens geben?

00:32:49: Für uns Nationalsozialisten sind neben wirtschaftlichen Gesichtspunkten – die man auf längere Sicht hinaus nicht vernachlässigen kann – die wehrpolitischen Gründe ausschlaggebend.

00:33:01: Ich beabsichtige deshalb mit allen meinen Kräften die Treibstoffproduktion aus deutschen Rohstoffen zu steigern!

00:33:09: und ihr auch die notwendige Garantie für Preis- und Absatz zu geben.

00:33:14: Feder war zwar bald weg vom Fenster, weil Schacht ihn aus dem RWM warf – aber an der grundsätzlichen Konstellation änderte das gar nichts!

00:33:23: Die IG-Farben brauchten das Regime um ihr gescheitertes Investitionsprojekt zu retten.

00:33:30: Das Regim brauchte die IG Farben, um die Treibstoffversorgung der Wehrmacht

00:33:35: abzusichern.".

00:33:37: Am vierzehnten Dezember, der sogenannte Benzinvertrag in Kraft.

00:33:43: Der Chemiekonzern verpflichtete sich das Leunerwerk auf eine Jahresproduktion von dreihundertfünfzigtausend Tonnen auszubauen.

00:33:51: Das Reich garantierte ein Mindestgewinn von fünf Prozent Sollte der Weltmarktpreis weiterhin niedrig bleiben würde der Staat subventionieren.

00:34:00: Dafür sollten Gewinne über fünf Prozent an den Fiskus fließen.

00:34:04: Ironischerweise trat Letzteres ein.

00:34:07: Ab thirty-sech erwirtschaftete Leuner riesige Gewinne, der Großteil davon floss direkt in die braune Staatskasse.

00:34:15: Jan Marschacht unterstützte das Synthesoprojekt nicht zuletzt weil so wertvolle Deviesen eingespart werden konnten, die nämlich sonst in Öl importe geflossen wären.

00:34:25: Gerade deshalb aber wollte der Reichswirtschaftsminister mehr!

00:34:30: Ende September, in Berlin veranstaltete er eine Konferenz der führenden Industriellen aus dem Kohle- und Mineralösektor.

00:34:39: Und verkündete die angespannte Divisenlage erfordere eine drastische Expansion der heimischen Treibstoffproduktion.

00:34:48: Wie üblich sprach Schacht offen aus was er erwartete Die Unternehmer hätten hohe Gewinne eingefahren.

00:34:54: Jetzt da ist an ihnen etwas zurückzugeben.

00:34:58: Ihm sei ja bekannt, dass die insbesondere die Braunkohleindustrie über beträchtliche flüssige Mittel verfüge.

00:35:04: Diese sollten nun in neue Hydrierungswerke investiert werden!

00:35:09: Die Anwesenden waren sprachlos und weigerten sich – wieso sollten sie ihr hartverdientes Geld in eine unprofitable Unternehmung wie die Benzinsynthese stecken?

00:35:19: Doch Schacht war niemand der kleinem Beige ab….

00:35:22: Einen Monat später erließ er eine Verordnung, die zehn führende Braunkohle-Unternehmen zwangsweise zur Mitgliedschaft in der neu gegründeten Braunkole Benzin AG verpflichtete.

00:35:35: Jedes Mitgliedsunternehmen der BRABAK hatte sofort eine Million Reichsmarkt zu überweisen.

00:35:41: Drei neue Anlagen sollten gebaut werden um den Bedarf des Militärs zu decken – insbesondere denen der rasantwachsende Luftwaffe.

00:35:49: das sei am Rande bemerkt!

00:35:51: Kurz vor Jahresende kamen dann weitere Unternehmen dazu.

00:35:55: In seiner Kommunikation blieb Schacht unzweideutig, wer nicht hundert Prozent mitmachte, dem drohte er mit Bußgeldern in um begrenzter Höhe – ja sogar mit Verhaftung!

00:36:06: Die Bra-Bag wurde zwar von der braun Kohleindustrie finanziert aber nicht geleitet.

00:36:11: Für das Know How stellte die IG Farben den Chemiker und Manager Karl Krauch ab.

00:36:17: Die Bauleitung übernahm Heinrich Kopenberg, ein Ingenieur und Manager aus dem Konzern von Friederich Flick.

00:36:24: Kopenberg hatte bereits in der Luftrüstung gezeigt was er leisten konnte.

00:36:28: Falls ihr euch erinnert habe ich in Folge thirty-fünf dazu einiges gesagt.

00:36:33: Er war hauptverantwortlich gewesen für die massive Expansion der Produktionen beim Flugzeugbauer Junkers.

00:36:39: Auch das Militär war in der Brabak vertreten.

00:36:42: Seine Interessen vertrat der General im Ruhestand Alfred von Vollard-Bockelberg, ehemaliger Leiter des Heerens Waffenamtes und Veteran der geheimen Aufrüstung.

00:36:54: Das Tagesgeschäft übernahm allerdings Fritz Kranefuß, Spross von Herfordern, Zigarrenfabrikanten und seit seiner Jugend im rechtsradikalen Milieu unterwegs.

00:37:05: Sein Onkel war Hitlers Wirtschaftsberater Wilhelm Kepler, Krane Fuß war auch anderweitig bestens vernetzt in der NSDAP und ihren Gliederungen.

00:37:18: Er galt als enger Vertrauter von Heinrich Himmler, und war Mitglied im Stab des Stellvertreters des Führers Rudolf Hess.

00:37:26: Schacht wiederum sicherte sich Einfluss, indem er einen seiner engsten Mitarbeiter Helmut Wohltat in den Vorstand schickte.

00:37:35: Dieser kurze Rundgang durch die Chefetage der Braunkohle-Benzin AG zeigt – das war kein gewöhnliches Unternehmen!

00:37:43: Die Brabak war eine Kreuzung aus Zwangsverband, Rüstungsprojekt und Interessenkartel.

00:37:50: Die Bedingungen unter denen sie operierte waren vom Benzinvertrag inspiriert.

00:37:56: Das Reich bürgte für die Kredite die raschen in die hunderte Millionen Schossen.

00:38:00: Der Profit wurde auf fünf Prozent begrenzt.

00:38:03: alles darüber ging an den Staat.

00:38:05: Tatsächlich führte der politische Einfluss dazu dass die Brabak sämtliche Gewinner reinvestierte.

00:38:12: Die zwangensverpflichteten Braunkohleunternehmen sahen nie auch nur einen fennig Dividende.

00:38:18: Aber kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte Nazi-Deutschland seine Ölversorgung aus heimischen Quellen, im Vergleich zu und neunzehntundzwanzig verfünffacht.

00:38:28: Der Löwenanteil dieser Steigerungen ging auf das Konto der Kohlehydrierung wie sie Karl Bosch und die EG Farben möglich gemacht hatten.

00:38:36: Ihr habt jetzt hoffentlich ein genaueres Bild davon, wie die NS-Kriegswirtschaft in ihren ersten Jahren funktionierte und wer von ihr profitierte.

00:38:44: Die Aufrüstung war aus Sicht der NS-Führung eine Investition im künftigen Wohlstand – nur sollte der Wohlstaat nicht durch Produktivität entstehen sondern durch Raub.

00:38:55: Deutschland's Zukunft lag im neuen Lebensraum im Osten und in der Unterwerfung anderer Völker.

00:39:02: Gleichzeitig war die Aufrüstellung ein riesiges öffentliches Spektakel.

00:39:07: Die Wehrpflicht war aus volkswirtschaftlicher Sicht so etwas wie Ferien und produktive Zeit.

00:39:12: Hunderttausende junge Männer wurden dem Arbeitsmarkt entzogen, eingekleidet, ernährt, beschäftigt.

00:39:18: Aber ritualisierte Massenveranstaltungen inszenierten den Wehrdienst als Männererlebnis – und die Wehr macht als starken Arm des Volkskörpers!

00:39:28: Hier ging es um die Geldentmachung nationaler Stärke, um ein gemeinsames Gut das an eine erlesende Auswahl der besten Männer Deutschlands weitergereicht wurde.

00:39:39: Später im Krieg trieb die braune Propaganda diese Botschaft auf die Spitze.

00:39:44: Im Handbuch für den Tigerpanzer konnten die Blutjungen Besatzungen zum Beispiel folgende Kalkulation finden Für jede Granate, die du verschießt hat dein Vater einhundert Reichsmark Steuern bezahlt, hat deine Mutter eine Woche in der Fabrik gearbeitet.

00:40:00: Der Tiger kostet mit allem drum und dran achthunderttausend Reichsmarkt- und dreihundertausend Arbeitsstunden.

00:40:07: Dreißig tausend Menschen müssen einen ganzen Wochenlohn geben.

00:40:11: Sechstausende Menschen eine Woche schuften damit du einen Tiger bekommst!

00:40:16: Sie arbeiten alle für dich Männer vom Tiger.

00:40:19: bedenkt, was ihr in den Händen habt.

00:40:24: Eine Frage habe ich bisher bei all dem völlig ausgeblendet – Was hatte eigentlich die Bevölkerung davon?

00:40:30: Die Arbeiter in den Fabriken von Borbit und Roland, die Spinnerinnen in den Textil betrieben, die Bergleute in den Braunkohler revieren.

00:40:38: Die kurze Antwort?

00:40:40: Wenig!

00:40:41: Die Reallöhne lagen neunzehntneinundreißig immer noch unter dem Niveau von neunzentundzwanzig.

00:40:47: Die Wochenarbeitszeit war aber gestiegen.

00:40:49: Der Aufschwung kam bei den meisten Beschäftigten nicht an, jedenfalls nicht in Form von Geld.

00:40:55: Aber es gab ja Kanonen als Opium für das Volk!

00:40:59: Nur funktionierte das wirklich?

00:41:02: Mehr dazu erfahren wir in der nächsten Folge.

00:41:06: Mein Name ist Jonas Steffern und das war Folge thirty-fünfundreißigsechzehn von Deutschland thirty-dreizig fünfundvierzig.

00:41:15: Wenn euch diese Folge – wenn euch der Podcast insgesamt gefällt hinterlasst bitte eine Bewertung auf eurer Plattform.

00:41:21: Schreibt auch gerne einen Kommentar mit Lob und Kritik oder noch besser eigenen Einsichten.

00:41:27: Ich freue mich, ich freue mich immer darauf zu antworten.

00:41:30: Apropos gefreut!

00:41:32: Gefreut hat es mich auch das mein Fellow-Podcaster Jan so lieb war den Anreißer zu dieser Folge einzusprechen.

00:41:39: Jans Podcast trägt in etwas kryptischen Titel wer wir sind und warum.

00:41:44: das nicht klappte aber der Untertitel erklärt das Wortspiel sehr gut.

00:41:48: Jan nimmt uns nämlich mit in neunundneinzig Folgen durch die deutsche Geschichte, und zwar vom Neandertaler bis Angela Merkel.

00:41:55: Stand Ende März-Zweitexenzechstenzwanzig ist Jan immerhin schon bei Folge Fünfzig – da gibt es also viel zu entdecken!

00:42:03: Bei seiner Spurensuche durch die Deutsche Geschichte wird Jan von spannenden Experten begleitet, die ihr euch auf der Homepage ansehen könnt.

00:42:11: Den Podcast findet ihr überall wenn Ihr nach neunneinzentzig folgen deutscher Geschichte deutsche Geschichte sucht.

00:42:18: Zur Sicherheit packe ich euch aber auch den Link zur Homepage und zu Spotify in die Show Notes.

00:42:25: Nun, zum Schluss dieser Folge ist es auch an der Zeit Danke zu sagen und zwar danke an Euch, die ihr dem Podcast hört, die Ihr mit anderen Menschen über das Thema sprecht – und auch die ihr Euch mit interessanten Fragen oder spannendem eigenen Wissen bei mir meldet!

00:42:41: Jetzt in der letzten Zeit mehrfach vorgekommen fand ich super….

00:42:45: Aber so ein Projekt lebt natürlich nicht nur von gutem Willen allein.

00:42:48: Deshalb ein herzliches Dankeschön an die edlen Spender Thomas, Inga und Ulrike auf PayPal!

00:42:55: Und ein kräftiges Willkommen an die neuen Abonnenten auf Patreon – Teufelchen Peter, Katharina, Hertha, Jürgen und Paul.

00:43:04: Zum Schluss ein besonders herzliches Danke schön an das Team der Produzentinnen, die mich jeden Monat mit fünfzehn Euro auf Patreon unterstützen.

00:43:12: Danke an Danny, Thorsten K. Punkt, Annika, Cora, Lukas, André Götz-Vanettina, Nadja Tobi Hendrik Gerhardt, Stephanie Volker Bernd und Basti, Johannes Linder, Sascha Frank, Thorstend Errpunkt und Ben!

00:43:30: So und damit ist die Folge auch schon wieder erledigt.

00:43:33: Falls ihr jetzt im Hintergrund bei den letzten Minuten ein Trippeln gehört habt, das ist die Ginger Die ist aus dem Bett aufgestangen und streckt sich jetzt ein bisschen und dann legt sie sich jetzt wieder aufs Sofa.

00:43:44: Ich würde sagen für alle die die Folgen immer aktuell hören in zwei Wochen geht es weiter Und für alle anderen findet ihr wahrscheinlich schon die neue folge im stream.

00:43:55: also bis dahin.

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