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#35.17 Verzicht für den Führer. Lebensstandard und Stimmung im Dritten Reich 1935

Shownotes

Während sich die Profite der Großindustrie zwischen 1928 und 1938 verdoppelten, sanken die Reallöhne der Arbeiterschaft. Wie sah der Alltag im Dritten Reich 1935 wirklich aus? Was kostete ein Ei, was eine Wohnung, was blieb am Monatsende übrig? Und was berichtete die Gestapo über die Stimmung im Land?

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Erwähnte Folgen
33.26 Reinhardt-Programm (Propagandashow)
33.40: Entwicklung der deutschen Landwirtschaft

Ausgewählte Literatur:
Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, München 2007.
Günter Morsch: Arbeit und Brot. Studien zu Lage, Stimmung, Einstellung und Verhalten der deutschen Arbeiterschaft 1933-1936/37

Intro-Musik arrangiert und vertont von Max, Auszüge aus Reden von Hermann Goering – Verkündung der Nürnberger Gesetze und Adolf Hitler – Reichstagsrede – Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, via www.archive.org
Bildnachweise: Bundesarchiv Bild 146-1977-149-13, Hermann Göring, Adolf Hitler, Albert Speer (Bundesarchiv, Bil d 146-1977-149-13 / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0), Flgzeugträger "Graf Zeppelin", Hitler bei Stapellauf (Bundesarchiv, Bild 183-2006-0810-500 / CC-BY-SA 3.0), Adolf Hitler and Hermann Göring in 1938 (Bundesarchiv, Bild 183-2004-1202-504 / CC-BY-SA 3.0)

Episodenbild: Berlin Dezember 1935: Weihnachtspakete für das Winterhilfswerk (Bundesarchiv, Bild 102-17313 / CC-BY-SA 3.0)

Tags:
#Neuere_und_neueste_Geschichte
#Deutschland

Transkript anzeigen

00:00:00: Die letzten Folgen haben gezeigt, wie das NS-Regime die deutsche Volkswirtschaft umbaute.

00:00:05: Kurz gesagt alles wurde ausgerichtet auf die Rüstungsindustrie.

00:00:30: auf sechzehn Prozent.

00:00:32: Das ist eine Seite der Bilanz, heute schauen wir auf die andere.

00:00:37: Was hatten die Leute davon?

00:00:38: Die Arbeiter in den Fabriken und auf dem Baustellen, die Spinnerinnen in den Textil betrieben... ...diejenigen, die immer noch Arbeit suchten!

00:00:47: Was konnten sie sich leisten?

00:00:49: Wovon konnten Sie nur

00:00:50: träumen?!

00:00:51: Und was dachten sie über das Regime für dass sie schuften und verzichten sollten?

00:00:59: Und stark angehörigen Deutschen, wo das Arsch verankten blutet, den Verbot!

00:01:13: Als Vorgottung bei einem gewissen Beantwort der Führer von der deutschen Nation bepflichtet.

00:01:19: Für rechtsgleichheit Deutschlands, wie man im International vorbeigedacht, krachtlich höheren Lebenspflicht in der Nation selbst wieder fertig ist.

00:01:34: Hi und Willkommen zu Deutschlanddrehen.

00:01:36: dreißig fünfundvierzig Folge thirty-fünfund dreizig siebzehn verzicht für den Führers Lebensstandard und Stimmung im Dritten Reich, nineteenhundert fünfunddreißig.

00:01:47: Um zu erklären wie der Lebensstandards der Deutschen im Jahr neunzehnhundertfünfund dreißig aussah möchte ich zunächst eine Art Rundflug starten.

00:01:54: ausgehen von diesem Big Picture schauen wir uns dann die Einzelheiten Schritt für Schritt genauer an.

00:02:02: Es gehört ja leider zu den Grunderfahrungen unserer Gegenwart, dass nicht entscheidend ist wie viel man verdient sondern was und wieviel man sich von dem Verdienten kaufen kann.

00:02:14: Löhne und Gehälter sind das eine – die Preise für die Lebenshaltung also Miete, Lebensmittel, Kleidung Arztkosten usw.

00:02:22: Das andere.

00:02:23: In den Wirtschaftswissenschaften gibt es unterschiedliche Ansätze um den Lebensstandard zu messen.

00:02:31: Einer der ersten Versuche, dies systematisch zu tun wurde interessanterweise ausgerechnet Ende der Dreißiger Jahre unternommen.

00:02:41: In den letzten Jahren veröffentlichte der junge Ökonom Colin Clark in einer Fachzeitschrift erstmals einen internationalen Vergleich der Volkseinkommen.

00:02:52: Seine Studie kam zu einem ernüchternden Ergebnis Nachdem er systematisch die Löhne Gehälter und Preise untersucht hatte, musste klark feststellen der Lebensstandard im deutschen Reich war um ein Drittel niedriger als in Großbritannien.

00:03:09: Und sogar sehr viel niedrigger als in den USA nämlich um rund die Hälfte.

00:03:16: auch die Zeitgenossennamen diese Kluff dem Lebensstandards war.

00:03:20: Schon in den Zwanzigerjahren galt Großbritannien, in Deutschland als ein regelrechtes Arbeiter und angestellten Paradies.

00:03:29: Das Problembewusstsein war also durchaus vorhanden.

00:03:33: Nur die Problemanalyse war eine ganz andere – es überwog das Gefühl Großbritanien und die anderen Kolonialmächte hätten sich die Rohstoffe der Welt unter den Nagel gerissen und enthielten sie Deutschland vor!

00:03:48: Die kolonialen Denkmuster, deren Fundament im Kaiserreich gelegt worden waren, wirkten also fort.

00:03:57: Und sie gingen eine unheilige Allianz mit der Durchstoßlegende ein.

00:04:02: Schuld an Deutschlands Misere sei das Diktat von Versailles – ihrer Kolonien beraubt und geknächtet.

00:04:09: durch die Reparationszahlungen müssten die Deutschen auf Kosten der Siegermächte darben!

00:04:17: Die Realität war freilich eine andere.

00:04:20: Klar, spielten die Kriegsfolgen eine gewisse Rolle für die spätere wirtschaftliche Entwicklung.

00:04:27: Aber die Reparationen alleine waren nicht schuld – zumal Großbritannien und Frankreich aber auch Italien genauso an den Kriegsfolgen zu knapsen hatten!

00:04:37: Die völlig zerstörten Landstriche in Nordfrankreich hatte ich ja schon das ein oder andere Mal erwähnt….

00:04:45: Heute wissen wir, die deutsche Misere war zu einem nicht geringen Teil Hausgemacht und struktureller Natur.

00:04:52: Die Kluft im Lebensstandard ging vor allem auf das Konto des immer noch sehr großen aber ineffizienten Agrarsektors.

00:05:01: Immerhin neun Millionen Deutsche arbeiteten im landwirtschaftlichen Bereich – Aber die pro Kopf Produktivität war hier nur halb so groß wie in der Industrie!

00:05:12: Ähnlich sah es aus im stark fragmentierten Handwerk.

00:05:15: Gerade in den deutschen Kleinstätten und auf dem Land gab es noch viele kleine, rückständige Werkstätten- und Handwerksbetriebe.

00:05:25: Der beste Beleg für diese strukturellen Ursachen ist das enorme innerdeutsche Lebensstandardgefälle zwischen Stadt und Land.

00:05:35: Hierzu empfehle ich nochmal die Folge thirty threezig vierzig Blut und Boden zu hören!

00:05:42: Deutschland war also auch schon vor der Weltwirtschaftskrise eher ein Schwellenland als eine moderne Industrienation.

00:05:50: Allerdings gab es einige Sektoren wie den Maschinenbau und die Chemiebranche, in denen deutsche Unternehmen zur globalen Spitzenklasse gehörten – vor- und nach dem Ersten Weltkrieg.

00:06:02: Diese Leitsektoren verdeckten gewissermaßen die strukturellen Schwächen der deutschen Volkswirtschaft für den geringen Lebensstandard der Deutschen.

00:06:15: Summen wir jetzt aber näher in das Bild hinein, in die Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

00:06:22: Was verdienten die Deutschen in den Dreißigerjahren eigentlich?

00:06:26: Die Zahlen sind ernüchternd.

00:06:29: Damals wurden die Stundenlöhne nämlich nicht etwa in Mark sondern in Fennigen gemessen.

00:06:35: Nur hochqualifizierte und begehrte Facharbeiter wie etwa Maschinen, Schlosser oder Schriftsetzer verdienten mehr als eine Mark pro Arbeitsstunde.

00:06:45: Niedriglöhner in Sägewerken- oder Textilfabriken bekamen weniger als sechzig Fennige.

00:06:52: Stundenlöhne sind aber nur eine Seite der Medaille – die Arbeitszeit ist die andere.

00:06:58: Aus dieser Perspektive kann man auch auf die Weltwirtschaftskrise blicken!

00:07:03: stark vereinfacht ausgedrückt, wenn weniger verkauft wird, wird weniger hergestellt.

00:07:10: Wenn weniger hergestellt wird, werden weniger Arbeitszeit nachgefragt und der Gipfel davon ist im Endeffekt die Arbeitslosigkeit einer Arbeitszeit von null.

00:07:22: Diese Einsicht ist wichtig um die Entwicklung des Lebensstandards in Nazi-Deutschland zu verstehen, denn die Stundendöne entwickelten sich nach neunzehnhundertdreisig kaum nach oben.

00:07:36: Was wieder anstieg – das war die andere Seite der Medaille, die Arbeitszeit!

00:07:41: Schauen wir uns zunächst die Verteilung der Jahres- und Monatseinkommen unter den besten aller denkbaren Arbeitszeitbedingungen an – nämlich unter Vollbeschäftigung wenn also Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit fast gleich null sind….

00:07:57: Diesen Zustand erreichte die deutsche Volkswirtschaft ungefähr nach vier Jahren Diktatur.

00:08:02: Wann genau dazu gibt es unterschiedliche Meinungen?

00:08:06: Ich nutze hier der Einfachheit halber, die Zahlen für neunzehntundhundertsechs und dreißig weil es für dieses Jahr eine praktische Zusammenschau gibt.

00:08:15: Also, neunzehnhundertsechsundreißig gaben zweiundsechzig Prozent der Steuerzahler an weniger als eintausendfünfhundert Reismark im Jahr zu verdienen.

00:08:24: Zweiundsechszig Prozent das entspricht etwa vierzehnkommar.

00:08:26: fünf Millionen Erwerbstätigen oder anders gesagt fast zweidrittel der deutschen Steuerzahlen verdienten maximal einhundert und zwanzig Mark pro Monat.

00:08:37: Weitere fünf Millionen Menschen, rund zwanzig Prozent der Steuerzahler, erzielten ein jahres Einkommen zwischen tausendfünfhundert und zweitausendvierhundert Reichsmark.

00:08:47: Ihr Monatseinkommen betrug also maximal zweihundert Mark.

00:08:52: Nur siebzehn Prozent aller Steuerzahl gaben einen Einkommen oberhalb von zweitausend Vierhundert Mark an – hatten monatlich mehr als zweihunderte Mark zur Verfügung!

00:09:02: Wie gesagt, das sind keine Stundenlöhne.

00:09:05: Die hingen ja davon ab wie viel pro Monat gearbeitet wurde.

00:09:09: Außerdem beinhaltet diese Statistik wohl auch die Selbstständigen und auch die Beamten nicht nur eben abhängig Beschäftigte.

00:09:18: Und schließlich sind das vermutlich Bruttoangaben.

00:09:21: ganz sicher bin ich mir da aber nicht.

00:09:24: Auf diese Details kommt es jetzt aber auch eigentlich gar nicht an, mir ist die Verteilung der Einkommen wichtig.

00:09:31: Von neunundneinzig Steuerzahlern verdienten zweiundsechzig Leute weniger als einhundertfünfundzwanzig Mark im Monat, weitere zwanzig Leute hatten zwischen hundertfünfundzwanziger und zweihundert Mark und nur siebzehn Personen kamen über diese Zweihunderter Grenze.

00:09:45: Eine kleine sarkastische Bemerkung am Rande.

00:09:48: Adolf Hitler ist nicht Teil dieser Statistik, denn als Führer des Deutschen Reiches war er von der Steuer befreit.

00:09:55: So viel zur Einkommensverteilung in der Bevölkerung!

00:09:59: Um einen realistischen Blick auf den Lebensstandard zu bekommen dürfen wir uns aber natürlich nicht auf die Einzelpersonen konzentrieren.

00:10:08: Denn die meisten Menschen lebten damals in Familien – also in Haushalten mit mehr als einer Person.

00:10:15: Klar, es gab auch damals schon Singlehaushalte aber bei Weitem nicht so viele wie heute.

00:10:20: Heute ist fast jeder zweite Haushalt ein Single-Haushalt!

00:10:24: Für die dreißiger Jahre habe ich leider keine belastbaren Zahlen gefunden – aber damals dürfte wohl nicht mehr als jeder fünfte vielleicht nur jeder zehnte Ein Single-Haushalt gewesen sein.

00:10:37: Deshalb konzentrieren wir uns im folgenden auf die Familien.

00:10:42: Das Einkommen von Familienhaushalten, historisch zu bestimmen ist erstaunlich kompliziert.

00:10:50: Die Einkommen schwanken erheblich – je nach Tätigkeit, Branche und Region, je nach Stundenlohn- und Arbeitszeit, Steuern und Abgaben sind da noch gar nicht in den Blick genommen.

00:11:00: Wir konzentrieren uns im Folgenden auf die Haushaltseinkommen der Arbeiterschaft.

00:11:06: Das war die größte soziale Gruppe in Deutschland, jeder zweite Deutsche gehörte ihr an!

00:11:12: Um die Einkommensunterschiede in der Arbeiterschaft zu veranschaulichen, hier ein paar Beispiele aus Hessen.

00:11:18: Genauer gesagt aus dem Raum Kassel.

00:11:20: Demnach verdiente im Frühjahr, für einen verheirateten Facharbeiter mit drei Kindern beim Rüstungskonzern Hentschl, einhundert und vierzig Mark netto pro Monat.

00:11:32: Zum Vergleich, ein ungelehrter Arbeiter verdient bei Hentschl nur einhundermark.

00:11:37: Dem gegenüber bekam ein Facharbeiter in der Textilbranche nur unwesentlich mehr.

00:11:43: In einer Jute-Spinnerei bei Kassel waren das einhundertdreizend Mark, ein ungelernter Arbeiter verdiente dort sogar nur sechsohnachtzig Mark – in allen vier Fällen betrug die Wochenarbeitszeit achtundvierzig Stunden.

00:11:57: und damit stehen wir vor der zweiten großen Hürde bei der Bestimmung von Haushaltseinkommen.

00:12:03: Das mit der Einverdiener-Ehe ist nämlich für die längste Zeit der Industriegeschichte ein extrem hartnäckiger Mythos.

00:12:12: Oft genug war auch die Ehefrau berufstätig.

00:12:15: Ohne ein zweites Einkommen wären die allermeisten Arbeiter-Familien, aber auch so manche Angestellten-Familyen nie über die Runden gekommen.

00:12:24: Die halbligale Mithilfe der Kinder zum Beispiel in der Heimarbeit blende ich an dieser Stelle sogar vollständig aus.

00:12:32: Wenn wir also auf die weiblichen Beschäftigten schauen dann gilt für diese natürlich ebenfalls die Löhne schwanken je nach Branche und Region.

00:12:42: Aber hinzu kam nicht anders als heute, dass Frauen grundsätzlich weniger als Männer verdient.

00:12:49: Und zwar nicht nur weil sie andere Tätigkeiten ausübten oder in Teilzeit arbeiteten sondern einfach deshalb weil sie Frauen waren.

00:12:57: Zum Beispiel erhielt eine ungelernte Textilarbeiterin aus Kassel bei einer Achtundvierzigstundenwoche lediglich Sechsund Siebzig Mark also zehnmark weniger als hier ebenfalls ungelernter männlicher Kollege.

00:13:11: Um den Effekt der Zweiferdienerehen auf die Haushaltseinkommen zu berücksichtigen, lässt sich als grober Richtwert annehmen dass eine Ehefrau ungefähr die Hälfte von dem verdiente was ihr Mann verdient.

00:13:27: Der Einfachheit halber sollte man außerdem annehmen das die Eheläute derselben Großgruppe angehörten also in diesem Fall der Arbeiterschaft.

00:13:37: Das ist natürlich ein Stück weit realitätsfern, denn die Frauen von Fabrikarbeitern konnten ja genauso gut als Angestellte zum Beispiel als Reinigungskraft oder als Verkäuferin tätig sein.

00:13:50: Aber für unsere grobe Schätzung ist die Annahme ganz hilfreich weil man dann leichter rechnen kann.

00:13:58: Demnach verfügte ein durchschnittlicher Haushalt aus der Arbeiterschaft in den dreißiger Jahren über rund zwei tausend siebenhundert Mark jährlich bzw.

00:14:06: zweundundzwanzig mark monatlich.

00:14:08: zum vergleich Ein Zweiferdienerhaushalt, indem sowohl Mann als auch Frau Angestellte waren kam auf deutlich mehr nämlich etwa viertausend mark jährliche oder drei hundertdreisig mark Monatlich.

00:14:20: das sind wie gesagt statistische Durchschnittswerte.

00:14:24: Wenn man diese Einnahmen zu den Lebenshaltungskosten in Beziehung setzt, wird es richtig deutlich wie viel oder besser wie wenig Zweihundertfünfundzwanzig Mark eigentlich waren.

00:14:34: Hier ein paar durchschnittliche Preise Das Grundnahrungsmittel der Arbeiterschaft waren Kartoffeln.

00:14:40: Ein Sack davon Gewicht fünf Kilogramm Kostete Fünfzig Pfennige.

00:14:46: Ein großes Leibbrot Graubrot Ein Kilogrammen kostete Einen dreißig Pfennigen.

00:14:52: Dafür bekam man aber nicht mal drei Eier, denn ein Ei kostete stolze zwölf Fennige.

00:14:57: Noch teurer war Speck – einhundert Gramm für knapp zweiundzwanzig Fennigen.

00:15:01: Ein Liter Milch kostete unwesentlich mehr als der Speck nämlich dreinzwanziger Fenniga im Durchschnitt.

00:15:07: Butter war für Arbeiter praktisch unerschwinglich – einen halbes Fund.

00:15:10: die heute übliche Supermarktgröße kostete achtundsebzig Fenniges.

00:15:16: Die sogenannten Genussmittel waren erwartungsgemäß natürlich noch teurer.

00:15:21: In der Arbeiterschaft gehörten dazu vor allem drei Dinge, Bier, Zigaretten und Kaffee.

00:15:27: Eine große Flasche Bier – Null Komma Fünf Liter kostete ¾ Pfennige.

00:15:32: Möglicherweise war Fastbier etwas günstiger denn damals war es noch an vielen Orten üblich das Bier jeden Tag frisch in großen Kannen von der Kneipe um die Ecke zu kaufen.

00:15:42: Falls ihr da mehr wisst meldet euch doch gern bei mir!

00:15:46: Obwohl damals viel mehr Menschen geraucht haben, als heute waren Zigaretten alles andere als erschwinglich.

00:15:54: Eine Schachtel mit zwanzig Stück kostete etwa sechzig Pfennig.

00:15:58: Der Verbrauch pro Haushalt lag durchschnittlich bei zwei Zigaretten täglich.

00:16:02: Heute sind es doppelt so viele.

00:16:05: Anders gesagt Es haben zwar mehr Menschen geraucht aber die haben weniger Zigarretten konsumiert.

00:16:11: Nicht von ungefähr sagt man heute noch umgangssprachlich Kippe zu einer Zigarette.

00:16:16: Ursprünglich war damit der abgerauchte Zigarrettenstummel gemeint.

00:16:20: Ich habe noch über einen meiner Urgroßväter die Geschichte gehört, dass er während der Weltwirtschaftskrise durch die Kneipen getingelte ist um Kippen einzusammeln.

00:16:31: Zuhause hat er dann die Tabakreste aus den Zigarettenstummeln gekratzt und so seinen Rauchvorrat aufgebessert.

00:16:40: Wie Nikotin, so war auch Koffein eine höchst kostbare Alltagsdroge.

00:16:44: Ein Kilo Kaffee kostete um die Fünffreismark – der pro Kopfverbrauch lag damals bei etwa fünf Kilogramm pro Jahr.

00:16:51: Das entspricht interessanterweise ungefähr dem heutigen Konsum.

00:16:55: Da Kaffees aber damals viel teurer waren werden viele Haushalte aus der Arbeiterchaft ihren kostbaren Bohnenvorrat mit Ersatzprodukten gestreckt haben zum Beispiel auf Basis von Getreidemals, Karo-Kaffee oder Chicore oder wenn es hart auf hart kam mit selbst gerösteten Eicheln.

00:17:12: Wahrscheinlich könnt ihr euch schon denken, die Ausgaben für die Nahrungsmittel und die wenigen Genussmittelfrasen fasst die Hälfte eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens in der Arbeiterschaft.

00:17:26: Deshalb war die tägliche Ernährung auch denkbar eintönig – Brot, Marmelade, Kartoffeln, Kohl ganz ein wenig Schweinefleisch dazu, ganz ein bisschen Milch oder Bier und hauptsächlich Wasser!

00:17:40: Neben der täglichen Ernährung schlug auch die Unterkunft zu Buche.

00:17:44: Rund ein Viertel des Einkommens musste für die Warmenmieter aufgewendet werden.

00:17:48: Heute liegt der Durchschnitt etwas höher, bei über dreißig Prozent.

00:17:53: Der Wohnraum war damals aber auch viel kleiner und primitiver ausgestattet.

00:17:58: Fließend Wasser war in den Städten zwar mittlerweile Standard Aber Zentralheizungen Ein eigenes Bad und WC waren es nicht.

00:18:07: Die Bewohner auf dem Land, immer noch die Mehrheit der Bevölkerung konnte von solchen Annehmlichkeiten oft nur träumen.

00:18:14: Außer sie hatten das Glück in einem großen und modernen Bauernhaus zu leben wie sie zum Beispiel in meinem Dorf vor dem Ersten Weltkrieg gebaut worden waren.

00:18:25: Das war aber auch eine kleine wohlhabende Schicht der Landbevölkerung.

00:18:30: An dieser Stelle eine kurze Zwischenbemerkung, um den internationalen Vergleich des Lebensstandards noch einmal zu schärfen.

00:18:42: In Detroit, einem der wichtigsten Automobilzentren der USA war es selbst für Arbeiterfamilien der untersten Lohnstufe normal in einer Wohnung mit vierenhalb Zimmern zu leben.

00:19:05: Eine solche Wohnung war in Deutschland kaum für weniger als ein Tausend Vierhundert Mark im Jahr zu bekommen.

00:19:28: Ein in Detroit üblicher Lebensstandard für, man muss sagen Facharbeiterfamilien hätte in Frankfurt oder der Berlin ein jahre Einkommen zwischen fünftausend Fünfhundert und sechstausend Reichsmark erfordert – das überforderte selbst die Finanzen vieler Angestellter!

00:19:45: Und zwar auch dann wenn es sich um Doppelverdienerhaushalter handelte….

00:19:50: Aber zurück zur Arbeiterschaft.

00:19:52: Nach Abzug aller existenziellen Lebenshaltungskosten blieb selbst einem vierköpfigen Facharbeiterhaushalt gerade einmal siebensechzig Reichsmark pro Monat übrig für alle weiteren Ausgaben, also Kleidung Haushaltsmittel Verkehr Versicherungen und Medikamente.

00:20:11: Unter diesen Umständen war es zum Beispiel fast unmöglich Schulgeld für das Gymnasium zu bezahlen damit es die eigenen Kinder später einmal besser haben konnten.

00:20:21: Ähnlich sah es bei der persönlichen Ausstattung aus.

00:20:24: Ein paar Männerschuhe kosteten zehn Mark, deshalb ließ man sich im Zweifelsfall die alten Treter neu besohlen – dafür zahlte man nur vier Mark.

00:20:34: Kinderschuhe unter sechs Mark zu bekommen war schon ein Glückstreffer und wenn dann doch einmal ein neuer Anzug für den Vater fällig war, dann musste sich die Familie diese Investitionen buchstäblich vom Munde absparen.

00:20:49: Eine wichtige Tatsache haben wir in diesem eher tristen Panorama, bis er völlig ausgeblendet.

00:20:55: Zwischen nineteenhundertdreisig und sechsun dreißig herrschte ja überhaupt keine Vollbeschäftigung.

00:21:00: Die Arbeitslosigkeit sank zwar von Jahr zu Jahr ab, trotzdem waren Millionen immer noch ohne Beschäftigung oder wie im Fall der Textilbranche – ihr erinnert euch in Kurzarbeit!

00:21:11: Wie erging es also den Arbeitslosen?

00:21:14: Da müssen wir ganz ähnlich wie heute zwischen denen unterscheiden, die Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bekamen und denen die sozusagen in der Grundsicherung steckten.

00:21:27: Mit ganz groben Maß gemessen verteilten sich diese beiden Gruppen wie folgt Wer frisch entlassen war er hielt Leistungen Aus der Arbeitslosenversicherung Das waren Roundabout immer so vierzig Prozent der ArbeitsLosen.

00:21:41: Wer länger ohne Job war, fiel aus der Versicherung heraus und wurde zum sogenannten Wohlfahrtserwerblosen.

00:21:48: Der erhielt weniger als die Versicherungsleistung.

00:21:52: Diese Gruppe machte ebenfalls ungefähr vierzig Prozent aus – und jetzt merkt ihr schon, dass da bis hundert Prozent noch was fehlt!

00:22:00: Die übrigen zwanzig Prozent erhielten nämlich gar keine Unterstützung und waren auf Gelegenheitsarbeit betteln oder Schlimmeres angewiesen um zu überleben.

00:22:11: Schauen wir uns die mittlere Gruppe der sogenannten Wohlfahrtserwerblosen näher an.

00:22:17: Ihre Unterstützung wurde wie gesagt nicht von der Arbeitslosenversicherung übernommen, sondern ähnlich wie heute von den Städten und Gemeinden.

00:22:26: Soweit ich das nachvollziehen konnte gab es aber keinen nationalen Regelsatz wie heute, sondern die Höhe der Geldleistungen schwankte regional von Land zu Land bzw.

00:22:37: von Kommune zur Kommune.

00:22:40: Neben einer wöchentlichen Barleistung bekamen die Wohlfahrtsempfänger zusätzliche Sonderleistungen, die ebenfalls unterschiedlich hoch ausfehlen.

00:22:51: Ein solcher Arbeitsloser erhielt monatlich ungefähr zwischen neunundsechzig bis vierundneinzig Mark je nach Anzahl der Kinder – inklusive aller Sonderleistungen.

00:23:00: wohlgemerkt.

00:23:02: In Schwelm bei Dortmund zum Beispiel bekam ein Arbeitsloser mit zwei Kindern, siebzehn Mark und achtzehn Fennige als wöchentlichen Sockelbetrag.

00:23:10: Dazu kamen fünfundachtzig Fenniger Mietbeihilfe und sechsundvierzig fennige Milchverbilligung außerdem einem markt seventyfähnigen Zuschuss für Sachausgaben insgesamt also zwanzig Mark, einundzwanzig pro Woche oder knapp Einenachtzig Mark pro Monat.

00:23:27: Und damit kommen wir jetzt zu einer weiteren Gruppe, auf die sich ein genauer Blick lohnt.

00:23:30: Denn ihr erinnert euch vielleicht noch daran was für ein großes Propagandargetöse die braun-schwarze Koalition in den ersten Monaten der Regierung Hitler um die Arbeitsbeschaffung betrieben hat.

00:23:42: Stichwort Reinhardprogramm!

00:23:45: Falls Ihr das nochmal nachhören wollt klickt Euch die Folge.

00:23:47: Dreiunddreißig sechsundzwanzig.

00:23:54: Rundfunk, Zeitungen und Wochenschau überboten sich mit Berichten über die groß inszenierten Feierlichkeiten zum Beispiel von den Autobahnbaustellen der Nation.

00:24:05: Hitler schaffte dann nur zu gerne Platz in seinem Terminkalender für den ein oder anderen Spatenstich denn immer schön umringt von ausgewählten Bauarbeitern ließ sich die Volksnähe des Führers vor der Kamera adäquat einfangen.

00:24:20: Die Wirklichkeit der Arbeitsbeschaffung sah anders aus.

00:24:24: Auf den Autobahnbaustellen wurde teilweise mit primitivsten Mitteln geschuftet.

00:24:28: Anderswo war es nicht besser.

00:24:30: Kanäle graben, Straßen planieren, Moore trocken legen – alles per Hand und entlohnt nach dem niedrigsten örtlichen Bauarbeiter-Tarif.

00:24:39: Bereits im Dezember von hierhin hatte die Reichsregierung ins Geheim beschlossen keine weiteren Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu finanzieren.

00:24:49: Sobald das Reinhardprogramm die letzte Mark ausgegeben hatte, war Schluss!

00:24:54: Zuschüsse für die lokale Arbeitsvermittlung in den Kommunen wurden zusammengestrichen.

00:24:59: Die Priorität lag nun ganz bei der Aufrüstung.

00:25:02: In den letzten Jahren führten im Jahr im Reichshaushalt fast ca.

00:25:05: seventy-fünf Prozent des Reichsaushalts in das Militär.

00:25:10: Die Zahl der Arbeitslosen war seit der Machtübernahme der Nazis um mehr als zwei Komma fünf Millionen Personen gesunken, Aber die Arbeitsbeschaffungsprogramme hatten allenfalls so eine Art Brückenfunktion dabei gehabt.

00:25:23: Zwei Drittel der Menschen, die in Lohn und Brot zurückkehrten, schafften das über den regulären Arbeitsmarkt.

00:25:30: Wobei das mit dem Regulär so eine Sache ist – denn fast fünfzig Prozent des Wirtschaftswachstums gingen ja unmittelbar auf das Konto des Militärs.

00:25:38: Aber dass mit der braunen Kriegsglütergesellschaft – das habe ich jetzt schon oft erzählt – hängt euch vermutlich zu den Ohren raus!

00:25:46: Zurück also zu denjenigen, die angeblich von den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung Hitler profitierten.

00:25:53: Die Entlohnung der sogenannten Notstandsarbeiter überstiege in der Regel kaum die Unterstützungssätze der Wohlfahrtserwerbslosen.

00:26:02: Gab es in der Familie mehrere Kinderlagen, die sogar deutlich drunter – denn Notstandsharbeiter erhielten kaum Sonderleistungen!

00:26:10: Im Gegenteil kamen noch zusätzliche Belastungen hinzu, denn die Arbeitsorte waren ja in der Regel viele Kilometer weit von zu Hause entfernt.

00:26:19: Untergebracht wurde man entweder zur Untermiete – was wiederum Löcher ins Budget fraß oder in zugegen Holzbarakken großer Sammlager entlangt der Baustellen.

00:26:30: Dort war die Verpflegung schlecht und trotzdem wurde dafür ein Teil des Lohns einbehalten.

00:26:35: In Schwelm zum Beispiel brachte einen Notstandsarbeiter nach knochenbrechenden Stunden an der Schippe oder an der Spitzhacke, nur dann eine Mark pro Woche mehr nach Hause wenn er maximal ein Kind hatte.

00:26:51: Waren es zwei Kinder, schrumpfte der Unterschied auf drei und siebzig Fennige.

00:26:55: Hatte die Familie drei oder mehr Kinder rutschte das Verhältnis ins negative.

00:27:00: Viele Arbeitslose konnten ihre soziale Lage also durch die Teilnahme an der Arbeitsbeschaffung nicht

00:27:06: verbessern.".

00:27:08: Entsprechend klein war das Lebensmittelbudget von arbeitslosen Haushalten.

00:27:13: Speck, Eier und Milch waren quasi Luxusgüter, neue Schuhe – ein Ding der Unmöglichkeit!

00:27:19: Brot- und Kartoffeln mussten sehr genau rationiert werden.

00:27:23: Periodisches Hungern war die Folge.

00:27:26: Viele Arbeitslose, Kurzarbeiter und wohl auch nicht wenige Ungelernte waren deshalb auf Nahrungsmittel und Kleiderspenden im Wert von Hunderten Millionen Reichsmark angewiesen Und zuständig dafür waren, nach der Gleichschaltungswelle des Jahres neunzehntundertdreißig zwei braune Organisationen.

00:27:47: Die nationalsozialistische Volkswohlfahrt und das Winterhilfswerk.

00:27:51: Über seine karitativen Einrichtungen generierte das Regime also prestige obwohl die eigene Politik die Notwendigkeit dieser Einrichtung erst geschaffen hatte.

00:28:03: Bis hierher haben wir nur Momentaufnahmen gemacht.

00:28:06: jetzt schauen wir genauer auf den Zeitverlauf.

00:28:08: Am Anfang, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten stand ein Versprechen das zugleich eine Zumutung war.

00:28:16: Durch die Ausschaltung der Tarifautonomie und die Einrichtung der neuen Arbeitsordnung – Stichworte treuhänder der Arbeit- und deutsche Arbeitsfront – hatte das Regime die Löhne und Gehälter de facto eingefroren.

00:28:29: Gerechtfertigt wurde dieser Lohnstopp mit zwei Argumenten.

00:28:33: Erstens mit einem Appell an das Solidargefühl Solange Millionen Volksgenossen keinen Job hätten, dürfen die Beschäftigten keine höheren Löhne verlangen.

00:28:44: Sobald die Arbeitslosigkeit besiegt sei, sei auch die Zeit für Einkommenszuwächse gekommen.

00:28:50: Zweitens – und das war die technischere Begründung – müsse eine Inflation unbedingt verhindert werden.

00:28:57: Das Trauma der Hyperinflation von neunzehnhundertzwanzig saß tief und deshalb konnte das Regime zumindest anfangs auf das Verständnis der Bevölkerung

00:29:05: hoffen.".

00:29:07: Das erste Argument bekam tatsächlich Rückenwind.

00:29:11: Im Frühjahr hier gab es rund fünfzehn Millionen Vollzeitbeschäftigte, achtzig Prozent davon waren Männer.

00:29:18: Arbeitslos in Kurzarbeit oder in der Arbeitsbeschaffung waren nur noch dreieinhalb Millionen Menschen.

00:29:25: Bis August nineteenhundertdreißig sollte sich diese Zahl dann nochmal halbieren.

00:29:29: auf eins Komma sieben Millionen.

00:29:31: Zum ersten Mal seit Oktober neunzehntneinundzwanzig lag man damit unter dem Vorkrisenstand.

00:29:37: Das war objektiv ein Erfolg, auch wenn wir wissen woher er kam – nämlich aus der Aufrüstung nicht aus der Arbeitsbeschaffung.

00:29:44: Anders als noch neunzentreiden dreißig und Anfangvierendreißig sank nun auch die Arbeitslosigkeit in den Industrie-Industriezentren stark ab so ins Schlesien oder im Ruhrgebiet.

00:29:55: Andere Zentren wie zum Beispiel das Rheinland hinken hinterher Und der Frauenanteil an den Beschäftigten der Sank weiter, weil genau die Branchen profitierten in denen weniger Frauen arbeiteten.

00:30:05: Stahl Maschinenbau Hoch- und Tiefbau.

00:30:10: Je näher die deutsche Volkswirtschaft der Vollbeschäftigung kam desto weniger plausibel erschien nun aber eine Fortsetzung des Lohnstorbs Zumal sich das zweite Argument, die Inflationsvermeidung von Anfang an als eine Lehrformel erwiesen hatte.

00:30:24: Denn dort wo die meisten Menschen Inflation am stärksten spürten – bei den Lebenshaltungskosten – stiegen die Preise Jahr um Jahr.

00:30:33: Schon zwischen nineteenhundertdreisig und neunzehnundertvierund dreißig waren die Grundnahrungsmittel teurer geworden.

00:30:38: Kartoffeln fünfzehn Prozent Gemüse zehn Prozent Schweinefleisch knapp zehn Prozent Eier, knapp fünfzehn Prozent, Margarine fast vierzig Prozent.

00:30:48: Im Verlauf des Jahres fünfunddreißig kam dann noch einmal eine durchschnittliche Teuerung von über zwanzig Prozent dazu und parallel dazu begannen auch die Mieten zu steigen.

00:30:59: Offiziell war davon in den Statistiken wenig zu sehen denn die nutzten allgemeine Durchschnittswerte zur Inflationsberechnung.

00:31:10: Und so ist es zu vermuten, dass im Zweifelsfall eben auch kaschiert wurde was kassiert werden konnte.

00:31:15: Für die Arbeiterfamilien bedeuteten die Preissteigerungen harte Entscheidungen.

00:31:21: Abgenutzte Wäsche wurden nicht mehr ersetzt Die Ernährung wurde weiter eingeschränkt.

00:31:26: Kohlen und Kartoffeln wurden nicht in großen Mengen einmal im Jahr eingekellert wie es früher üblich war sondern Wochen oder sogar Tageweise gekauft Zu entsprechend höheren Stückpreisen.

00:31:38: Der Schuldenberg beim Laden um die Ecke wuchs und wuchs, weil man immer mehr Einkäufe anschreiben lassen musste.

00:31:45: Sogar manch eine Dienststelle der geheimen Staatspolizei warnte deshalb dass Arbeiterfamilien selbst bei größter Sparsamkeit bald nicht mehr durchkommen würden.

00:31:57: In den Lageberichten der Verwaltungen und der Gestapo häuften sich alarmierte Beobachtungen.

00:32:03: Der Hitlergruß wurde zunehmend weniger gezeigt.

00:32:07: Auf der Straße in Parks und in den Betrieben versammelten sich tagtäglich kleine Gruppen, die sich so ein Gestapo-Beamter in einer durch Zeichen und Bewegungen unterstützten und unterstrichenden Flüstersprache unterhielden.

00:32:23: Zunehmend wurde Kritik aber auch laut geäußert – eine Dienststelle wusste zu berichten?

00:32:29: Auf den Arbeitsämtern an den droschen Haltestellen in den Lagern der Autobahn

00:32:33: usw.,

00:32:34: wird öffentlich und ohne Scheu gehetzt!

00:32:38: Auf den Wochenmärkten sah es ähnlich aus.

00:32:41: Die Hausfrauen verhalten sich zum Teil noch schweigend, reden aber nicht dagegen sobald einmal eine andere Hausfrau was recht oft geschieht aufbekehrt.

00:32:50: Gerade in den Arbeitervierteln waren die Läden manchmal tagelang leer gekauft – die Händler reagierten darauf indem sie neue Ware zuerst an Stammkunden abgaben oder dem Kauf einer Ware an den Erwerb einer anderen knüpften.

00:33:05: Dieses Verhalten befeuerte natürlich nur wieder den Unmut und führte dazu, dass es zu Hamster käufen kam.

00:33:12: Die demonstrative Verhaftung einzelner Händler als sogenannte Wucherer änderte daran wenig.

00:33:19: Offen angeprangert wurden etwa die Spitzengehälter der Beamten und Manager – was so manchen nationalsozialistischem Beobachter zur Resignation trieb!

00:33:29: Immer wieder war zu beobachten, dass alte Gedankengänge aus dem Rüstzeug des Klassenkampfes der vergangenen Epoche anklangen und sofort auf Einverständnis stießen.

00:33:41: Ins Fadenkreuz der Kritik geriet insbesondere das Verhalten der Parteifunktionäre – so heißt es in einem Bericht.

00:33:48: die Leute beklagten den egoistischen Einfluss der verschiedensten jetzt nationalsozialistischen Interessenvertretungen.

00:33:57: Anderswo kann man lesen, jeder Misserfolg und jede Blöße wurde festgestellt und angeprangert.

00:34:04: Anekdoten wie die folgende machten die Runde.

00:34:07: Viel besprochen wird auch das merkwürdige Gestalten als Hayatführer auftreten sollen – so soll zum Beispiel angeblich bei der Hayat-Führung Ost ein ganz dicker Bonze, wie die Kinder sagen sein, den voller Hayatuniform und Armbinde in Biolokalen sitzt und es sich gut schmecken lässt!

00:34:22: Er soll fremden als typisches Bild aus dem neuen Deutschland gezeigt werden….

00:34:28: Ein Berliner Gestapo-Bericht fasste die vorherrschende Meinung über die NSDAP wie Volk zusammen.

00:34:35: Eine große Rolle spielt, die nach Auffassung weiter Bevölkerungskreise nicht nationalsozialistische Lebensweise vieler im Vordergrund stehender Führer.

00:34:44: Weit ist die Meinung verbreitet, dass die meisten höheren und mittleren Führer des Staates und der Partei in erheblichem Luxus leben.

00:34:52: Immer wieder hört man das da-und dort neue Prunkwillen gebaut würden – und dass die Herkunft der Gelder für diese Zwecke aus den angemessenen Einkommen der Bauherren nicht zu erklären seien!

00:35:03: Es wird davon gesprochen, dass viele nationalsozialistische Führerer rascher reich geworden sein als das unter dem früheren Regime bei dessen Führen der Fall gewesen sei….

00:35:14: Dabei fällt immer wieder das gefährliche Wort Bonzenwirtschaft.

00:35:19: Nicht weniger in der Kritik stand die Deutsche Arbeitsfront, nicht nur weil deren Apparat zunehmend einem bürokratischen Molochlich sondern auch weil deren Vertrauensleute und Obmänner in den Betrieben zu allererst überzeugte Nationalsozialisten waren und von dem meisten Arbeiterinnen und Arbeitern als neue Herren wahrgenommen wurden.

00:35:39: Das selbsthärliche Auftreten vieler DAF-Funktionäre tat sein Übriges dazu.

00:35:44: Im Raum Pots dann zum Beispiel wurde ein örtlicher DAFleiter von den Betriebsangehörigen in Abwandlung seines richtigen Namens nur noch Schnauzenvogt gerufen.

00:35:55: Selbst innerhalb der braunen Bewegung nahmen die Unzufriedenheit zu, auf dem Melodie des Horst Wessel Lides kursierte folgendes Spottgedicht durch die Sturmlokale Die Preise hoch, katellefest geschlossen.

00:36:08: Das Kapital marschiert mit leisem Schritt – die Börsianer sind Parteigenossen und für das Kapital sorgt nun Herr

00:36:15: Schmidt.".

00:36:17: Aus diesen Fersen spricht die wehmütige Erinnerung an die gute alte Kampfzeit als man noch wusste wofür und vor allem wogegen man kämpfte.

00:36:26: Nur diejenigen Facharbeiter, die jetzt schon vom Rüstungsbogen profitierten blieben, eigentlich vergleichsweise ruhig.

00:36:33: Ungekehrt kam es zu widerständigen Verhalten – zuallererst bei den Arbeitsbeschaffungsprogrammen.

00:36:39: Dazu will ich in einer der nächsten Folgen mehr berichten, deswegen hier nur zwei Beispiele.

00:36:44: Bereits im Oktober von hierhin kam es zur Einhundertvierzigverhaftung nach einer, so die Gestapo-Meuterei beim Reichsautobahnbau.

00:36:53: In Dortmund protestierten Arbeiter gegen die hohen Lebensmittelpreise mit einer fantasievollen Abwandlung des Hitlergroßes.

00:37:01: Man regte den rechten Armempower und rief Heil, drei Mark Fünfzig – worauf der gegenüberantwortete Kartoffeln dreimal fünfundsiebzig.

00:37:11: Eine Generalkritik am Regime war das alles aber noch nicht.

00:37:15: Zwar gebe es so ein Bericht eine starke Sehnsucht nach Ordnung, Sachlichkeit und Sauberkeit der gesamten Staats- und Volksführung.

00:37:23: Dahinter steckte aber mehr Resignation und Alltagsflucht als Resistenz.

00:37:28: Gewachsen ist eine Gleichgültigkeit, die in allem und jedem vorbeilebt – man lebt sein eigenes Leben, macht sich seine eigenen Gedanken hat seine private Meinung, die man nur im engsten Kreise Vertrauten und Freunden gegenüber

00:37:40: äußert.".

00:37:41: Nicht zuletzt wegen dieser apathischen Haltung hatte Goebbels Miesmacherkampagne von ¾ gar nicht gezündet.

00:37:48: Die Bevölkerung fühlte sich von den immergleichen Jubelhetztiraden nicht mehr abgeholt.

00:37:53: Auf dem Reichspressetag Mitte November, thirty-four war dem Propagandaminister dann der Kragen geplatzt.

00:37:59: Er hatte von den anwesenden Redakteuren und Verlegern gefordert die Presse müsse endlich den Alltag vergolden – und zwar durch den Schein des Ideals!

00:38:08: Alles andere sei

00:38:09: totzuschweigen.".

00:38:10: Wie wenig Goebbels selbst an die Kraft dieser Strategie glaubte, verraten seine weiteren Worte.

00:38:15: Ich weiß was ist aber ihr braucht mir das nicht zu sagen.

00:38:18: Verderbt mit meinen guten Nerven nicht.

00:38:20: ich muss den Nerven behalten denn ich muss arbeiten

00:38:23: können.".

00:38:25: Während die innenpolitische Propaganda im ersten halbjahr thirty-fünf also in einer Sackgasse steckte kann man das für die Außenpolitik nichts sagen.

00:38:35: Die Welle diplomatischer Erfolge von der Saarabstimmung über die Wehrpflicht bis hin zum Flottenabkommen unterstricht die Leistungsfähigkeit des Regimes wenigstens in dieser Hinsicht.

00:38:47: Nach jedem dieser vermeintlichen Erfolgen hob sich die Stimmung in der Bevölkerung immer wieder und wieder, wenn auch nicht für lange Zeit.

00:38:54: Was blieb?

00:38:55: das waren stetig steigende Lebenshaltungskosten?

00:38:59: Insbesondere aber funktionierte der Hitler-Muters noch immer.

00:39:03: Die Stimmungsberichte wurden nicht müde zu betonen, dass die Bevölkerung nach wie vor zum Führer wenn auch nicht immer zum Nationalsozialismus stände.

00:39:12: Und die gesammelten Missstände, so sahen es die meisten Deutschen in der Arbeiterschaft, gingen auf das Konto des Parteis – nicht auf das konto des Führers.

00:39:22: Ein Berichterstatter brachte diese paradoxe Denkweise auf den Punkt, indem er wieder gab was er auf der Straße hörte.

00:39:28: Adolf Hitler weiß alles nicht!

00:39:32: Die Stimmungskurve der deutschen Bevölkerung bewegte sich also in einem ständigen Auf- und Ab.

00:39:38: Aber wenn man etwas herauszoomt, zeigte die Kurve nach den ersten Jubelmonaten des Jahres neunzehn dreinunddreißig doch deutlich nach unten – vor allem bei der Arbeiterschaft, also knapp der Hälfte der Bevölkerung!

00:39:50: Ein Gestapobeamter aus Dortmund schrieb auf was das für das Regime bedeuten konnte….

00:39:56: Aber in der Tatsache, der gesunkenen Realöne liegen starke Gefahrenmomente da diese Notlage den geeigneten Boden für die staatsfeindliche Propaganda bildet.

00:40:05: Die Verhältnisse haben sich inzwischen so zugespitzt dass die Disziplin der notleidenden Arbeiterbevölkerung als gefährdet erscheint.

00:40:13: Es darf nicht vergessen werden das viele Volksgenossen die Versammlungen der NSDAP in der Kampfzeit besucht haben und ihnen der Inhalt der Themen hinsichtlich der Stellungen des deutschen Arbeiters im dritten reich sehr wohl im Gedächtnis haften geblieben ist und dass die Nichteinhaltung der Versprechen bezüglich der sozialen Besserstellung dazu angetan ist, diese Menschen in die Arme der Staatsfeinde zu treiben.

00:40:39: Das Regime blieb natürlich nicht vollständig passiv gegenüber der Stimmungsentwicklung in der Bevölkerung.

00:40:45: Im Gegenteil – die Berichte aus denen ich hier laufend zitiert habe wurden ja gerade deshalb angefertigt um die Naziführungen auf dem Laufenden zu halten!

00:40:53: Anders als zum Beispiel viele Konservative hatten die Nationalsozialisten immer schon ein ausgesprochenes Gespür für die Stimmung der Massen.

00:41:01: Nun aber war die schön einfache Kampfzeit, in der man alles versprechen und nichts halten musste – einfach vorbei!

00:41:10: Mein Name ist Jonas Steffan und das war Folge thirty-fünfund dreizig siebzehn von Deutschland Dreiunddreißig Fünfundvierzig.

00:41:16: Wenn euch diese Folge gefallen hat, bewertet doch bitte dem Podcast auf Spotify, Apple Podcast und Co.

00:41:22: Und hinterlasst einen Kommentar!

00:41:25: Ein Dankeschön geht raus an die PayPal-Spenderinnen Sabine & Robert.

00:41:30: Herzlich willkommen heiße ich die neuen Patreons Bettina und Markus.

00:41:35: Zum Schluss ein großes Dankeschönern des Team der ProduzentInnen Die mich jeden Monat mit fünfzehn Euro auf Patreon unterstützen.

00:41:43: Danke an Danny, Thorsten K. Punkt, Annika, Cora, Lukas, André, Götz, Valentina, Natja, Tobi, Hendrik, Gerhardt, Stephanie, Volker, Bernd, Basti, Johannes, Linda, Sascha, Frank, Torsten Errpunkt und Ben!

00:42:02: Wir hören uns beim nächsten Mal wieder – bis dahin!

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