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#35.18 Ein Hauch von Widerstand. Die Lohn- und Preispolitik der Nazis 1935 und die Reaktion der Arbeiterschaft

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00:00:00: Im ersten halb Jahr, in den letzten Jahren kippte die Stimmung in Deutschland.

00:00:03: Die Lebenshaltungskosten stiegen Monat für Monat – die Löhne tatten das nicht!

00:00:08: In den Arbeitervierteln auf den Wochenmärkten und an den Straßenecken wurde laut über die Bonzenwirtschaft geschimpft.

00:00:15: Selbst die Gestapo warnte wenn die Notlage anhalte treibe man die Arbeiterschaft den Staatsfeinden in die Arme.

00:00:24: Diese Berichte landeten auf den Schreibtischen der Naziführungen.

00:00:27: Aber was konnten sie dagegen tun?

00:00:29: Oder besser gesagt, was wollten Sie dagegen tun.

00:01:10: Hi und Willkommen zu Deutschland, Dreiunddreißig, Vierfünfvierzig.

00:01:14: Folge Vierunddreißig, Achtzehn Ein Hauch von Widerstand Die Lohn- und Preispolitik der Nazis, Neunzehundertdreessig Und die Reaktion der Arbeiterschaft.

00:01:24: Eines muss ich vorweg sagen – die Stimmungskrise von Neunzenehundertdeißig war Haus gemacht Denn der maßgebliche Treiber der negativen Stimmung war die Teuerungswelle für Nahrungsmittel und Dinge des alltäglichen Bedarfs.

00:01:37: Und die wiederum war eine direkte Folge der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik.

00:01:42: Lasst mich dazu noch einmal die Fäden zusammenziehen!

00:01:45: Zum Beispiel stiegen die Preise, weil die Konsumigüterindustrie stagnierte.

00:01:50: In Folge thirty-fünfunddreißigsechzehn hatte ich das am Beispiel der Textilbranche erklärt.

00:01:55: Jaimerschacht und sein Reichswirtschaftsministerium kontrollierten den deutschen Außenhandel mit harter Hand.

00:02:02: Importiert wurden vor allem Rohstoffe für die Rüstung, Baumwolle oder Leder standen auf der Prioritätenliste ganz unten.

00:02:10: Die Produktion von Textilien musste gedrosselt werden wodurch die Preise stiegen.

00:02:16: Gleichzeitig wurden viele Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt verdient also weniger Und für Investoren wurde es zunehmend unattraktiv ihr Geld in die Konsumgüterindustrie zu stecken.

00:02:29: Das freie Kapitalfluss verstärkt dorthin, wo die Wirtschaft boomte – und das war die Rüstung!

00:02:35: Die Teuerungswelle im Textilbereich führte zu Hamster- und Panikkäufen.

00:02:41: Bald sah sich der Staat gezwungen, die Preise festzuschreiben.

00:02:45: Dadurch konnte der Anstieg der Preise zwar aufgehalten werden, dass Angebot wuchs dadurch aber natürlich nicht Eher im Gegenteil.

00:02:54: Die einseitige Außenhandelspolitik beeinflusste aber auch direkt die Lebensmittelversorgung.

00:02:59: Schachsbehörden drosselten seit Jahr und Tag die Einfuhr von Getreide, Futtermitteln und Fetten.

00:03:05: Bauern und Verbraucher mussten deshalb ihren Bedarf primär über den heimischen Markt decken.

00:03:11: Aber auch der wurde seit nineteenhundertdreißig streng kontrolliert.

00:03:16: Damals gründeten die Nazis den sogenannten Reichsnährstand.

00:03:20: Ideengeber und Leiter dieser neuen Megaorganisation war der Reichsbauernführer Walter Daré, der gleichzeitig auch noch als Reichslandwirtschaftsminister amtierte.

00:03:32: Unter anderem regulierte der Reichsnährstand die Preise im Agrarsektor.

00:03:36: Mit Hilfe dieser Preiskontrollen sollten die Einkommen der Erzeuger – also Landwirte, Molkereien und Mühlen – gehoben werden.

00:03:44: Für Getreide und Kartoffeln galten Mindestpreise für Margarine- und Trinkmilch sogar Festpreise.

00:03:51: Aber eben nur auf Erzeugerseite – die Verbraucherpreise wurden zunächst nicht reguliert.

00:03:58: Anfangs schluck sich dieses strikte Preisregime noch nicht voll durch, weil Rekordernten eingefahren wurden.

00:04:04: Doch schon im Herbst, hier war es damit vorbei.

00:04:09: Wird aber weniger Angeboten sinkt entweder die Nachfrage oder die Preise steigen?

00:04:13: Da Verbraucher bei Lebensmitteln nur bis zu einem gewissen Punkt sparen konnten, blieb die Nachfrage relativ gleich.

00:04:21: Und weil die Erzeuger auf garantierte Abnahmepreise vertrauen konnten, gab es auch kaum Wettbewerb der preisdämpfend hätte wirken können.

00:04:31: Zwischen der Versorgung mit bezahlbaren Lebensmittel und der Förderung der Landwirtschaft bestand also ein tiefer innerer Widerspruch.

00:04:42: Deshalb reagierte das Regime auf die steigenden Verbraucherpreise auch nur sehr zögerlich.

00:04:47: Zuerst erhielten Bäcker finanzielle Beihilfen für Brot und immerhin zweiundzwanzig Millionen Deutsche sogenannte Fett-Verbilligungsscheine, um die explodierenden Kosten für das Grundnahrungsmittel Makarine abzufedern.

00:05:02: Erst nach und nach setzte eine Umorientierung ein.

00:05:06: Wie so oft im Dritten Reich kamen die Impulse dafür nicht von oben sondern von unten….

00:05:12: Im Sommer und Herbst, die Erste Stadtverwaltung begann damit die Lebensmittelpreise im Handel einer schärferen behördlichen Überwachung zu unterziehen.

00:05:22: Ab November, die Reichsbehörden folgten diesen Trend und gaben Festpreise für Brot, Butter, Fleischwanne und Margarine vor dem Reichsnährstand seinen Funktionären, stieß diese Entwicklung natürlich sauer auf.

00:05:40: Aus ihrer Perspektive darbte der deutsche Bauer auf Kosten verweichlichter Städter.

00:05:46: Allerdings kam nun ein weiteres charakteristisches Merkmal der braunen Diktatur zum Tragen.

00:05:52: Als nämlich Walter Daréh im Sommer hier die Brotpreise um zwanzig Prozent erhöhen wollte, schaltete sich Adolf Hitler persönlich an.

00:06:01: Der Führer sorgte sich um die Stimmung in der Bevölkerung Und als er von seinem Umfeld auf Dariés Maßnahme gestoßen wurde, stoppte er den Reichsbauernführer.

00:06:12: Im Winter, hier stand dann sogar eine Senkung der Margarinepreise zur Diskussion.

00:06:19: Dagegen werte sich das Reichslandwirtschaftsministerium mit Händen und Füßen.

00:06:24: Staatssekretär Herbert Backe, Daris rechte Hand protestierte lautstark und hätte sich möglicherweise sogar durchgesetzt wenn nicht erneut Hitler involviert worden wäre.

00:06:36: Der Führer befahl, die Makarinepreise zu senken und so geschah es dann auch.

00:06:41: Allerdings kann das Weg mit großen Pomp- und Getöse sondern still und leise.

00:06:47: Wirtschaftspolitische Fragen spielten dieser Tage in Hitlers öffentlichen Wortmeldungen kaum eine Rolle – er hatte keine Interesse daran die Teuerungswelle an die große Glocke zu hängen.

00:06:59: Damit erklärt sich auch warum Josef Goebbels auf dem Reichspressetag im Herbst, hier die ganze Misere totzuschweigen.

00:07:09: Denn der Propagandaminister verfügte über ein ausgeprägtes Gespür dafür was seinem Herrn und Meister gefiel.

00:07:16: – so viel an dieser Stelle zu Agrarpolitik!

00:07:20: Ich werde darauf in einer späteren Folge noch einmal zurückkommen.

00:07:24: Wichtig zu wissen ist jetzt nur das folgende….

00:07:27: Die Teuerungswelle fiel nicht vom Himmel sondern war eine direkte Folge der braunen Wirtschaftspolitik.

00:07:35: Das Regime reagierte darauf zunächst dann aber nur zögerlich und vor allem deshalb, weil auf den unteren Ebenen des Staates bereits gehandelt wurde.

00:07:45: Dieser Verlauf war kein Zufall denn die Nazis an den lokalen Schaltstellen der Macht bekamen die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung ja eigentlich unmittelbar zu spüren.

00:07:57: In dem Moment aber, da die Zentralbehörden anfingen aktiv die Verbraucherpreise zu regulieren, taten sie das weder koordiniert noch mit einem scharfen Blick für ökonomische Zusammenhänge.

00:08:09: Die Maßnahmen waren psychologischer Natur – nicht in engeren Sinne wirtschaftspolitischer.

00:08:16: Dahinter steckte zudem ein gehöriges Maß an Improvisation.

00:08:20: Beides zusammengenommen führte dann dazu, dass sich Phasen hektischer Aktivität mit solchen relativer Untätigkeit abwechseln.

00:08:29: Die Teuerungswelle konnte am Ende eigentlich ja nur über zwei Hebel abgemildert werden – den Import von Agrarostoffen und Nahrungsmitteln und die Senkung der Erzeugerpreise.

00:08:41: Aber zu beidem war das Regime anfangs nicht bereit!

00:08:45: Es gab aber natürlich noch eine andere Stellschraube, an der man drehen konnte….

00:08:50: Und diese Stellschraube war die Lohnpolitik.

00:08:52: Kurz gesagt, verdienten die Deutschen mehr?

00:08:55: Dann stören sie sich weniger an den steigenden Preisen!

00:08:58: Wenn ihr noch im Ohr habt was ich letzte Folge erzählt habe dann sagt ihr jetzt vielleicht Jonas es gab da doch den Lohnstopp.

00:09:07: Darauf kann ich nur antworten stimmt den Gabs und das war im Kern das braune Dilemma Würden die Löhne steigen ließe sich die Arbeitslosigkeit nicht mehr so effizient verringern wie bisher.

00:09:19: Außerdem, und vielleicht noch wichtiger würde das schöne Rüstungsprogramm teurer werden.

00:09:25: Und schließlich bestand die Gefahr dass sich die Inflation von den Lebensmitteln und Konsumgütern auf andere Wirtschaftszweige ausbreiten würde was dann wiederum die Außenhandelskontrolle und die Rüstung Ziele gefährdete.

00:09:41: Aber je stärker der Preisdruck auf die Bevölkerung stieg desto nervöser wurde die braune Basis des Staatsapparats.

00:09:49: Und was soll ich sagen, in der Lohnpolitik passierte genau das Gleiche wie bei der Preispolitik.

00:09:55: Zunächst reagierten die lokalen Behörden, indem sie neue Beihilfen und Vergünstigungen einführten – und zwar für arbeitslose Notstandsarbeiter und Beschäftigte gleichermaßen.

00:10:07: Besonders betroffen waren die Baustellen der Wehrmacht und der Reisautobahn.

00:10:11: Die Arbeitsbedingungen dort waren extrem hart und die Bezahlung extrem schlecht!

00:10:16: Denn die Entlohnung richtete sich ja nach den örtlichen Tarifen.

00:10:20: Und da die Baustellen in der Regel auf dem Land lagen, waren diese Tarife niedrig – jedenfalls aus der Perspektive derjenigen, die hier schuften mussten!

00:10:29: Das waren vor allem Männer aus den Großstädten wo es notwendigerweise das größte Reservoir an Arbeitslosen gab.

00:10:38: Auch schon damals waren die Lebenshaltungskosten in der Stadt höher als auf dem land und die meisten Bauarbeiter hatten Familien zu versorgen Und deshalb wirkte sich das systembedingte Lohngefälle doppelt hart aus.

00:10:52: Der Wildwuchs lokaler, lohnpolitischer Initiativen war irgendwann auch in Berlin nicht mehr zu übersehen.

00:11:00: Doch erst im Januar hier begann man sich dort zu regen – die erste Zentralbehörde, die die Lohnpolitik auf dem Zettel hatte, war das Reichsarbeitsministerium.

00:11:11: An der Spitze des RAM saß Franz Selte.

00:11:15: Von dem haben wir jetzt schon länger nichts mehr gehört.

00:11:17: Falls ihr euch nicht mehr an ihn erinnert, Selte hatte vor der Machtübernahme der Nazis den Deutsch-Nationalen Veteranenverband Stahlhelm geleitet und war in die braunschwarze Koalition eingetreten um Hitler gemeinsam mit Papem Hugenberg & Co.

00:11:35: an die Wand zu drücken bis Erquietste.

00:11:38: so jedenfalls hatte sich Franz vom Papen ausgedruckt.

00:11:42: Als Absehbar war, dass die Deutsch-Nationalen dieses Spiel verloren hatten, wechselte selten geräuschlos die Seiten.

00:11:49: Noch vor der Mitgliedersperre trat er in die NSDAP ein und ließ sogar zu, das sein Alterverein nach und nach vom Regime demontiert wurde.

00:11:59: Zum Dank für seine Kooperationsbereitschaft durfte Franz Selte bis zum bitteren Schluss Reichsarbeitsminister bleiben – aber zurück in den Januar.

00:12:12: Damals schlug seltenes Reichsarbeitsministerium vor, die Löhne auf öffentlichen Baustellen um etwa zehn Prozent anzuheben.

00:12:19: Allerdings nur für eine Minderheit der Bauarbeiter nämlich verheiratete Großstädter.

00:12:25: Damit so das RAM hätte man die größte Not auf den Bauställen behoben.

00:12:30: Bei einer Besprechung mit Hitler und Vertretern anderer Zentralbehörden wehrte sich v.a.

00:12:36: das Reichsluftfahrt-Ministerium vehement gegen diese Maßnahmen.

00:12:41: Der Vertreter des Ministeriums war niemand anderes als er hat Milch.

00:12:47: Milch berief sich auf eine Kalkulation seiner Bürokraten, demnach seltes Vorschlag zu Mehrkosten von siebenhundertfünfzigtausend Mark führen würde.

00:12:57: Für den einzelnen Arbeiter sei die geplante Erhöhung demgegenüber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – deshalb könne man sich die Erhörung eigentlich auch gleich schenken!

00:13:07: Ob Milch mit seiner Logik ins Schwarze traf möchte ich mal anzweifeln, denn zehn Prozent mehr sind zehn Prozentmehr.

00:13:15: Aber es stimmt schon dass seltenes Plan nicht gerade vielen Arbeitern geholfen hätte.

00:13:20: wir sprechen hier nach einer internen Kalkulation des Arbeitsministeriums von rund vierzigtausend Betroffenen.

00:13:28: unterstützt wurde der plan vom Reichswehrministerium und sogar vom Generalbauinspektor Fritz Todt also dem Chef des Autobahnbauprogramms Und diese Befürworter konnten auf besorgniserregende Berichte von den Baustellen verweisen.

00:13:45: Die Stimmung der meisten Arbeiter sei geprägt von Arbeitsumlust und wachsenden Sorgen, es bestehe die Gefahr einer Verhetzung der Bauarbeiter.

00:13:56: Trotzdem kam es zu keiner Einigung und die Sache wurde vertagt.

00:14:01: Selte wollte aber nicht klein Bein geben und griff deshalb zu einem letzten Pfeil in seinem Köcher.

00:14:07: Er wandte sich an Hitler persönlich.

00:14:10: Diese, sagen wir es mal gelehrt – also auf Latein – Appellatio ad Ducum zu Deutsch Anrufung des Führers funktionierte obwohl Selta eigentlich nicht unbedingt zum engsten Kreis um Hitler gehörte.

00:14:22: Aber irgendwie gelang es dem Reichsarbeitsminister im Laufe des Frühjahres, und zwar mit Erfolg.

00:14:31: Hitler genehmigte die eng begrenzte Lohnerhöhung auf den Baustellen der Nationen.

00:14:36: Damit war Selte aber noch nicht fertig.

00:14:39: Er sah diesen Erfolg als Etappensieg für weitergehende Maßnahmen, um die regionale Zersplitterung des Baugewerbes zu überwinden.

00:14:47: Dazu sollten die Tarifsätze deutschlandweit angepasst werden.

00:14:51: Regionen mit niedrigen Tarifsetzen sollten eine Erhöhung bekommen und Regionen mit vergleichsweise hohen Setzen eine Senkung erfahren.

00:15:01: Im Mittel hätte die öffentliche Hand dann keine mehr Ausgaben gehabt.

00:15:06: Zunächst stimmte Hitler diesem Vorhaben auch zu.

00:15:09: Nur um wenig später seine Meinung zu ändern, als ihm Rudolf Hess – also seinen Stellvertreter in der Partei aufgeregt berichtete dass einige einflussreiche Gauleiter mit selten Plänen nicht einverstanden waren.

00:15:22: Diese Gau-Leiter sahen es einfach nicht ein das ihre Bauarbeiter auf Geld verzichten sollten.

00:15:27: Das hätte ja nur die Stimmung in ihrem Machtbereich negativ beeinflusst.

00:15:32: Ein ziemliches Durcheinander war die Folge.

00:15:34: Aber ehrlich gesagt, was hatte Selta auch erwartet?

00:15:37: Jeder mit ausreichend Einfluss und passenden Fürsprechern konnte sich an Hitler wenden.

00:15:42: Und der hatte eben eine Art sechsten Sinn für die Machtballons im Inneren seines Regimes.

00:15:49: Nun geht es hier auf den ersten Blick ja nur um einen kleinen Teilbereich – der Wirtschaft nämlich das Baugewerbe!

00:15:56: Aber was für dem Bau diskutiert wurde, das hatte eine Signalwirkung auch für andere Branchen….

00:16:02: Im Frühjahr in den letzten Jahren wuchs also der Druck auf die Führung, zu einer einheitlichen Linie in der Lohnpolitik zu gelangen.

00:16:09: Deshalb lud das Reichsarbeitsministerium zum zweiten Mai, zu einem Chefbesprechungen ein.

00:16:17: Also eine Besprechung bei der die betroffenen Behörden durch ihre Minister persönlich vertreten wurden.

00:16:23: Dieses Format wurde damals bereits häufiger genutzt und ersetzte langfristig die Beratungen auf Kabinettsebene, wie wir sie aus der Anfangszeit der Diktatur ja schon kennen.

00:16:35: Bei dieser Chefbesprechung waren sich die Minister grundsätzlich einig, dass der allgemeine Lohnstopp beibehalten werden musste um die Aufrüstung nicht zu gefährden.

00:16:44: Allerdings konnte das Arbeitsministerium einige Zugeständnisse herausschlagen.

00:16:50: Minister Selter argumentierte mit so das Protokoll steigenden Schwierigkeiten bei der Aufrichterhaltung des Lohnstrops und den Erwartungen der Arbeiterschaft auf Besserung der Arbeitsbedingungen.

00:17:04: Von den Zugeständnissen profitierte unmittelbar das Reichsarbeitsministerium, dass nun – zunnte es später ein leitender Beamter – eine gewisse Beweglichkeit erhalten sollte, und zwar zur Milderung sozialer Spannungen und Beseitigung offensichtlicher

00:17:20: Ungerechtigkeiten.".

00:17:22: Allerdings darf man sich darunter nicht zu viel vorstellen.

00:17:26: Das Besprechungsprotokoll führt nämlich aus, worum es ging – Lohnverbesserungen von Fall-zu-Fall Urlaubsverbesserung Gewährung von Zulagen und andere kleine Mittel der Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

00:17:43: Dieser Maßnahmenkatalog filmierte im zwischenbehördlichen Verkehr fortan unter dem Schlagwort elastische Lohnpolitik.

00:17:53: In Wirklichkeit war das Ganze jedoch nicht mehr als ein Stillhalterabkommen.

00:17:58: Schaut man genau hin, sanktionierten die Minister eigentlich nur die gängige Praxis vor Ort.

00:18:05: Der vorhin schon einmal zitierte Spitzenbeamte des RAM gab es auch später völlig ungere zu Die Vereinbarung habe nicht mehr eine gewisse Retusche erreichen wollen Und genau deshalb so ist zu vermuten lief die besagte Chefbesprechung auch so reibungslos ab.

00:18:24: Selbst das Reichsluftfahrt-Ministerium erhob diesmal keine Einwände.

00:18:29: Vielleicht fragt Ihr Euch jetzt, warum in diesem Zusammenhang eigentlich nirgendwo die DHF erwähnt wird?

00:18:34: Die Arbeitsfront von Robert Lai wäre ja schon Ihrem Namen nach an der lohnpolitischen Debatte interessiert gewesen – nun dass die DH F bisher nicht auftauchte war kein Zufall.

00:18:45: Sie wurde von den Reichsministerien nämlich konsequent von der Debatte ausgeschlossen.

00:18:50: Weder über die Ergebnisse der Januarbesprechung noch, die der Mai-Besprechung informierte man die Deutsche Arbeitsfront offiziell.

00:19:00: Das lag aber nicht daran dass Robert Leih und seine Organisation zu unbedeutend gewesen wären.

00:19:07: Leih war schon damals als Reichstrunkenbold allgemein bekannt und galt als überfordert und wenig kompetent.

00:19:14: Aber selbst wenn man das alles glaubt gehörte Leih immer noch zu den einflussreichsten und mächtigsten funktionieren, der NSDAP.

00:19:23: Und mit der deutschen Arbeitsfront verfügte er über eine riesige und vor allem reiche Organisation – dem beschlagnappten Gewerkschaftsvermögen und den Zwangsbeiträgen millionen Beschäftigter Seidank.

00:19:36: Tatsächlich kochten Lei und seine Leute längst ihr eigenes Süppchen!

00:19:40: Wenige Tage vor den Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit am ersten Mai, für Öffentlichte die DRF einen groß aufgemachten Artikel im Angriff also Goebbels altem Berliner Hetzblatt.

00:19:53: Darin bliesst die Arbeitsfrontoffiziell zum Angriff auf das Lohnproblem – der Artikel versprach?

00:19:59: Das kommende Jahr wird bereits die ersten praktischen Maßnahmen zur Neuregelung der Lohnverhältnisse sehen.

00:20:05: An diesem ersten Mai wird nicht nur der neue Arbeitsstaat gefeiert.

00:20:10: An ihm wird das Versprechen gegeben, dass den arbeitenden Menschen ihr gerechter Lohn zugeteilt wird und dass die Ersten, denen lohnpolitisch geholfen werden wird, diejenigen sein werden, die am dringendsten Hilfe brauchen.

00:20:24: Zum ersten Mai gab dann Robert Leih persönlich die Parole aus jetzt an die Löhne heran.

00:20:30: Wir wissen, dass eine Frage uns alle beherrscht und das ohne ihre Lösung keine gerechte Sozialordnung gebaut werden kann.

00:20:37: Es ist die Frage nach dem gerechten Lohn!

00:20:40: Es ist mein unerschütterlicher Wille, das System der Entlösung des Akkordes und der Arbeitsmethode auf eine neue Gerechte und allen Teilen nützliche Basis zu stellen.

00:20:53: Diese Kampagne erregte viel aussehen – und zwar nicht nur in den Betrieben in den Machtzentren des Regimes, denn Leis Vorstoß war mit niemandem abgesprochen worden.

00:21:08: Auf der vorhin erwähnten Chefbesprechung verdammten die anwesenden Minister einhellig die Lohnoffensive der DRF.

00:21:18: Ach ja und Göbbels, der bemerkte offenbar erst nachträglich was sein Parteigenosse leider abzog – umso mehr war er um Schadensbegrenzung bemüht.

00:21:26: In wiederholten Anweisungen an die Presse befahl das Propagandaministerium, irgendwelche Betrachtungen zu diesem Thema sind streng verboten.

00:21:39: Die Lohnoffensive entwickelte sich an der Basis zu einem Selbstläufer.

00:21:45: Auf den Betriebsversammlungen der DRF stand die Lohnfrage plötzlich auch offiziell ganz oben auf der Agenda.

00:21:52: Manch eine Versammlung verlief der Adlepaf, dass sie vorzeitig abgebrochen werden musste.

00:21:58: In den kommenden Wochen und Monaten wurden die Arbeitsverwaltungen mit Eingaben- und Beschwerdebriefen geradezu geflutet.

00:22:07: Und zwar nicht nur von einfachen Arbeitskräften, sondern auch von Vertrauensräten und DHF Obleuten im Namen ganzer Belegschaften.

00:22:16: Nun war also Druck auf dem Kessel – so kam es mancherorts sogar zu regelrechten Tarifvereinbarungen zwischen Unternehmen, Behörden und Beschäftigten unter Schützenhilfe lokaler und regionaler DAF-Dienststellen.

00:22:33: Warum startete die Deutsche Arbeitsfront ihre groß angelegte Kampagne eigentlich erst im Frühjahr?

00:22:41: Ganz einfach, bis dahin war sie vor allem mit sich selbst beschäftigt!

00:22:45: Die Zerschlagung der Gewerkschaften in den letzten Jahren war eine Blitzaktion gewesen bei der die Leitungsebenen der Organisation ausgetauscht wurden.

00:22:54: Nun musste Leiß DHF nach und nach neue Strukturen schaffen, um das alte Gewerkschaftssystem zu ersetzen.

00:23:02: Dazu wurden die Belegschaften in sogenannte Betriebsblocks organisiert.

00:23:24: und natürlich die Maifeiern organisierte.

00:23:28: Und diese hatten auch den Auftrag, ihre Kolleginnen und Kollegen zu bespitzen.

00:23:35: Die gewaltige Reorganisation der Arbeitswelt lief alles andere als geräuschlos ab – die lokalen DAF-Leitungen erstellten schwarze und weiße Listen.

00:23:46: Unterstützt von den Gewerbeaufsichtsämtern und oft genug auch den Unternehmen selbst wurden Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter scharenweise entlassen.

00:23:58: In den Betriebsführungen hatte man mit dieser Praxis bereits Erfahrung.

00:24:02: Seit Beginn der Weltwirtschaftskrise waren hunderte – wenn nicht vielleicht sogar Tausende – KPD-Mitglieder betriebsbedingt gekündigt worden um den Widerstand der Belegschaften gegen Krisenmaßnahmen zu brechen.

00:24:18: Ab hier wurde diese Praxis dann also vom Staat legalisiert ausgeweitet und machte jetzt nicht einmal vor Betriebsreden halt.

00:24:28: Offiziell begründete die Regierung Hitler diese Königungswelle mit der planmäßigen Bekämpfung staatsfeindlicher Bestrebungen.

00:24:37: Tatsächlich aber eröffnete die Mitwirkung der Unternehmen bei den politischen Entlassungen Spielräume, um auch solche Arbeiterinnen und Arbeiter loszuwerden, Zum Beispiel, weil sie auf die Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen und Überstundenregelungen pochten.

00:25:01: So wollte die Grubenverwaltung eines Zinkbergwerks gleich alle Bergleute entlassen, die wirtschaftsfeindlich gesinnt waren – was auch immer das im Einzelnen hieß!

00:25:12: Selbst aus Sicht der braun-schwarzen Koalition drohte die Kündigungswillkür im Verlauf des Sommers, nineteenhundertdreisig überhand zu nehmen.

00:25:21: Der reibungslose Ablauf in den Betrieben durfte auf keinen Fall gestört werden.

00:25:26: Das hätte die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und damit die Aufrüstung

00:25:30: gefährdet.".

00:25:31: Deshalb sah sich das Reichsarbeitsministerium im Herbst genötigt, in einer Unternehmerzeitung an den Sinn- und Zweck der Maßnahme zu erinnern.

00:25:41: Hier gehe es nicht darum kleinliche Rache zu üben oder alle diejenigen entlassen, die sich irgendwann einmal marxistisch geäußert hätten!

00:25:52: Für die meisten Betroffenen war diese Kurskorrektur keine Hilfe.

00:25:56: Viele ehemalige politisch aktive waren gezwungen sich selbstständig zu machen oder als Wanderhausierer zu arbeiten.

00:26:05: Paradoxerweise führte dieser Notbehälfte dazu, dass sie weiter Kontakt halten konnten zu ehemalsigen Genossen und Kollegen.

00:26:13: So entstanden Netzwerke, in denen ein reger Austausch von Informationen und illegalen Schriften der emigranten Organisation aus dem Ausland stattfand.

00:26:25: In den Betrieben allerdings hatte die Königungswelle tiefe Spuren hinterlassen – an organisierten Widerstand war gar nicht zu denken.

00:26:34: Was es stattdessen gab, war etwas anderes nämlich die kleine Schwester vom Widerstand namens Resistenz.

00:26:42: Resistenz konnte viele Formen annehmen.

00:26:45: Auf individueller Ebene konnte das ein verweigerter Hitlergroß sein oder eine wiederholte Krankmeldung, aber auch ganze Gruppen zeigten mit Unterresistenz zum Beispiel durch eine wilde Versammlung oder eine spontane Arbeitsniederlegung.

00:27:01: Wie das in der Praxis aussehen konnte zeigt einen Vorfall aus Köln.

00:27:04: Im Februar in nineteenhundert und dreißig berichtete die örtliche Gestapo Zu einem unliebsamen Auftritt kam es bei der Firma Humboldt Deutschmotoren in Köln-Deutsch.

00:27:16: Die deutsche Arbeitsfront hatte die Gefolgschaft zu einer Festlichkeit in der Betriebsmesse aufgerufen.

00:27:22: Kurzer Hinweis, gefolgshaft war jetzt die offizielle braune Bezeichnung für die Belegschaft – ihr erinnert euch das Führerprinzip galt ja auch in der Wirtschaft.

00:27:33: Aber zurück zum Zwischenfall in KÖLN DEUTSCH!

00:27:37: Ob schon die Eintrittskarten zum Preise von zwanzig Fennigen zu Bezug von Dreiglas Freibier berechtigten, lehnte die Arbeiterschaft fast geschlossen die Beteiligung an diesem Fest ab.

00:27:49: Auch Überredungsversuche durch Vorarbeiter, Meister und Betriebsführer blieben ohne Erfolg – erst als man drohte dass die Leute, die sich zur Bezug der Karten weigerten in die Nachtschicht gestellt werden würden.

00:28:05: Während die anderen an der Feier teilnehmen sollten, wurden die Karten abgesetzt.

00:28:11: Also gekauft!

00:28:12: Feststellungen ergaben das die Ablehnung der Arbeiterschaft darauf zurückzuführen war dass sie überhaupt kein Interesse für eine Festlichkeit zeigte weil sie im Hinblick auf ihre übergroße Inanspruchnahme bei der Arbeit und ihre finanzielle schlechte Lage es vorzog zu Hause ihre Ruhe zu haben.

00:28:34: Mehrfach wurde gesagt, dass man die Arbeiter mit Vergnügungen nicht zufriedenstellen könnte.

00:28:39: Man solle ihnen lieber einen auskömmlichen Lohn geben!

00:28:46: Ja, lasst euch durch das umständliche Bürokratendeutsch dieses Berichtes nicht täuschen.

00:28:52: In diesem Vorfall steckte Sprengstoff – sonst wäre die Kölner Gestapo in ihrem Monatsbericht nicht so ausführlich darauf eingegangen.

00:29:01: Der Bericht einer anderen Dienststelle der Gestapo bringt auf den Punkt, was wohl auch die Belegschaft im Kölner Werk bewegte.

00:29:09: Wenn man schon seine Freizeit opfern müsse, wolle man sich keine schimpfenden und schreienden Redner anhören, die zudem nichts Neues zu sagen hatten.

00:29:21: In manchen Fällen blieb es nicht bei stiller Verweigerung – so zum Beispiel in August, in einem Augsburger Bund-Weberai.

00:29:30: Aus Protest gegen die angeordnete Kurzarbeit legte ein Teil der Belegschaft die Arbeit nieder.

00:29:37: Bemerkenswert daran ist nicht nur der Streik selbst, sondern auch wer ihn anführte.

00:29:41: Zu den Wortführern gehörten nämlich Mitglieder der NS-Betriebszellenorganisationen – also genau jener Funktionäre, die im Betrieb eigentlich für die Linie des Regimes einstehen sollten.

00:29:54: In einer Zigarettenfabrik in sächsischen Moskau denunzierte einen SS Mann einen seiner Kollegen als kommunistischen Hetzer.

00:30:03: Daraufhin schnitt die gesamte Belegschaft, immerhin draundert Personen den SS-Mann – niemand sprach mehr mit ihm.

00:30:12: Solche spontanen Protestaktionen waren keine Einzelfälle.

00:30:16: So lange das Regime sie nicht als politisch wahrnahm, blieben Sie für die Betroffenen anscheinend meist folgenlos.

00:30:25: Entscheidend war aber dass die Proteste zeitlich begrenzt bleiben und konkrete Missstände im Betrieb anprangerten….

00:30:33: Die örtlichen DRF-Funktionäre und die Treuhänder der Arbeit hatten dann alle Hände voll zu tun, um die Stimmung in der Belegschaft zu beruhigen.

00:30:43: Manchmal nutzte es sogar dem Regime wenn die Belegenschaft gegen Betriebsleitung protestierte.

00:30:49: Im Dezember hierher hatte ein Firmeninhaber in der Oberlausitz seine Leute um den Arbeitslohn geprellt.

00:30:56: Die Gestapo nutzte die Gelegenheit um einen Exempel zu statuieren.

00:31:01: Der Mann wurde wegen asozialen Verhaltens verhaftet, angeblich weil er ein Trinker sei.

00:31:08: Ob das nun Zutraff oder nicht ist nicht der Punkt denn wie die Sicherheitsbehörden mit diesem Vorfall umgingen sollte in erster Linie signalisieren dass sich das Regime für die Belange der Belegschaft einsetzte und sich kümmerte.

00:31:24: Aber nicht jede Lage konnte das Regimen so geschickt für sich wenden.

00:31:28: Manchmal wurde es schlicht überrascht.

00:31:31: So ereignete sich im Mai, im westfälischen Stadtlohn.

00:31:37: Als die Hitlerjugend durch die Straßen zog um neue Mitglieder zu werben kamen die Marschkolonne auch in das örtliche Arbeiterviertel.

00:31:44: Aber die Familien dort hatten offenbar keinen Interesse ihre Kinder dem Braunhemden zu überlassen.

00:31:51: Später notierte die Gestapo Münster Die Einwohnerschaft habe sich der Hayat in den Weg gestellt und eine drohende und ablehnende Haltung eingenommen.

00:32:04: Bisher haben wir uns in der Welt der regulären Betriebe bewegt, aber es gab noch einen anderen Schauplatz an dem die Stimmung in der Arbeiterschaft mit Händen zu greifen war.

00:32:15: Und das waren die Lager- und Baustellen der Notstandsarbeiter.

00:32:20: Es waren überwiegend Männer aus den Großstädten – viele mit Familie.

00:32:24: Auf den Bauställen der Wehrmacht der Reichsautobahn oder im Moor, verdingten sie sich nach den niedrigsten örtlichen Tarifen meist untergebracht in zugegen Holzbarakken fern von Zuhause schlecht versorgt.

00:32:38: Bereits im Januar nineteenhundertundunddreißig war den höchsten Entscheidungsträgern die Gefahr einer Verhetzung ja bekannt gewesen und das eben nicht ohne Grund.

00:32:50: Im Fenner Moor streikte ein Teil der Notstandsarbeiter spontan.

00:32:55: Sie meldeten sich kollektiv krank.

00:32:57: Drei Männer wurden daraufhin von der Gestapo verhaftet.

00:33:00: Der Vorwurf lautete auf Hetze.

00:33:03: Anders als bei den Streikenden in der Augsburger Bundweberai, deren Proteste als unpolitisch wahrgenommen worden waren, wurden die Männer aus dem Moor sofort als politische Aufrüre eingestuft.

00:33:15: Die selbe Geste – kollektive Verweigerung führte im Lager in Polizei gewasern.

00:33:22: Wegen der schlechten Bedingungen war es für die Arbeitsämter immer schwerer, überhaupt genug Leute für die Notstandsarbeit zu finden.

00:33:31: Ein Bonner Stadtrat berichtete in einem Fachblatt, seinen Amthabe zuletzt fünfhundert Wohlfahrtserwerbslose vorladen müssen um die hundertfreien Plätze in einer Maßnahme zu füllen.

00:33:43: Wer irgendwie konnte entzog sich der Verpflichtung etwa durch Krankmeldungen.

00:33:48: Wurde man dann erwischt und dem Amtsarzt zugeführt blieben viele bei ihrer Weihgruhr.

00:33:53: Eine mehrwöchige Auszahlungssperre der Unterstützung nahm man dafür gerne in Kauf.

00:34:01: Wer nicht entkommen konnte, fand sich im Lager mit den miserablen Bedingungen des Lebens und des Arbeitens konfrontiert.

00:34:09: Die Stimmungsberichte von Gestapo und Verwaltung quellen über Vorbeispielen.

00:34:15: Im November hier protestierten Notstandsarbeiter einer Remscheider-Baufirma gegen die Entlassung eines Kollegen.

00:34:22: Der Streik wurde, so der Düsseldorfer Regierungspräsident in seinem Bericht nach eindringlicher Ermahnung durch dem Bauführer wieder abgebrochen.

00:34:34: In einem Lager im Westen Schleswig-Holsteins kam es mehrfach zu zusammenstößen weil die Notstandsarbeiter ihre Anfahrtskosten selbst bezahlen mussten.

00:34:44: Bei einem dieser Vorfälle versammelte sich eine Menschenmenge nachdem die Polizei gegen einen der Protestierenden vorgegangen war.

00:34:53: Der Mann war früher aktiver Kommunist gewesen und nutzte nun die Gelegenheit, um öffentlich die Zustände im Lager anzubrangen.

00:35:02: Er wurde verhaftet und in ein Konzentrationslager überführt.

00:35:07: Mancher Orts richtete sich das Spot der Lagerbewohner direkt gegen die Funktionsträger des Regimes.

00:35:13: Notstandsarbeiter in Dittmarschen rieten den Männern des örtlichen SA-Sturms, sie sollten beim Hitlergruß den Arm doch noch höher heben – damit sie leichter beruflich aufsteigen könnten.

00:35:24: Bei einer Richtfeier auf einer Baustelle der Wehrmacht of Sild sangen notstands Arbeiter kommunistische Lieder.

00:35:31: Auch hier folgte die polizeiliche Reaktion auf dem Fuss.

00:35:36: Wie schnell die Stimmung kippen konnte zeigt ein Vorfall in Kalförde bei Braunschweig, im Spätsurm an und neunzehntundertfünfundreißig.

00:35:44: Etwa fünfzig Berliner Arbeitslose trafen dort neu im Lager ein.

00:35:49: Sie wurden von den anwesenden Kollegen mit der Bemerkung empfangen das Lager sei eine Knochenmühle und dass Essen eine Katastrophe.

00:35:56: Die Berliner reagierten ungehalten – man hätte ihnen das Blaue vom Himmel versprochen!

00:36:02: Ein Großteil von ihnen verweigerte daraufhin die Arbeitsaufnahme und zog aus Protest einfach wieder ab… Am ersten Mai, schließlich, also genau an dem Tag, an dem Robert Leie auf der großen Bühne seine Lohnoffensive verkündete, zogen achtzehn Notstandsarbeiter durch einen nicht näher genannten Ort im Raum Köln.

00:36:23: Sie sangen kommunistische Lieder und einwohner die sich ihnen den Weg stellen wollten wurden angegriffen.

00:36:29: Schließlich kehrte der Trupp unter Rotfrontrufen ins Lager zurück – sieben Teilnehmern der Demo verhaftete die Gestapo.

00:36:38: In der Wahrnehmung des Regimes häuften sich diese Einzelfälle, was vielleicht auch daran lag, dass die Berichte darauf einen Schwerpunkt legten.

00:36:46: Jedenfalls reagierte man zunehmend alarmiert!

00:36:50: Der Reichsarbeitsführer Konstantin Hirl beklagte sich schon im Juli, in den Jahren von dem Jahr und drei vierzehn über Hermann Göring die Arbeitslage sein politische Gefahrenherde.

00:37:00: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg warnte vor kommunistischer Zersetzungsarbeit in Arbeitslagern und bei Notstandsarbeitern.

00:37:09: Ein anderer Berichterstatter formulierte das Problem in einem Bild In den Lagern sei der Geist von Moskau quick lebendig.

00:37:19: Schaut man genauer auf die Vorfälle, in den lagern fällt eines auf Der Anlass der Proteste war meist ökonomisch konkret Anfahrtskosten, schlechtes Essen, Lohn usw.

00:37:30: Aber die Form des Protest ist, die war oft politisch.

00:37:34: Die Sülter Notstandsarbeiter sangen die Internationale, die Rheinische Mai-Demo rief Rotfront.

00:37:40: Der Eindruck der Apparete in den Lagern sei der Geist von Moskau lebendig hatte also durchaus einen realen Kern und das war kein Zufall denn unter den Arbeitslosen aus denen sich die Notstandzarbeiter rekrutierten da befanden sich ja auch viele die zwei Jahre zuvor als aktive der Arbeiterbewegung ihren Job verloren hatten.

00:38:01: waren zerschlagen, aber die Menschen waren ja noch da.

00:38:05: Auch in den Betrieben selbst tauchten ähnliche Spuren auf.

00:38:08: Im Januar nineteenhundertdreißig stimmten einige Arbeiter einer Kölner Gasmotoren-Fabrik auf der Weihnachtsfeier die Internationale an – also das Kampflied der internationalen Arbeiterbewegung!

00:38:20: Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer in dem benachbarten Betrieben und den Kneipen.

00:38:25: Wie die Gestapozerknirsch bemerkte war die Bewunderung für diese Tat sehr

00:38:29: groß.".

00:38:31: Wie weit die Resistenz in einzelnen Betrieben gehen konnte, zeigte ein Vorfall im Stahlwerk Röchling in Wetzlar.

00:38:38: Dort kursierte unter den Arbeitern folgender handgeschriebener Zettel.

00:38:53: Wer sorgt für die Familie eines verunglückten Arbeiters?

00:39:04: Der Hungertod.

00:39:05: Eines verunglügten Bonzen, Die DAF!

00:39:09: Wer bezahlt die Reisen und die schicken Uniformkleider der Minister?

00:39:13: Der Arbeiter mit seinem Schweiß.

00:39:17: Wir Arbeiter haben genug von diesem Schwindel.

00:39:19: wir waren treue Anhänger aber heute nicht mehr Nicht mit den Arbeiten spielen Finger weg von unseren Kindern, das Recht sie zu erziehen hat nicht der, der ihnen ihr Brot raubt.

00:39:31: Wir dulden nicht mehr rollbar aus ihnen zu

00:39:34: machen.".

00:39:35: Euer Film ist abgelaufen – abtreten!

00:39:38: Rotfront lebt in den Betrieben mehr als je.

00:39:41: Die Arbeiter bei Röschling.

00:39:45: Das was die Behörden an diesem Zettel aufschrecken ließ war sicherlich das Rotfront-Bekennnis am Schluss Aber die sprachliche Gestaltung war noch viel raffinierter, auch wenn das den Apparaten vermutlich gar nicht aufgefallen ist.

00:40:00: Bonzen, Doppelverdiener, Schwindel – Das war das Vokabular mit dem die Nazis selbst gegen die Eliten der Weimarer Republik mobilisiert hatten.

00:40:10: Hier in Wetzlar fiel es ihnen auf die Füße.

00:40:15: Über den Rotfront-Zettel hätten sich auch die KPD Funktionäre im Exil gefreut.

00:40:20: Tatsächlich erhielten diese über ihre Informanten in Deutschland recht genaue Einblicke in die Stimmungskrise im Reich.

00:40:28: Aus Moskau froh lockte das Politbüromitglied Wilhelm Pieck, im Oktober nineteenundneit fünfunddreißig.

00:40:35: Die gegenwärtige Lage in Deutschland wird durch eine neue Steigerung der Massenunzufriedenheit gekennzeichnet Wobei das Neue darin liegt, dass diese Steigerung der Unzufriedenheit mit einer beginnenden Aktivierung der Betriebsbelegschaften zusammenfällt.

00:40:53: In Deutschland spielen sich in den letzten Monaten Vorgänge ab die von einer außerordentlichen Verschärfung der Situation durch die wachsende Opposition gegen das Hitler-Regime zeugen.

00:41:07: Bei der sozialdemokratischen Konkurrenz war man deutlich pessimistischer gestimmt.

00:41:12: Waldemar von Knöringen, ein Funktionär der SOPA-D, also der Sozialdemokraten im Ausland, beobachtete im Sommer in den letzten Jahren etwas anderes.

00:41:24: Besonders beachtlich aber ist es das gerade in einer Zeit die erste oppositionelle Strömungen in der Arbeiterschaft aus spontanem Antrieb zeigt – in den organisierten Kadern eine Erschlaffung eintritt!

00:41:37: Den Genossen sind die Strömungen in der Arbeiterschaft bekannt, ja sie berichten selbst über sie.

00:41:42: Zugleich erklären Sie ihre Einflusslosigkeit und ihr Unvermögen diese Kräfte zu

00:41:47: lenken.".

00:41:49: Knörringen lagen näher an der Realität als Pieck.

00:41:52: SD- und Gestapo hatten den organisierten Widerstand der KPD längst weitgehend zerschlagen.

00:41:58: Eine Gestapo-Dienststelle in Hannover hielt Anfang neunzehntundertsechsunteresslich Lapidar fest.

00:42:03: Eine irgendwie nennenswerte kommunistische Tätigkeit ist im Berichtsmonat im hiesigen Bezirk nicht festgestellt worden.

00:42:11: Allerdings warnte derselbe Berichterstatter vor zu viel Optimismus, die scheinbare Ruhe kann nicht darüber hinwegtäuschen dass nach wie vor eine große Zahl kommunistisch gesünder Anhänger vorhanden ist.

00:42:23: Die Ursache der Augenblicklichen Zurückhaltung ist darin zu suchen dass ein großer Teil dieser Kreise die Zeit für ein aktives Vorgehen nicht füreif hält.

00:42:35: Ob diese letzte Einschätzung der Realität entsprach, lässt sich rückblickend nur schwer sagen.

00:42:41: Was wir an Quellen haben sind Schlaglichter – Einzelvorfälle aus diesem Lager jenem Betrieb einer Demo einer Weihnachtsfeier.

00:42:49: Mehr war damals methodisch auch gar nicht zu haben.

00:42:51: Eine systematische Stimmungserhebung im heutigen Sinn, eine Sonntagsfrage etwa gab es in der Diktatur ja nicht.

00:42:59: Was es gab waren die Stimmungsberichte der Gestapo und der Verwaltung – und sie konnten eben nur ein unvollständiges Bild liefern das aus mündlichen Mitteilungen von Informanten- und Vertrauensleuten sowie aus Nachrichten der örtlichen Polizeibehörden schöpfte.

00:43:15: Außerdem hatten Verwaltung und Gestapo ja dabei auch ihre eigenen Interessen im Blick.

00:43:20: Mal übertrieben sie die Lage, um eigene Repressionsmaßnahmen zurechtfertigen – mal untertrieben sie, um sich gegenüber den Vorgesetzten nicht angreifbar zu machen!

00:43:29: Was ich aber vorsichtig sagen lässt….

00:43:33: wenn in der letzten Zeit etwas brodelte dann am ehesten in den Lagern der Notstandsarbeit.

00:43:39: Dort kamen die Faktoren zusammen, die Resistenz wahrscheinlich

00:43:42: machte."

00:43:43: schlechte Bezahlung, miese Verpflegung, Männer fern von ihren Familien viele davon mit Erfahrungen in der zerschlagenden Arbeiterbewegung.

00:43:52: Dort war aber auch die Repression am stärksten.

00:43:54: Am Ende rettete das Regime aber nicht die Repression.

00:43:58: es rettet sich dadurch dass das Problem von selbst verschwand.

00:44:01: Die Arbeitslosigkeit ging nineteen fünfunddreißig so stark zurück dass nach und nach die meisten Notstandsarbeiterlager aufgelöst wurden.

00:44:10: In den Betrieben sah es auf den ersten Blick ähnlich aus wie in den Lagern.

00:44:14: Eine verweigerte Festlichkeit, eine spontane Arbeitsniederlegung ein kommunistisches Spottgedicht.

00:44:20: Es ist aber glaube ich kein Zufall dass die stärker politischen Resistenzaktionen zum Beispiel aus dem Rheinland kamen.

00:44:27: Das war ein Gebiet das wirtschaftlich noch hinterher hängte.

00:44:31: Entsprechend hoch war der Unmut in der Arbeiterschaft.

00:44:35: Bemerkenswert ist, wie oft die lokalen Funktionäre des Regimes auf diese Unmulsäußerungen einging.

00:44:41: So lange jedenfalls, wie sie als unpolitisch klassifiziert werden konnten.

00:44:45: Dies geschah teils aus Opportunismus – weil Sie sich vor Ort nicht unbeliebt machen wollten, teils aber wohl auch aus echter Überzeugung, weil Sie eben selbst an die Verheißungen der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft glaubten.

00:44:59: Robert Leis DHF und deren Lohnoffensive verstärkte diese Dynamik nur noch!

00:45:05: Stand Sommer-Ninzehundertdreißig sah sich das Regime also einer Stimmungslage gegenüber, mit der er es nicht so recht etwas anzufangen wusste.

00:45:14: An der genauen Beobachtung der Lage fehlte es nicht.

00:45:17: Berichte aus den Betrieben, den Lagern in Wochenmärkten und Wirtshäusern landeten regelmäßig auf den Schreibtischen der Sicherheitsbehörden.

00:45:25: Die Nazi Führung wollte sehr wohl wissen was die Leute schimpften, was sie verlangten oder beunruhigte.

00:45:32: Nur ist Wissen, dass eine handeln etwas ganz anderes.

00:45:36: Und Handeln war das Problem!

00:45:38: Das Eine-Ressort wollte mehr Lohn auf dem Baustellen, das Andere wollte sparen – die DRF wollte eine große Lohnoffensive, die Reichsministerien wollten stillhalten.

00:45:47: Hitler entschied mal so, mal so… je nachdem wer ihm gerade ins Ohr flüsterte.

00:45:52: und über allem stand das eine Ziel, das nicht in Frage gestellt werden durfte — Die Aufrüstung.

00:45:57: Sie blockierte die großen Stellschrauben Löhne, Außenhandel die tatsächlich etwas geändert hätten.

00:46:04: So viel zum Können.

00:46:06: Beim Wollen sah es noch klarer aus.

00:46:08: Selbst wenn es technisch möglich gewesen wäre Hätten die Nazis gar nicht so gewollt wie er sich die Bevölkerung vermutlich gewünscht hätte Denn ihre Vorstellung von Wohlstand und Arbeit sah gänzlich anders aus als die der Beschäftigten und ihrer Familien.

00:46:23: Wer fragte was am Monatsende übrig blieb Der hatte den Geist des Nationalsozialismus eben nicht Verstanden.

00:46:32: Mein Name ist Jonas Steffern und das war Folge thirty-fünfunddreißigachzehn von Deutschland Dreiund dreißigvierzig.

00:46:39: Das war jetzt eine wirklich lange Folge, umso mehr freue ich mich auf eure Kommentare!

00:46:44: Achja und bewertet den Podcast bitte auf eurer Plattform damit er leichter von anderen gefunden wird – und lasst natürlich wenn ihr neu seid auch gerne ein Abo da.

00:46:53: Ohne eure Unterstützung könnte nicht so viel Zeit in dieses Projekt stecken.

00:46:57: Auf Patreon begrüße ich deshalb herzlich Nikolas Sven, Bettina, Philipp, Mimi, Bastian und Herrn Kerwin.

00:47:05: Ein Dankeschön geht auch an Boris für seine Paperspende!

00:47:08: Und wie immer zum Schluss darf ich das Team der Produzentinnen herzlich grüßen, dass mich jeden Monat mit fünfzehn Euro auf Patreon unterstützt.

00:47:16: Gemeint sind Danny Thorsten K-Punkt Anika Koralukas André Valentiner Nadja Pablo, Tobi, Hendrik, Gerhardt, Stephanie, Volker, Bernd, Basti, Johannes, Linda, Sascha Frank Torsten Errpunkt und Ben.

00:47:33: Wir hören uns bald wieder bis dahin!

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