#35.19 Die braune Wohlstandslüge. NS-Volksprodukte zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Shownotes
Den “Volkswagen” kennen die meisten, den “Volksempfänger” viele. Aber dahinter steckte ein ganzes Programm sogenannter “Volksprodukte”. Sie versprachen den deutschen “Volksgenossen” den Wohlstand der modernen Industriekultur ohne den Weg in die Kriegsgüterindustrie abzubremsen. In dieser Folge werfen wir einen Blick auf die Bilanz der Volksprodukte am Beispiel des Radios und des Wohnungsbaus.
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Ausgewählte Literatur:
Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, München 2007.
Intro-Musik arrangiert und vertont von Max, Auszüge aus Reden von Hermann Goering – Verkündung der Nürnberger Gesetze und Adolf Hitler – Reichstagsrede – Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, via www.archive.org
Bildnachweise: Bundesarchiv Bild 146-1977-149-13, Hermann Göring, Adolf Hitler, Albert Speer (Bundesarchiv, Bil d 146-1977-149-13 / Heinrich Hoffmann / CC-BY-SA 3.0), Flgzeugträger "Graf Zeppelin", Hitler bei Stapellauf (Bundesarchiv, Bild 183-2006-0810-500 / CC-BY-SA 3.0), Adolf Hitler and Hermann Göring in 1938 (Bundesarchiv, Bild 183-2004-1202-504 / CC-BY-SA 3.0)
Episodenbild: Hihiman (Wikimedia) / CC BY-SA 3.0 (Audio-Podcast)
BSW (Bauen, Siedeln, Wohnen) Magazin September 1939 Seite 392 (via Wikimedia, gemeinfrei, Scan von Thomas Künzl) (Youtube)
Tags:
#Neuere_und_neueste_Geschichte
#Deutschland
Transkript anzeigen
00:00:01: Statt eines Anreißers gibt es diese Woche eine wichtige Info und tada, ein Gewinnspiel.
00:00:07: Aber zuerst die Info!
00:00:09: Wer letzte Woche auf die neue Folge gewartet hat mehr Kulpa für die Verspätung.
00:00:14: Das Schicksal hat mir in meiner Familie unerwartet schlechte Karten ausgeteilt und deshalb ist das Skript für thirty-neunzehn liegen geblieben.
00:00:22: Darum ist diese Folge auch kürzer als gewohnt.
00:00:25: Und falls ihr auf YouTube dabei seid da unten gibt's auch hier nur ein Standbild.
00:00:30: Es war einfach nicht genug Zeit und ich wollte euch trotzdem nicht länger hängen lassen.
00:00:35: Wenn ihr mehr wissen wollt, worum es da geht schaut doch auf Patreon vorbei!
00:00:39: Da werde ich ab jetzt aktuelle News und Infos veröffentlichen Und lesen könnt ihr die dann kostenlos.
00:00:44: Ihr braucht also keine zahlende Patreon-Mitglieder werden auch wenn ich mich natürlich über jede Unterstützung freue.
00:00:51: Den Link zu Patron findet ihr in der Folgenbeschreibung unter unterstütztmich.
00:00:54: doch Falls das nicht klappt könnt ihr auch einfach googeln nach Deutschland.
00:01:01: So, jetzt aber zu dem Gewinnspiel.
00:01:04: Ihr könnt nämlich Kinotickets gewinnen für den Historienfilm Nürnberg.
00:01:08: Der Film über den Prozess gegen die Hautkriegsverbrecher basiert auf dem Buch der Nazi und der Psychiater von Jack L. Hay.
00:01:16: besagter Nazi ist niemand anderes als Hermann Göring im Filmverkörper von Russell Crowe Die deutsche Verleihfirma Weltkino.
00:01:24: Vielen Dank an dieser Stelle, war so freundlich mir zehnmal zwei Freikarten zu spendieren die ich sehr gerne an euch weiterreichen möchte.
00:01:32: Für das Gewinnspiel müsst ihr nur auf die Patreon Seite des Podcasts gehen.
00:01:36: dort gibt es eine Anleitung.
00:01:39: Die Teilnahme ist möglich bis zum fünfundzwanzigsten Mai und natürlich völlig kostenlos also nicht auf zahlende Mitglieder beschränkt.
00:02:21: Hei und Willkommen zu Deutschland, Dreiunddreißig, Fünfundviertzig.
00:02:24: Folge Fünfundvierzig, Neunzehn die braune Wohlstandslüge, Die NS-Volksprodukte zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
00:02:32: Am Ende der letzten Folge hatte ich ja schon angedeutet, dass die Nationalsozialisten ein ganz eigenes Verständnis von Wohlstand und Arbeit hatten als wir das heute haben – und wohl auch wie es einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung damals hatte.
00:02:46: Was die Nazis aus der Arbeit machen wollten, das hebe ich uns für nächste Folge auf.
00:02:51: Heute geht's um den Wohlstand!
00:02:55: Um hier anzusetzen müssen wir eine Etage tiefer gehen.
00:02:59: Die zurückhaltende Lohn- und Preispolitik der Nationalsozialisten diente am Ende ja der Aufrüstung.
00:03:06: Dahinter stand aber kein zielloser Militarismus, sondern einem braunen Weltbild fest verankertes Verständnis von Wirtschaft.
00:03:14: Dieses Verständniss ging kurz gesagt von einer Obergrenze aus – eine Volkswirtschaft konnte angeblich nur so viel Wohlstand hervorbringen wie der Raum und die Rohstoffe hergaben über die sie verfügte.
00:03:26: Wachstum aus eigener Kraft, durch bessere Technik, durch Handel und Erfindungen
00:03:30: usw.,
00:03:31: kam in diesem Denken kaum vor.
00:03:34: Wer mehr wollte, der musste sich mehr nehmen – mehr Land, mehr Rohstoffe, mehr Menschen die für einen arbeiten.
00:03:41: Deutschlands Zukunft das war aus Sicht der NS-Führung «der Lebensraum im Osten».
00:03:47: Die Aufrüstung war also nicht selbstzweck sondern Voraussetzung!
00:03:51: Sie schuf die Macht mit der man sich diesen Lebensraum später nehmen würde….
00:03:55: In diesem Sinne und nur in diesem Sinne war die Aufrüstung rational.
00:03:59: Rational war sie, wenn man die Prämissen teilte – Die Obergrenze das Volk ohne Raum Das Recht des Stärkeren.
00:04:06: Wer diese Prämisse nicht teilte wie ich hoffe die meisten von euch Und ich kann mich dazu zählen Für den war daran gar nichts rational.
00:04:15: Es ist die Logik eines geschlossenen Weltbildes Innerhalb dieses Weltbilds.
00:04:19: er gab aber einen Schritt den nächsten Und damit komme ich zu dem Schritt, auf den es heute ankommt.
00:04:26: Wenn der wahre Wohlstand erst nach dem Krieg zuholen war – nach der Eroberung – dann musste die Gegenwart eben warten.
00:04:33: Auch die Volksgemeinschaft.
00:04:35: das große Versprechen dass am Ende alle Deutschen am nationalen Reichtum teilhaben würden wurde damit verschoben.
00:04:42: Auf eine Zeit nach dem Sieg.
00:04:44: Aus Sicht der NS-Führung war auch das nur konsequent.
00:04:48: Nur war Hitler und Kohn natürlich klar….
00:04:50: Der Großteil der Deutschen lebte noch!
00:04:53: nicht in diesem Weltbild.
00:04:55: Sie lebte im Hier und Jetzt, und im Hier-und-Jetzt stiegen die Preise.
00:04:59: Ein Weltbild macht eben nicht unbedingt satt und
00:05:01: zufrieden.".
00:05:02: Damit hatte das Regime ein Legitimationsproblem – und es war sich dieses Problems durchaus bewusst!
00:05:08: Die Stimmungsberichte der Gestapo und der Verwaltung aus denen ich die letzten Folgen so ausgebizitiert habe wurden sehr genau gelesen.
00:05:16: Das eigentlich heikler aber lag woanders?
00:05:19: Das Regimen konnte seine eigene Logik ja nicht offen aussprechen….
00:05:23: Man konnte den Volksgenossen schlecht sagen, haltet noch ein paar Jahre durch, schnallt den Gürtel enger und sobald wir genug Länder erobert und genug Völker unterworfen haben wird für euch auch etwas abfallen.
00:05:36: Ein solcher Satz wäre politischer Sprengstoff gewesen – Für das Ausland und Deutschlands diplomatisch heikel Lage aber genauso innenpolitisch denn die meisten Deutschen hatten sehr gute Erinnerungen was ihnen der letzte Weltkrieg beschert hatte.
00:05:50: Das Regime brauchte also etwas anderes, etwas das sich vorzeigen ließ.
00:05:54: Etwas das Nachwohlstand aussah ohne dass man dafür an den großen Stellschrauben – löhne Preise Außenhandel hätte drehen müssen!
00:06:03: Es brauchte ich nenne uns mal so ein Ersatz.
00:06:07: Einen sichtbaren Vorzeugbahnersatz für den Wohlstand den es nicht liefern wollte und nach eigener Logik auch nicht liefern konnte.
00:06:15: Diesen Ersatz fand das Regime in den sogenannten Volksprodukten.
00:06:19: Eins davon kennt ihr ganz bestimmt den Volkswagen.
00:06:22: Auf denen kommen wir wahrscheinlich nächste Staffel zu sprechen, aber es gab viele solcher Produkte jedenfalls auf dem Papier ein Volkskühlschrank, einen Volkstraktor eine Volksnähmaschine und ein Volksgrammophon.
00:06:35: Und genau da liegt der Haken.
00:06:36: die meisten dieser Volksprodukte waren das nur dem Namen nach.
00:06:40: Findige Geschäfte-Macher hatten nämlich schnell viel Geld gerochen und den Begriff auf alles Mögliche geklebt.
00:06:46: Dem Regime wurde das so lästig, dass es den unlizenzierten Gebrauch des Wortes schon Ende.
00:06:53: Es musste seine eigene Propaganda vor Trittbettfahrern schützen.
00:06:58: Zwei dieser Volksprodukte nehme ich mir heute genauer vor.
00:07:02: Das eine sollte den Volksgenossen die Tür zur modernen Medienwelt öffnen, das andere versprach ihnen ein bezahlbares Dach über den Kopf.
00:07:11: Am beiden lässt sich dieselbe Frage durchspielen Wie valide war das braune Wohlstandsversprechen?
00:07:19: Das erste Projekt der Volksprodukte, dass in Serie ging.
00:07:22: Das war der Volksempfänger.
00:07:26: In Deutschland gab es nur rund vier Millionen Radios.
00:07:29: Als Hitler Anfang Februar seine erster öffentliche Radioansprache als Kanzler hielt, erreichte er damit nur ein Viertel der deutschen Haushalte – Gemeinschaftsräume inklusive.
00:07:39: Ich brauche wohl nicht mehr erklären, warum gerade das Radio das erste Volksprodukt wurde.
00:07:44: Es bot sich als Propagandarempfänger natürlich perfekt an und die Nazis hatten schon in den Wahlkämpfen der Republik gezeigt dass sie mit moderner Technik umgehen konnten.
00:07:54: aber das Beispiel für des Volksempfängers zeigt auch wie leistungsfähig in Anführungszeichen diese braune Konsumgüterinitiative wirklich war Bereits im Mai, für die Serie in Fertigung.
00:08:17: Das Gerät sollte kostengünstiger sein als die bisherigen Geräte auf dem Markt aber technisch so ausgereift dass sowohl die lokalen Sender als auch landesweit ausgestrahlte Sendungen empfangen werden konnten.
00:08:30: Für die Hersteller waren diese Vorgaben kein gutes Geschäft, deshalb sprachen sie sich untereinander ab gemeinsam an einem Typ zu arbeiten um unnötige Konkurrenz zu vermeiden.
00:08:41: Das Herstellerkartel lieferte auch sehr bald nämlich den VE-Dreißig I. Die Typenzahl des Volksempfängers VE war eine Anspielung.
00:08:51: auf dem dreißigsten Januar also der Tag von Hitlers Ernennung zum Kanzler Goebbels präsentierte das Gerät stolz auf der zehnten deutschen Funkausstellung, die im August neunzehnundertdreißig in Berlin stattfand.
00:09:05: Das Gerät kostete aber immer noch seventy-sech Reismarck – war also für viele Menschen kaum erschwinglich.
00:09:11: Um die Verbreitung anzukubeln gab es von Seiten der öffentlichen Hand Ratenzahlungspläne.
00:09:16: Nach einer Anzahlung von sieben Mark fünfundzwanzig musste man achtzehn monatliche Raten in Höhe von vier Mark vierzig leisten!
00:09:25: In Summe also mehr als sechsohnachtzig Mark pro Gerät zahlen.
00:09:29: Tatsächlich wurde der VE-Dreißig eins zu einem Verkaufsschläger, die erste Produktionscharge soll angeblich innerhalb von Tagen ausverkauft gewesen sein.
00:09:39: Bis nineteenhundertfünfunddreißig wurden Eins Komma fünf Millionen Geräte abgesetzt.
00:09:44: Die Hersteller hatten sich allerdings verkalkuliert und viel zu stark in die Produktion investiert.
00:09:50: Mittlerweile überstiegen die Lagerbestände den sinkenden Bedarf bei Weitem.
00:09:54: Gleich drei kleinere Hersteller gingen pleite und das Kartell musste schmerzhafte Anpassungen vornehmen.
00:10:00: Führend war damals die Firma Telefunken – einige von Euch kennen die vielleicht noch!
00:10:05: Durch Einsparungen bei der Serienfertigung fiel der Preis des VE-Dreißig I bis neunzehundertsiebendreißig auf einen Neunundfünfzig Reichsmark.
00:10:18: Auch hier zeigte sich aber das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land.
00:10:22: Siebzig Prozent der städtischen Haushalte besaßen ein Radio, in den Dörfern blieb es ein Luxusartikel.
00:10:29: Zum Vergleich – in England hatten fast siebzig prozent aller Haushalter einen Radio, In den USA zur gleichen Zeit sogar fast fünfundachtzig Prozent!
00:10:38: Der wirkliche Durchbruch gelang erst mit einem neuen Gerätetyp, der kurz vor Kriegsbeginn auf dem Markt kam.
00:10:44: wie praktisch Der deutsche Kleinempfänger kostete nur noch thirty-fünf Mark.
00:10:50: Innerhalb von einem Jahr wurde eine Million Geräte von dieser Göbbelsschnauze abgesetzt.
00:10:58: War der Volksempfänger also ein Erfolg?
00:11:01: Naja, für das Regime natürlich schon!
00:11:03: Aber für die deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern eher nicht.
00:11:08: Denn die deutschen Volksempfänger liefen auf dem Weltmarkt völlig außer Konkurrenz.
00:11:13: Die waren zu teuer und technisch zu abgespeckt und leistungsunfähig, um in England oder den USA verkauft zu werden.
00:11:20: Ungekehrt heißt das hätte es das strenge Außenhandelsregime von Schacht und dem RWM nicht gegeben hätten sich die Deutschen mit günstigeren und besser ausgestatteten Geräten aus dem Ausland versorgen können.
00:11:33: am Ende hätte sich das Radio vermutlich mindestens genauso schnell in Deutschland verbreitet.
00:11:39: soweit der Volksempfänger Das Volksprodukt, das es immerhin wirklich gab und millionenfach verkauft wurde.
00:11:46: Halten wir das fest, denn es ist für das Regime der günstigste Fall.
00:11:51: Im zweiten Fall dem versprochenem Dach über den Kopf fällt die Bilanz nämlich sehr mager aus.
00:11:58: Zum Einstieg in dieses Thema muss ich etwas weiter ausholen und wir starten mit einem kurzen Blick in unsere Gegenwart.
00:12:05: Nicht nur die Teuerung bei Lebensmitteln und Konsumgütern kommt uns nämlich heute seltsam vertraut vor!
00:12:11: Auch fehlender und teurer Wohnraum ist seit längerem ein Dauerbrinner.
00:12:16: Und wie die Menschen damals, in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erleben wir heute dass die Wohnungsfrage äußerst komplex ist und nicht mit einer Stellschraube allein zu lösen ist.
00:12:29: Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen erbten sie gewissermaßen also auch dieses Mammutproblem.
00:12:35: Je nachdem, wie man fragte, fehlten nach dem Ersten Weltkrieg zwischen einer und zwei Millionen Wohneinheiten.
00:12:42: Ein Teil dieses Mangels war zurückzuführen auf ungenügende Bautätigkeit vor- und während des Krieges – aber ironischerweise war auch die Sozialpolitik der ersten deutschen Demokratie nicht völlig unschuldig daran.
00:12:54: Im Zuge der Hyperinflationen waren nämlich vielerorts Mietendeckel eingeführt worden um einen sprunghaften Anstieg der Wohnkosten zu verhindern.
00:13:03: Tatsächlich blieb die befürchtete Welle an Zwangsräumungen aus.
00:13:06: Aber da die Mieten nun allgemein unter dem Vorkriegsniveau lagen, wurde der Wohnungsbau ausgesprochen unattraktiv für private Investoren.
00:13:16: Der Staat hatte also die Gefahr von Massenobdachlosigkeit kurzfristig abgewendet jedoch zum Preis eines stagnierenden Bausektors.
00:13:25: Also mir kommt das bekannt vor?
00:13:27: Man sieht es gibt keine einfachen Lösungen.
00:13:32: Die Weimarer Behörden versuchten, die angespannte Lage durch Subventionen an staatliche und genossenschaftlichen Wohnungsbaugesellschaften zu entspannen.
00:13:40: Finanziert wurde die staatliche Unterstützung übrigens – man höre und staune nicht etwa durch Schulden, sondern durch eine Sondersteuer für diejenigen, die bereits Wohneigentum besaßen!
00:13:51: Das war die sogenannte Hauszinssteuer.
00:13:54: Ohne jetzt in die Details einzusteigen, lässt sich die Logik dieses Finanzierungssystems nicht von der Hand weisen.
00:14:00: Denn gerade die Hausbesitzer hatten in der Regel von der Hyperinflation profitiert – denn ihre Immobilien-Schulen waren durch Geldentwertung wie Schnee in der Sonne hingeschmolzen….
00:14:10: wenn man rechtzeitig getilgt hat natürlich nur!
00:14:13: Auf dem Höhepunkt des Bauprogramms investierte der Weimarer Staat mehr als eine Milliarde Reichsmark pro Jahr in neue Wohnungen.
00:14:22: Dabei immer im Hinterkopf behalten eine Milliarde Reichsmark war damals deutlich mehr als heute.
00:14:27: Und was da gebaut wurde, das waren moderne Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Fließendwasser, Strom und Badezimmer.
00:14:34: Trotzdem reichten diese intensiven Bemühungen nicht aus um den Wohnraummangel zu beseitigen.
00:14:48: Viele Arbeiterfamilien waren gezwungen, zwei oder sogar mehr sogenannte Schlafburschen aufzunehmen und mindestens dreihundertfünfzigtausend Familien mit einem oder mehr Kindern hatten gar keine eigene Wohnung sondern lebten selbst zur Untermiete.
00:15:07: Und auch die Qualität der Unterbringung war mit derjenigen der Neubauprojekte nicht zu vergleichen.
00:15:12: Der Altbaubestand umfasste gerade in den Großstädten verwohnte Mietzkaserne, teilweise mit Fensterlosenzimmern, zugige Dachstuben und feuchte Keller.
00:15:22: Wenn ihr euch die erste Staffel vom Babylon Berlin anschaut... ...die Frau Ritter wohnt da ja mit ihrer Familie in so einer Mietskaserne?
00:15:29: Ich finde, sie haben das ganz gut eingefangen!
00:15:33: Durch die Weltwirtschaftskrise fand das öffentliche Bauprogramm dann ein jehes Ende.
00:15:37: nineteenhundertzeigunddreißig gab der Staat nur noch hundertfünfzig Millionen Reichsmarkt dafür aus.
00:15:43: Und dann kamen die Nazis.
00:15:45: Tja, und was soll ich sagen?
00:15:47: Die hatten zunächst einmal ganz andere Prioritäten – im Rahmen der Arbeitsbeschaffung wurden zwar hunderte Millionen Reichsmark in dem privaten Bausektor gepumpt, dieses Geld sollte aber für Umbau- und Renovierungsarbeiten ausgegeben werden nicht für den Neubau.
00:16:03: Damit sollten also geografisch möglichst breit gestreute kurzfristige Anreize gesetzt.
00:16:09: So wurden vielleicht aus allen größeren Wohnungen mehrere kleinere, also es gab dann netto ein Zuwachs von Wohnanheiten aber es gab eben keine neuen Gebäude.
00:16:19: Ganz richtig ist das so nicht denn es gab schon einen Eigenheim Förderprogramm wenn ich es mal so nennen will.
00:16:25: dass umfasste aber gerade einmal fünfundvierzig Millionen Reichsmark.
00:16:29: Ansonsten begnügte sich das Regime damit, öffentliche Garantien für private Hypothekenkredite zu erleichtern.
00:16:36: Das senkte die Kosten der Baudarlehen – davon profitierten aber eigentlich ja nur diejenigen, die sich überhaupt so ein Darlehen schon leisten konnten!
00:16:44: Statt also die Erholung der Wirtschaft als Chance zu nutzen um den öffentlichen Wohnungsbau wieder anzukurbeln, setzte man vor allem auf Propaganda.
00:16:51: Bereits in hier hat die Reichsregierung ein Notprogramm gestartet, dass Menschen mit Kleinkrediten unterstütze Also ein, zwei, drei tausend Reichsmark.
00:17:02: Und zwar nur dann wenn sie auf ausgewiesenen Flächen am Stadtrand oft in Eigenregie bauten und sich mit Kleingärten auf diesem Land selbst versorgten.
00:17:13: Die Nazis entdeckten dieses sogenannte Siedlungsprogramm für sich und erklärten es kurzerhand zur Zukunft des deutschen Wohnungsbaus – jedenfalls für eine gewisse Zeit!
00:17:22: Eine echte Priorität hatte das Programm nämlich nie.
00:17:26: Da konnte der im März, in den Jahr und dreißig ernannte Reichskommissar für das Siedlungswesen Gottfried Feder noch so laut trommen.
00:17:34: Feder Kinn wäre schon – der war ja mal kurzfristig Mitarbeiter von Jammer Schacht.
00:17:38: sehr zu dessen Ärgernis!
00:17:40: Feders Vision der Umsiedlung vom bis zu zwanzig Millionen Menschen in neue Heimstätten, in Kleinstädten wie Hitlerburg oder Göringen blieb ein Papiertiger.
00:17:52: Insgesamt gab das Reich nicht mehr als hundert-achtzig Millionen Mark für das ganze Programm aus.
00:17:57: Rechnerisch hätte das für kaum fünfunddreißig tausend Siedlungshäuschen gereicht, die übrigens ohne die in der Weimarer Zeit erreichten Annehmlichkeiten auskommen mussten wie Fließentwasser, Strom oder einen Anschluss an die Kanalisation.
00:18:12: Wie viele Häuser wirklich gebaut wurden ist mir leider nicht bekannt.
00:18:18: Da war das Siedlungsprogramm dann schon wieder Geschichte.
00:18:23: Gottfried Feder hatte man im Dezember, in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
00:18:28: Jetzt aber nahmen Franz Seltes reichs Arbeitsministerium dem Ball auf und entwickelte einen Plan für dreieinundfünfzigtausend sogenannte Volkswohnungen.
00:18:39: bis Die Kosten je Wohneinheit berechnete das R.A.M auf Drei-Tausend bis Dreitausend Fünfhundert Reismark, also deutlich höher aber nicht sehr viel höher als damals dieses Kreditprogramm für die Siedlungshäuschen.
00:18:56: Das Reich würde weniger als vierzig Prozent davon direkt über Darlehen finanzieren.
00:19:00: den Rest sollten private Investoren aufbringen.
00:19:04: Die Miete durfte aber fünfundzwanzig bis achtundzwantig Mark monatlich nicht übersteigen.
00:19:09: Um die Kosten niedrig zu halten, sollten die Wohnungen zwischen vierunddreißig und zweiundvierzig Quadratmeter groß werden.
00:19:15: Also so ein etwas größeres Wohnzimmer in so manchem Einfamilienhaus heute.
00:19:21: Ein Stromanschluss war zwar vorgesehen aber nur für Licht.
00:19:24: Fließend Wasser, Zentralheizung und ein Badezimmer galten als zu teuer und wurden deshalb von vornherein gestrichen.
00:19:32: Das schuf dann aber Widerstand bei den anderen Machtzentren des Regimes.
00:19:36: Goebbels Propagandaministerium klagte, solche ärmlichen Behausungen verdienten gar nicht die Bezeichnung Volkswohnungen.
00:19:43: Die Deutsche Arbeitsfront pochte auf eine Mindestgröße von fünfzig bis siebzig Quadratmetern – genug um meine Familie drei bis vier Zimmern zur Verfügung zu stellen.
00:19:53: Die Kosten für diese Wohnungen, das ergaben die Rechnung der DAF selbst, hätten aber bei vierzehntausend Mark gelegen!
00:19:59: Bei einer maximal Miete von dreißig Mark hätte ein Großteil der Kosten der Staat übernehmen müssen.
00:20:06: Freilich stellte sich bald heraus, dass selbst das krasse Sparprogramm des R.A.M noch unrealistisch kalkuliert war.
00:20:13: Die tatsächlichen Kosten für die kleinen Volkswohnungen lagen weit höher als ursprünglich veranschlagt.
00:20:19: Also musste das Arbeitsministerium den Kostenrahmen schließlich auf sechstausend Mark pro Wohnanhalt verdoppeln und die Miete auf sechszig Mark erhöhen.
00:20:28: Das braune Wohnungswunder blieb also eine Chimere, eine Vision für die Zukunft.
00:20:33: In den sechs Friedensjahren des Regimes wurden keine harten Anstrengungen unternommen mit staatlichen Mitteln etwas an der Wohnungsnote in Deutschland zu ändern.
00:20:42: Während die erste deutsche Republik fast die Hälfte der gesamten Wohnungsbauffinanzierung aus dem Staatssäckel gestemmt hatte, sank der Anteil der staatlichen Finanzspritzen bis neunzehntundertsechsunddreißig – also als dieses R.A.M-Programm der Volkswohnungen gerade anfing.
00:20:56: auf acht Prozent von den zwischen neunzenhundertfünfund dreißig und neunzentneununddreißig geplanten dreihundert fünfzigtausend Volkswohnungen wurde kaum die Helfde auch nur angefangen!
00:21:11: Damit möchte ich heute zum Schluss kommen.
00:21:14: Zwei Volksprodukte, zwei sehr verschiedene Geschichten mit ein paar Gemeinsamkeiten.
00:21:19: Der Volksempfänger war immerhin ein echtes Gerät, ein echter Verkaufsschlager Aber wenn man genau hinschaut schmückte sich das Regime eben doch mit fremden Federn Denn das Radio hätte sich auch ohne dass braune Etikett verbreitet Ohne Schachsausenhandelsregimen vermutlich sogar mit besseren und billigeren Geräten.
00:21:38: Die Volkswohnung war dem gegenüber mehr ein Schlagwort der Propaganda als sein echtes Programm.
00:21:43: Am Ende der letzten Folge habe ich eine Frage aufgeworfen, was war eigentlich mit denen die sehr wohl fragten was am Monatsende übrig blieb?
00:21:50: Die Antwort des Regimes war ein Radio das sie ohnehin bekommen hätten und eine Wohnung die meistens nie gebaut wurde.
00:21:59: Im Fall der Wohnung wird der Vergleich sogar richtig unbequem.
00:22:02: Die Weimarer Republik, dieses angeblich gescheiterte System über das die Nazis bei jeder Gelegenheit sporteten hatte ein gigantisches öffentliches Bauprogramm aufgezogen, dass moderne und bezahlbare Wohnanheiten zur Verfügung stellte.
00:22:16: War damals alles gold gewesen?
00:22:18: Nein!
00:22:18: Aber im Kaiserreich hatte es so einen Programm nicht gegeben... Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß.
00:22:24: Und das Dritte Reich brachte es in sechs Friedensjahren nur auf einen kleinen, kleinen Bruchteil davon – ohne die Annehmlichkeiten von elektrischen Geräten, einem Badezimmer oder auch nur fließend Wasser!
00:22:37: Die eigentliche Antwort der Nazis auf die Frage was man am Ende des Monats hatte war aber auch eine andere.
00:22:45: Sie lautete nicht hier ist dein Wohlstand.
00:22:47: sie lautete du stellst die falsche Frage.
00:22:50: Was ein Mensch besitzt, was am Monatsende übrig bleibt – das sollte gar nicht mehr der Maßstab sein.
00:22:56: An seinem Stelle sollte etwas anderes treten.
00:22:59: Ein neuer Begriff von Arbeit in der völkischen Leistungsgemeinschaft!
00:23:04: Und darum und seine Folgen geht es in der nächsten Episode.
00:23:09: Bis dahin
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