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In Erinnerung an Albrecht Weinberg (1925-2026), Ostfriese, Holocaust-Überlebender und beharrlicher Zeitzeuge.

Shownotes

Am 12. Mai 2026 starb Albrecht Weinberg in Leer, 101 Jahre alt. Er überlebte Auschwitz-Monowitz, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen und drei Todesmärsche. Mit 87 Jahren kehrte er aus New York zurück nach Ostfriesland. Über die folgenden vierzehn Jahre seiner “beharrlichen Zeitzeugenschaft” spreche ich mit drei Bürgermeistern seiner alten und neuen Heimat, die ihn gekannt haben: Heiko Abbas (Weener), Claus-Peter Horst (Leer) und Geert Müller (Rhauderfehn).

Kurz Erkleert Podcast mit Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas zu Weihnachten 2025: https://kurz-erkleert.podigee.io/11-11-weihnachtsfolge-2025-ruckblick-mit-ehrenburger-albrecht-weinberg

Albrecht Weinbergs Biografie: https://www.penguin.de/buecher/nicolas-buechse-albrecht-weinberg-damit-die-erinnerung-nicht-ver/paperback/9783328111443

Der Dokumentarfilm: https://kundschafterfilm.de/das-nazi-kartell-2/

Gerda Dänekas im Interview mit der Jüdischen Allgemeinen: https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/albrecht-weinberg-gefaehrtin-erinnerung-an-holocaust-darf-nicht-enden/

Cover: Albrecht Weinberg mit Bundesverdienstkreuz 2017 (CC BY-SA 4.0, Badmanontour, wikimedia.org)

Transkript anzeigen

00:00:00: Hi und Willkommen zu Deutschland Thirty-Fünfundvierzig.

00:00:04: Mein Name ist Jonas Steffern.

00:00:07: Am zwölften Mai, Zwei-Tausendsechsten-Zwanzig starb der Holocaust überlebende und beharrliche Zeitzeuge Albrecht Weinberg in Leer Ostfriesland.

00:00:18: Er wurde einhundert und ein Jahre alt.

00:00:21: Über Albrechts außergewöhnlichen Einsatz für die Erinnerungskultur und für das friedliche Zusammenleben in seiner ostfriesischen Heimat Spreche ich mit den Bürgermeistern Heiko Abbas aus Wiener, Klaus-Peter Horst aus Lea und Gerd Müller aus Raudafen.

00:00:38: Alle drei kannten Albrecht Weinberg persönlich – die Gemeinden, die sie politisch vertreten, spielten sowohl in Albrechts Leben wie in seinem Wirken nach seiner Rückkehr nach Deutschland eine Schlüsselrolle.

00:00:51: Bevor wir aber in das Gespräch einsteigen ist es hilfreich, den Lebenslauf von Albrech Weinberg zu skizzieren!

00:00:58: Eine Skitze soll es sein, nicht aus Zeitgründen sondern weil ihr euch viel anschaulicher und tiefgründiger über Albrechts Biografie informieren könnt in einem Buch das er zusammen mit dem Journalisten Nikolas Büchse verfasst hat.

00:01:11: Damit die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf meinem Arm eine wahre Geschichte vom Holocaust, dem Überleben und einem Versprechen dass sie Zeit überdauert.

00:01:21: Den Link zur Verlags-Homepage findet Ihr in der Folgenbeschreibung den Show notes.

00:01:27: Albrecht Weinberg wird in Raudafäen, Ostfriesland geboren.

00:01:33: Sein Vater Alfred ist Viehender.

00:01:35: Verwandte der Familie leben unter Annahmen in den Hafenstädten entlang der Ems in Lea und in Wena.

00:01:41: Albrech hat zwei ältere Geschwister Friedl und Dieter.

00:01:46: Die Weinberg sind eine typische ostfriesische Familie.

00:01:50: Man spricht platt, trinkt gerne Tee und arbeitet hart.

00:01:54: Aber die Weinbergs pflegen auch ihren jüdischen Glauben Und in den Augen mancher sind sie deshalb keine richtigen Deutschen, geschweige denn Waschächte Ost-Triesen.

00:02:06: Als Adolf Hitler Reichskanzler wird ist Albrecht sieben Jahre alt – er und seine Familie müssen am eigenen Leib erleben wie der Antisemitismus immer sichtbarer und vor allem immer brutaler wird.

00:02:18: Auf die soziale Ausgrenzung folgt die schrittweise Entrechtung.

00:02:22: Die Weinbergs müssen Raudafähen verlassen und nach Lehr ziehen.

00:02:26: An die Reichsprogramm nach dem November, und dem Brandanschlag auf die Synagoge in Leer hat Albrecht ungetrübte Erinnerung, die ihr in seiner Biografie nachlesen solltet.

00:02:38: Sein Vater Alfred Weinberg wird ins KZ verschleppt und kehrt erst nach Monaten zur Familie zurück.

00:02:46: Kurze Zeit später schicken die Eltern Albrechts und Friedl auf ein Gutshof nach Schlesien wo jüdische Kinder und Jugendliche auf Auswanderungen vorbereitet werden.

00:02:55: Diese Zeit ist aber nicht mehr als eine Atempause.

00:02:59: Nach Kriegsbeginn müssen Albrecht und seine Schwester Zwangsarbeit leisten, in einem Forstbetrieb bei Berlin.

00:03:06: In den letzten Jahren werden sie nach Auschwitz deportiert.

00:03:10: Albrech kommt ins Lager Monowitz das die IG-Farben finanziert – erst achtzehn Jahre alt.

00:03:17: Als die Rote Armee im Januar nineteenhundertfünfundvierzig näher rückt, treibt die SS die Überlebenden auf einen Todesmarsch nach Westen.

00:03:25: Albrecht überlebt ihn und zwei weitere.

00:03:28: Im Mittelbau Dora muss er vor Zweiraketen bauen, schließlich wird er nach Bergen-Belsen verschleppt, wo die Wachmannschaften und Helflingskommandos mit dem Verbrennen der Leichen nicht mehr hinterherkommen.

00:03:39: Am fünfzehnten April nineteenhundertfünfundvierzig befreien britische Soldaten das Konzentrationslager.

00:03:46: Albrech macht sich auf die Suche nach seinen Geschwistern – findet sie wieder!

00:03:51: Doch die Eltern sind tot ermordet in Auschwitz.

00:03:55: Als Dieter in Ausfriesland unter ungeklärten Umständen stirbt, beschließen Albrecht und Friedl für immer wegzugehen.

00:04:04: Sie wandern in die USA aus.

00:04:06: In New York betreibt er viele Jahrzehnte eine Fleischerei – sie arbeitet u.a.

00:04:11: für eine jüdische Hilfsorganisation.

00:04:13: Deutschland ist weit weg!

00:04:16: Erst in den Achtziger Jahren lebt der Kontakt zur alten Heimat wieder auf.

00:04:21: Engagierte Bürgerinnen und Bürger legen dafür den Grundstein, indem sie die wenigen Überlebenden der jüdischen Gemeinde kontaktieren, die nun in der ganzen Welt verstreut sind.

00:04:30: Es kommt zu einigen Besuchen- und Gegenbesuchen.

00:04:36: Die Ostfriesischen Bekannten vermitteln einen Umzug nach Leer wo Friedl und Albrecht in einem Pflegeheim unterkommen.

00:04:45: Mit siebenundachzig Jahren kehrt Albrechts Weinberg also zurück nach Ostfriessland.

00:04:50: Es ist eine Rückkehr in die eigene Kindheit und daraus entwickelt sich unverhofft, eine Entscheidung gegen das Schweigen.

00:04:58: Angestoßen hat diese Entscheidung wohl nicht zuletzt Gerda Dänikas.

00:05:02: Sie arbeitet im Pflegeheim, kümmert sich aufopferungsvoll um die beiden ostfriesischen Amerikaner und gibt Albrecht Halt als seine Schwester stirbt.

00:05:11: Über viele Gespräche werden Albrech Weimberg und Gerda Denikas Freunde – und Albreich beginnt von seinem Leben zu erzählen!

00:05:20: Bald tut er das auch in Schulen seiner alten Heimat.

00:05:24: Und die Kinder und Jugendlichen, die hören ihm so aufmerksam zu wie er auch ihnen zuhört wenn sie Fragen stellen mehr wissen wollen oder auch ihre eigenen Sorgen teilen.

00:05:35: Über viele Jahre prägt Albrecht Weinberg die Erinnerungsarbeit in Leer, in Raudafilm, in Wiener und an vielen weiteren Orten.

00:05:44: In den letzten Jahren bekommt er das Bundesverdienstkreuz.

00:05:50: im Bundestag gemeinsam mit der AfD abgestimmt hat.

00:05:54: Der Bundespräsident versucht ihn umzustimmen, Albrecht bleibt bei seiner Entscheidung.

00:06:00: Bis zuletzt setzt sich Albrechts Weinberg unermüdlich dafür ein dass die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf seinem Arm.

00:06:09: Das ist der Lebenslauf Eine Skizze.

00:06:12: Wie gesagt Die Fülle eines solangen ereignisreichen Lebens steckt da nicht drin.

00:06:17: Hier will ich jetzt mit drei Menschen sprechen, die Albrecht Weinberg gekannt haben.

00:06:22: Über die öffentliche Person aber vor allem auch über den Menschen dahinter.

00:06:29: also ihr drei stellt euch doch bitte einmal selbst vor.

00:06:33: Hallo Jonas schön dass ich dabei sein darf hier in einem Podcast.

00:06:36: mein Name ist Heiko Abbas Ich bin der Bürgermeister der Stadt Wena und für uns spielt Albrech Weinberg eine ganz wichtige Rolle Die wir sicherlich dann gleich noch besprechen.

00:06:47: Ja, auch hallo in die Runde.

00:06:49: Mein Name ist Klaus Peter Horst und ich bin Bürgermeister der wunderschönen Stadt Leer in Ostfriesland.

00:06:54: Albrecht Weinberg hat hier die letzten Jahre das Miteinander in unserer Stadt sehr geprägt.

00:07:00: von da freue ich mich sehr heute mit dabei zu sein und vielleicht das eine oder andere zu dem Thema dazu beitragen kann.

00:07:07: Moin mir Nalle!

00:07:08: Geert Müller, Bürgemeister der Gemeinde Raudafen.

00:07:12: Albright ist bei uns geboren und war ständig immer wieder vor Ort Ja, und mal gucken was ich beitragen darf.

00:07:20: Gerd vielleicht fangen wir bei dir in Raudafen an weil der Albrecht Weinberg hier bei euch aufgewachsen ist.

00:07:27: hast du denn eine ja ich möchte nicht sagen Lieblingsanecdote aber ein Ereignis eine Begegnung mit ihm die ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist?

00:07:35: Also bei uns wird das immer so sein.

00:07:39: Albrecht war mal zu einer Veranstaltung hier und hat dann gesagt, ich wünsche mir eigentlich noch so eine gepökelte Ochsenzunge.

00:07:48: Gerda macht mir sowas ja nicht!

00:07:51: Und das hab ich mir dann gemerkt.

00:07:54: Dann bin ich halt zum Schlachter hier mal gegangen zu seinem nächsten Geburtstag und wär sich so eine pökelte Ochsenzunge auch tatsächlich mal mal vorstellt, also ich selber wusste auch gar nicht was du wirklich Mächtiges in der Hand hast.

00:08:08: Und die habe ich ihm dann, sag' ich mal, zu seinem Geburtzeug.

00:08:10: Ich glaub's war der achten neunzigste überreicht und er hat sich debisch gefreut.

00:08:15: Er hat sich einmal übers Geschenk gefreud aber auch, sag', ich mal dass er Gerda ausgetrickst

00:08:20: hatte.".

00:08:21: Und das ist, glaube ich so etwas was wir auch regelmäßig wiederholt haben, sage ich mal.

00:08:26: Auch die anderen Geburtstage in der Ochsenzunge hatte ich immer dabei.

00:08:32: Das ist ja jetzt ein sehr spezielles ostfriesisches Gericht.

00:08:36: offenbar aber interessant finde ich dass er da so drauf versessen war.

00:08:45: Er war ein echter Ausfriese, oder?

00:08:48: Ja.

00:08:48: Aber er war ja auch in seiner Zeit hier in den USA ... War das sein Handwerk, was er gemacht hat und ... Also ich hab selber so was noch nie probiert.

00:08:56: Und tatsächlich sag ich mal, war das Science!

00:09:00: Ich habe ihn von allen, die wir jetzt im Podcast sind, glaube ich am wenigsten häufig getroffen und gesehen.

00:09:08: Aber dieses etwas schellnische und etwas verschmitzte.

00:09:12: Was dabei gehrt rausklingt.

00:09:15: Das habe ich auch direkt bei ihm immer mit erkannt, wenn man mit ihm gesprochen hatte oder wenn man irgendwie mit ihm zu tun hatte und das finde ich so bemerkenswert dass bei dem Lebensweg den Albrecht hinter sich hat er auch im hohen Alter noch diese ja wie soll ich sagen dieses diese schelmische sich bewahrt hat, dass es für ihn so in seinem Wesen drin geblieben ist.

00:09:35: Das finde ich wirklich bemerkswert.

00:09:37: deswegen passt die Anekdote von Gert wie ich finde sehr gut auch zu den Gesprächen.

00:09:44: Ist dir denn da was Besonderes im Gedächtnis geblieben?

00:09:47: Oder würdest du sagen, es sind so viele.

00:09:49: Da kann ich wahllos herausgreifen.

00:09:52: So eine spezielle Anekdote wie Gerzi gerade darstellt habe ich in dem Falle nicht.

00:09:57: Aber was ich bei Albrecht ... Ich hab ihn das erste Mal getroffen bei Klaus-Peter in Lea.

00:10:05: Bei einer Veranstaltung dort im Ratsaal zum, ich glaub, zweihundertjährigen Jubiläum der Stadtrechte CP.

00:10:14: Da sind wir jetzt gespräch gekommen und dann hat er sich vorgestellt.

00:10:18: Ich habe ihm erzählt, dass ich den Bürgermeister der Stadt Wena bin.

00:10:20: Er hat mir auch gleich erzählt, das er öfter in Wena war in der Zeit vor dem Krieg weil er dort Verwandte hatte.

00:10:29: Und direkt im dritten oder vierten Satz hast du angeboten!

00:10:33: Hat mich da auch gleich mit Gerardine Kahrs, mit seiner Lebensfreundin bekannt gemacht und hat gesagt hier das ist Heiko, du bist der Bürgermeister.

00:10:41: Also da war sofort eine Vertrautheit da, obwohl wir uns erst zehn Minuten kannten und wirklich aus so einer Zugewandtheit ... Das hatte ich gar nicht erwartet!

00:10:51: Und man fühlte sich sofort umarmt.

00:10:55: Das war also wirklich ne ganz bemerkenswerte Situation.

00:11:01: dann ein bisschen länger mit ihm sich unterhält und weiß, was ihm alles zugestoßen ist.

00:11:06: Was er alles erlebt hat.

00:11:08: Dann finde ich, kriegt das noch mal eine besondere Dimension?

00:11:14: Wenn ich das kurz ergänzen darf... Das war so seine große Stärke!

00:11:18: dass er sehr sympathisch mit Menschen umgegangen ist.

00:11:22: Wenn der Schülerinnen und Schülertraf, dann haben die ihn natürlich etwas gefragt weil sie neugierig waren und auch von seiner Geschichte etwas erfahren wollten.

00:11:32: aber im gleichen Zug konnte er sich vielleicht noch an das letzte treffen mit den Schülern erinnern und sagte Mensch wie geht's denn dir mit der Sache, die du mir damals erzählt hast?

00:11:41: Und das fand ich immer so bemerkenswert, dass dieser Mann auch ein enormes Gedächtnis hatte und sich selbst gar nicht in den Bildpunkt gestellt hat, sondern immer auch Sorge um denjenigen hatte der ihn gegenüber saß.

00:11:54: Aber Klaus Peter, da sprichst du ja was entscheidendes an Bezug.

00:11:59: er hat ja in seinen Jahren wieder in Deutschland in Leer gewohnt.

00:12:03: welche?

00:12:05: Wo siehst du ihn da?

00:12:05: in der Stadtgesellschaft?

00:12:07: Welche Rolle spielte er da, auch nicht nur aber auch im Bezug auf die Erinnerungskultur.

00:12:12: Ja das Ganze begann in nineteen-hundert und fünfund achtzig.

00:12:15: Da hat sich die Stadt Lea überlegt, dass die Stadt einmal diejenigen einlädt, die aus Deutschland zum Kriegsende dann aus bekannten Gründen Deutschland verlassen haben und auch Lehrverlassen haben.

00:12:28: Dass man die wieder bittet kommt doch mal zurück nach Lea.

00:12:32: Und da hat halt Albrecht mit seiner Schwester auch eine Einladung bekommen von dem damaligen Bürgermeister und hat gesagt, das hatte mir jedenfalls so berichtet.

00:12:40: Da gehe ich nicht hin!

00:12:41: Ich will nie wieder zurück nach Deutschland, ich will es recht nicht wieder nach Lea.

00:12:44: Was man mir da angetan hat, das werde ich nie

00:12:46: vergessen.".

00:12:46: Dann haben die beiden aber doch weit dahin miteinander gesprochen.

00:12:49: ob sie das jetzt nicht doch tun sollten?

00:12:51: Das haben Sie dann ja am Ende wirklich getan.

00:12:54: Sie haben gesagt Mensch wir riskieren's oder wir trauen uns noch mal nach Leer zurück zu kommen.

00:13:00: Derzeit oder bei dem Besuch sind ganz viele besondere Beziehungen geknüpft worden zwischen Leranern und Albrecht und seiner Schwester.

00:13:09: Es gab daraufhin auch Besuche von Leranan in New York, dort hat er ja gelebt mit seiner Schweste und gearbeitet.

00:13:15: Und daraus sind also so intensive Beziehung entstanden das als seine Schwester erkrankte Auch Lerana sich um die beiden gekümmert haben und gesagt haben, Mensch wir holen euch zurück nach Lea.

00:13:28: Hier habt ihr die bessere medizinische Versorgung und haben dann ja Plätze in einem Flugzeug geschadert.

00:13:36: man hat die Beine nach Lear geholt.

00:13:38: also das ist wirklich etwas finde ich ganz besonderes dass jemand der aus Deutschland geflüchtet ist sich wieder traut in die Stadt Lea zurück zu kommen.

00:13:48: Wir kommen sicherlich noch auf die einzelnen Dinge, die er hier erlebt hat oder für Lea auch bedeutet.

00:13:53: Aber für mich war dann so das Pregnste.

00:13:56: Er hat mir irgendwann mal erzählt ... Klaus-Peter ich möchte gerne mal auf den Gallimarkt.

00:14:02: Gallimakt ist hier in Lea das größte Volksfest was es gibt und der Gallimmarkt beginnt mit einer Eröffnung.

00:14:08: Der spricht der Bürgermeister vorne auf der Rathaustreppe eine Öffnungsrede und unten stehen hunderte ja vielleicht sogar tausende von Menschen die dann in dem Augenblick dieser Öffnung beiwohnen.

00:14:20: Und da hab ich gesagt, Albrecht selbstverständlich kommst du auf den Gallimarkt und wenn du möchtest eröffnen wir diesen Gallimakt auch zusammen.

00:14:27: Da war gesagt ja sollen wir das wirklich tun?

00:14:30: Ja wir machen das!

00:14:32: Dann war dieser Tag gekommen und dann trifft man sich so hinter dieser Treppe in so einem Flur.

00:14:38: und dann habe ich gesagt und Albrech möchte wirklich mit vorne aus Podium und er sagte ja möchte ich wohl.

00:14:42: und Gerda, seine Begleiterin, sagt dann immer ach willst du das wirklich?

00:14:46: Da musst du stufen gehen.

00:14:47: Das ist beschwerlich für dich.

00:14:48: Willst du es

00:14:48: wirklich?".

00:14:49: Ja ich möchte

00:14:50: das.".

00:14:50: Und da sind wir zusammen auf diese Treppe gegangen ans Rednerpult getreten und ich brauchte gar nichts sagen.

00:14:58: die Menschen fing an zu applaudieren.

00:15:01: er hat nur geguckt.

00:15:03: nach einer Zeit hat er denn in die Menge gewunken und alle Leute haben ihn erkannt und dann hat er sich zu mir umgewandt.

00:15:12: Die Menschen haben mich aus Leer herausgetrieben.

00:15:15: Wie viel bin ich hier transportiert worden, aus Leeraus?

00:15:19: Und heute winken sie mir

00:15:20: zu.".

00:15:22: Das ist so das Erlebnis, was bei mir hängen geblieben ist, dass dieser Mann ja wirklich extreme erlebt hat, die wir uns alle gar nicht vorstellen können.

00:15:31: Das geht mir bis heute auch wenn ich das erzähle ganz schön unter die Haut.

00:15:36: Aber ich habe jetzt einen Eindruck aus dem, was ihr drei bisher berichtet habt ... ihm persönlich, glaube ich auch.

00:15:45: Wenn man jetzt nur auf ihn als Mensch fokussieren viel bedeutet hat dass er so ein ganz anderes Leben führen konnte als er es vorher geführt hat.

00:15:54: also ich habe ja auch in seiner Biografie gelesen und wir brauchen uns nichts vormachen Auch vor neunzehntundertreihen dreißig gab es in Deutschland gab es den aus Friesland Antisemitismus Und der erzählt ja auch ein bisschen darüber wie sein Vater einfach nur der Jude bekannt war, der Jude Weinberg und nicht als Herr Weinberg oder Ähnliches.

00:16:15: Und dass er jetzt vielleicht sieht es gibt dieses andere Deutschland und die Menschen hören ihm zu sind dem zugewandt und zwar als Mensch, nicht als Symbol für etwas anderes sondern einfach als Mensch als Albrecht Weinberg, der den Menschen zuhört, sich an sie erinnert, auf sie eingeht.

00:16:38: Und in der Biografie gibt es ja auch diese eine sehr für ihn persönlich mitreißende Episode, als die Stolpersteine in Raudafäen beschmiert werden.

00:16:52: Mit brauner Farbe wo er auch glaube ich schon gemerkt hat dass das jetzt ein anderes Klima gibt in seiner Heimatregion.

00:17:02: Gerd kannst du dich da daran erinnern an diesen Übergriff, an diese Straftat und wie die Reaktion in der Stadtgesellschaft war.

00:17:13: Erinnern schon, du hast das irgendwann mal mitbekommen.

00:17:15: Dass sie dann halt beschmiert waren.

00:17:17: und das erste was du auch machst ... Das war ja nicht das Einzige, was gewesen ist.

00:17:22: Sondern wir hatten in der Vergangenheit auch mal einen Gedenkstein, der auch mal bestätigt worden ist.

00:17:28: Das erste, was man gemacht hat, hat Albert darüber informiert, dass er das quasi nicht von Dritten hören muss, sondern dass es unmittelbar dann auch hörte Beratschakt.

00:17:38: Wie geht man da gemeinsam hier mit um?

00:17:42: Da gab es auch gleich kleine Solidaritätsbegründung, aber wir haben gesagt, wir wollen das nicht verschweigen und das war ihm selber ganz wichtig.

00:17:53: Auf der einen Seite bin ich bei dir, dass er gesagt hat, es gibt sie die anderen Menschen, die einfach den Mensch sehen.

00:18:02: auf der anderen Seite war ihm immer klar ... Die anderen gibt es auch noch.

00:18:08: Und das hat sich dann auch ja deutlich gezeigt, sagen wir mal, in den Jahr zwölf.

00:18:13: Das ist glaube ich wie diese Stolpersteine beschmiert worden.

00:18:15: sind, dass so was immer wieder passiert.

00:18:18: Also wir haben auch regelmäßig von Anwohnern aus welchen Gründen auch immer wenn die Rosen niedergelegt worden sind.

00:18:26: Die ersten Jahre das dauerte keine drei Stunden dann waren die Rosen weg.

00:18:30: also da sind auch alles so Dinge wo man erst mal miteinander irgendwie sich darauf verständigt wie gehen wir denn damit um?

00:18:36: Das haben wir dann glaube ich irgendwie tatsächlich mal ignoriert.

00:18:40: Aber dieser Farbanschlag, das war schon auch heftig und das hat ihn auch persönlich angegriffen.

00:18:50: Würdest du denn sagen Gerd dass in den Bewusstsein der Stadt oder der Gemeinde sich durch die reine Anwesenheit oder Rückkehr von Albrecht etwas... zum Besseren gewendet hat, also im Umgang mit der eigenen Vergangenheit?

00:19:10: Da würde ich eindeutig ja sagen.

00:19:13: Weil das bei uns schon wirklich auf breiten Füßen gestellt worden ist ... Wir haben eine Straßenbenennung gehabt.

00:19:23: Dann ist er bei uns Erdenbürger geworden.

00:19:25: Aber ich glaube, dass das Tragenste hier die Namensgebung für das Albrecht Weinberg-Gymnasium ist.

00:19:35: Das darf ich wirklich so sagen.

00:19:38: Jeder, der dort zur Schule geht ... Alle die ihn erlebt haben sicherlich auch unmittelbar durch eigenes Erleben.

00:19:46: Aber alle anderen glaub ich auch, das war ja der Abiturjahrgang.

00:19:50: Die haben ihn jetzt noch erlebt, gerade gesenkt aber auch die Jüngeren.

00:19:54: Ich glaube schon, dass das wirklich vieles und viele tatsächlich geprägt hat.

00:20:03: Ich bin mir sehr sicher, Rauder fähnen wir heute nicht so, wenn Albury nicht zurückgekommen wäre.

00:20:11: Und wie ist es dazu gekommen?

00:20:12: Dass die Schule jetzt zu Lebzeiten ... seinen Namen auch noch getragen hat, weil man könnte ja jetzt als Zyniker sagen naja gut was die Politiker da oben beschließen welche Schule welchen Namen trägt das interessiert ja jetzt die Leute auf der Straße nicht.

00:20:29: Gut also wir haben dadurch sag ich mal dass er sehr sehr viel vor Ort an der schule war.

00:20:35: Er hat dann Die frage stand im raum sag ich mir das waren gymnasium in gründung und das war das gymnasiam rauder fehlen und es stand einfach Wie soll es denn tatsächlich hier dann auch heißen?

00:20:49: Und aus der Schülerschaft heraus kam dann der Vorschlag an den Kreistag des Langkreises leer, dass man die Schule entsprechend benennen soll.

00:20:59: Der seinerzeit Schüler-Sprecher war Christoph Bollen ist das ... Das ist auch einer von denen, wo ich deutlich sagen würde, der wird sein Leben lang wissen wer Albrecht Weinberg ist und was er für ihn gewesen ist.

00:21:13: Der hat das entsprechend eingebracht.

00:21:16: Und der Kreisag ist dann mitgegangen, ne?

00:21:18: Ich glaube, wenn ich da mal kurz anschließen darf ... Das Entscheidende ist tatsächlich, dass Albrecht dieses Thema der Erinnerungskultur überhaupt nicht vor sich hergetragen hat.

00:21:29: Ganz im Gegenteil, genau wie Klaus Peter vorhin gesagt oder gerade auch geschildert hat, er war als Mensch dadurch, dass er nun ja auch schon im hohen Alter war ohnehin schon bemerkenswert und besonders erstach immer raus aus seiner Umgebung weil die meisten auch direkt wussten, wer er ist.

00:21:45: Aber auch wenn sie es nicht wussten einfach durch seine Art wie er mit den Menschen kommuniziert hat ist das Thema nicht beiläufig aber als ein ganz natürliches Diskussionsthema oder Gesprächsthema rübergekommen.

00:21:58: also gar nicht jetzt groß mit Habitos oder mit Distanz sondern wirklich sehr nahbar sehr direkt und das ist eben das was Gerd gerade gesagt hat.

00:22:07: dadurch ist ja die persönliche Betroffenheit sofort da.

00:22:11: Also dieses erste Gespräch, was ich mit ihm im Ratsaal in Leer hatte ... Das hat er mit dem Thema gar nichts zu tun.

00:22:19: Wir haben uns über ganz andere Dinge unterhalten und alle anderen Themen die jetzt mit dem zu tun haben, was wir gerade besprechen das kam dann erst so ein bisschen später.

00:22:27: aber es war auch nicht irgendwie so dass man da jetzt irgendwie Sorge vorhaben musste oder dass man jetzt mit einem schweren Gemüht daraus ging sondern er hat das immer hinbekommen auf Augenhöhe, egal ob nun mit Schülern oder nur mit uns.

00:22:40: Oder immer auf Augenhör zu kommunizieren auch nie schuldbewusst oder vorwursvoll ganz im Gegenteil.

00:22:46: und ich glaube das ist das was wirklich bei allen hängen bleibt und was wir alle die wir ihnen ja auch kennengelernt haben.

00:22:54: oder wie geht gerade Sache.

00:22:56: die Schülerinnen und Schüler die ihn kennen gelernt haben, die das erinnern und mitnehmen dass es wirklich auf einer ganz normalen Kommunikationsebene stattgefunden hat ohne Ja, Großvorbereitung oder dass man da irgendwie das mit Samtanschuhen anpacken müsste.

00:23:10: Das Thema ganz im Gegenteil!

00:23:11: Aber Heiko, hat das denn bei euch in Wiener ... Du hast ja gesagt du kanntest ihn vielleicht am wenigsten intensiv einfach durch die Frequenz.

00:23:19: Hat es bei euch auch Spuren hinterlassen?

00:23:22: Strukturen geschaffen, die jetzt überall richtig hinausgehen über seinen Wirken als Mensch vor Ort?

00:23:27: Ja auf jeden Fall!

00:23:29: Es ist ein bisschen so wie Klaus Peter gerade schon gesagt hat oder auch bei Gerd Klang das an.

00:23:33: wir haben in den achtziger Jahren hat sich hier eine ganz intensive bürgerschaftliche Auseinandersetzung entwickelt zum fünftigsten Jahrestag der Pogromnacht.

00:23:45: Und in dem Zusammenhang hat man hier ganz viel Engagement entwickelt, was das Thema Erinnerungskultur angeht und diesen Zusammenhang sind dann auch eben Bande geknüpft worden.

00:23:56: zur Familie Weinberg.

00:23:58: also Albrecht war auch in den neunziger Jahren ein paar mal hier in Wiener weil er hier halt auch Onkel und Tanten hatte Die muss du mir gleich helfen, wann die genau zurückgekommen sind nach Lea.

00:24:13: Im Nachkrank, also im Jahr zwei Tausend Fünfzehn, sechzehn ging hier auch die Diskussion los bei uns in Wien, dass wir Stolpersteine verlegen.

00:24:20: das ist damals auch gemacht worden und da war er bei fast jeder Stolparstein Verlegung als Gast mit dabei.

00:24:28: Allein nur durch diese Gespräche, und auch wenn wir die Gedenkveranstaltung zum neunten November hatten.

00:24:34: Da war oft dabei ohne eine große tragende Rolle zu spielen.

00:24:37: Er war einfach anwesend mitgewirkt, er hat dann hin und wieder mal das Totengebet, das Kattisch gesprochen auf Yiddish.

00:24:45: Das war so beeindruckend, dass ganz viele Leute ihn erlebt haben und das mitgenommen haben.

00:24:52: Damit hatte er das gute Engagement, das es hier schon gab ... noch mal so ein bisschen verstärkt und ihm auch nochmal so einen Einblick in die Vergangenheit gewährt, den man sonst ja gar nicht mehr hinbekommt.

00:25:04: Weil er ja wirklich der letzte Zeitzeuge war, der diese Dinge aus eigenem Leben ... Und das ist auch gerade angeklungen.

00:25:09: Er hatte ein sehr gutes Gedächtnis, er konnte sehr lebhaft schildern also sehr intensiv und sehr mitreißend die Leute dann auch über das informieren was tatsächlich passiert ist und weswegen man Stolpersteine verlegt oder weswegen eine Gedenkveranstaltung macht?

00:25:25: Und inwiefern sind dann da Kontakte entstanden oder Beziehungen geknüpft worden, dass ihr jetzt zum Beispiel eine jüdische Begegnungsstätte in Wiener eingerichtet habt?

00:25:34: Also die Idee gab es schon länger.

00:25:36: Die Rekorierte raus, die entwickelte sich aus diesem bürgerschaftlichen Engagement aus den Achtzigerjahren.

00:25:42: Das hat erst mal nicht direkt was mit Albrecht zu tun.

00:25:45: aber Albrech hat diese Wunsch oder diese Entwicklung halt bestärkt und gesagt das ist ne super Sache wenn ihr das macht.

00:25:52: das wäre toll dass er sowohl den Grundstein für diese Begegnungsstätte mitlegen konnte, also im wahrsten Sinne des Wortes.

00:26:08: Er hat die Zeithülse mit eingemauert und dann tatsächlich auch der erste Besucher in dieser Begegenungsstelle war.

00:26:14: Und das war das Spannende schon bei der Grundsteinlegung.

00:26:17: aber später als wir da durchgegangen sind uns die Ausstellung angeguckt haben, er konnte aus eigener Leben noch nicht so lange sein.

00:26:23: beschreiben, wie das vor achtzig Jahren war als er selbst auf diesem Grundstück in die damals noch bestehende Synagoge.

00:26:30: Das ist ja auch dem gleichen Grundstuck durch diese bestehenden Synagoe gegangen ist, wie er dort Familienfeste gefeiert hat und wie er jetzt dann über achtzig Jahre später sich in der Begegnungsstätte ein historisches Foto von dieser Synagoke anguckt oder halt andere Exponate die wieder ausstellen.

00:26:48: sehr bewegend, also das war so ein bisschen mein Gallimarks Moment den Klaus-Peter gerade geschildert hat.

00:26:53: Also wirklich mit ihm da diese Zeitkapsel einmauern zu dürfen und dann letztes Jahr tatsächlich mit ihm als ersten Gast gemeinsam durch diese Begegnungsstätte zu laufen und er konnte ja aus eigenem Erleben schildern wie das war in den dreißiger Jahren In dieser Straße an diesem Platz wo wir grade dann drüber liefen.

00:27:13: Das war schon sehr bewegend.

00:27:14: Also das ist etwas was ich auch sicherlich mein Leben daran nicht vergessen werde.

00:27:19: Nun war er natürlich aufgrund seiner Wohnsituation, vor allem in Lea dann präsent.

00:27:25: Wenn er nicht gerade auf Reisen war, zahlreiche Schulbesuche, Gedenkstättenbesuche ... Klaus-Peter, würdest du so die Beschreibung von Heiko teilen?

00:27:36: Dass er im Endeffekt diesen ... diese Bestrebungen, die es vorher schon gab einfach noch mal verstärkt hat und die Menschen in Lea bestärkt haben aktiver die eigene Geschichte, die eigene Erinnerungskultur zu gestalten?

00:27:52: Ja das kann ich tun.

00:27:54: Im Wesentlichen war er ein Botschafter und zwar ein Botschachter dass man sich gegen Antisemitismus, Rassismus und gegen jegliche Art von fremden Feindlichkeit erhebt.

00:28:06: Das war immer ganz wichtig aber das hatte dadurch eine sehr sympathische Art und Weise gemacht.

00:28:12: Also ich kenne zum Beispiel keinen, der seinen Bundeswehrdienstkreuz zurückgibt oder gegeben hat.

00:28:18: aber Albrecht hat es getan.

00:28:20: Das finde ich bis heute einfach unglaublich wie mutig er war.

00:28:25: Und auch als der Bundespräsident dann hin leer war und in einem privaten Gespräch versucht hat, Albrechts zu bitten das nicht zu tun, das hat nichts genutzt.

00:28:36: also er hat ganz klar gesagt Das will ich nicht, wenn der Bundestag so abstimmt mit den Mehrheitsverhältnissen.

00:28:41: Da gebe ich meinen Bundesverdienstkreuz

00:28:43: zurück.".

00:28:43: Aber vielleicht noch ein bisschen wie Albrecht hier gewirkt hat und was er auch in Leer geprägt hat?

00:28:51: Es war so dass es ihm wichtig war das wir auch in Lehrsteupersteine verlegen und die Stadt Leer hat viele Jahrzehnte sich dazu entschieden das nicht zu tun.

00:29:01: Es gibt ja unterschiedliche Positionen, macht man das?

00:29:04: Macht man es nicht.

00:29:05: Und hier war eigentlich immer die politische Meinung, dass man das nicht tun sollte.

00:29:11: und in den Jahr-Zwischen hat dann der Rat gesagt doch wir tun das!

00:29:17: Aber ich war da nicht unschuldig dran, er hatte einfach wieder immer wieder für propagiert.

00:29:23: haben wir die ersten Stolpersteine verlegt.

00:29:25: Da hat sich eine Gruppe auch in Leer gefunden, die das Ganze aufgearbeitet hat was es eigentlich in welchen Häusern, in welcher Straßen passiert und hat dann die jeweiligen Historien dazu auch aufgezeichnet mit vielen Schülern zusammen.

00:29:37: Das war eine tolle Arbeit!

00:29:39: Und dann habe ich Albrecht gesagt Mensch, wenn das jetzt passiert an dem Tag ist ja auch der Künstler da Herr Dämlich, der diese Stolperscheine mal erfunden hat und der sie auch produziert.

00:29:51: Ich möchte euch bitten, dass ihr beide euch an dem Tag, wenn wir die ersten Steine verlegen, das ihr euch ins goldene Buch der Stadt Leer eintragt.

00:29:59: Und dann habe ich gesagt Das kann nicht!

00:30:01: Ich kann nicht zurück in diesen Ratsaal wo mal die Entscheidung getroffen wurde, dass wir deportiert werden.

00:30:07: Das schaffe ich einfach nicht.

00:30:08: und ein paar Tage später rief er an und sagte Ich hab's mir überlegt?

00:30:13: Ich tust doch!

00:30:15: Das war ganz oft so, dass er erst so etwas etwas scheu hatte, so will ich mal ausdrücken.

00:30:21: Etwas konsequenz zu tun.

00:30:23: aber dann war er auch ganz klar darin das zu tun und dann hat er wirklich sich ins goldene buch eingetragen.

00:30:29: das war dann zweiundzwanzig und dann kam sein ja dass wir im rat beschlossen haben dass wie ihm die ernenbürgerschaft ja zuteil haben lassen wollten.

00:30:47: Auch das hatte er Jahre abgelehnt unter meinen Vorgängern.

00:30:50: Immer wieder gesagt, das tue ich nicht, das möchte ich nicht.

00:30:53: und auch da hat er gesagt Mensch jetzt passiert etwas in Leer hier entwickelt sich etwas was seinem Ansinnen auch ja passt oder zu seinem Ansinn passte dass man sich einfach gegen Dinge auch werte.

00:31:06: also ihr geht es nicht nur um Ich bin betroffen und ich möchte mich irgendwie ja irgendwie Betroffen zeigen sondern es gibt es darum dass ich auch für etwas einstehe.

00:31:17: Das merkte, dass das hier in dieser Stadt sich irgendwie wandelte.

00:31:21: Und dann hat er gesagt okay jetzt nehme ich die Ehrenbürgerschaft auch an.

00:31:24: Hat er auch getan!

00:31:25: Wieder im Rathaus haben wir wieder ihn eingeladen in den Rathauszahlen und dann kam von ihm heraus bzw über seine Begleiterin Gerda Dendeckas Mensch Albrecht wird doch hundert.

00:31:37: Wo feiert denn ein hundertjähriger Ehrenböger seinen Geburtstag?

00:31:42: Dann fiel uns ein natürliche Radzahl wurde sonst Und haben dann einen roten Teppich durchs Rathaus gelegt.

00:31:50: Der führte auf ein Sofa zu, was wir in den Rathsaal gestellt hatten.

00:31:54: Da saß Albrecht und alle seine Gäste, die er eingeladen hat zu seinem Geburtstag sind über diesen roten Tappich auf ihn zu und haben ihm zum hundertjährigen Geburtstag gratuliert.

00:32:04: Das war wirklich die absolute Versöhnung mit dieser Stadt leer.

00:32:08: Dass er seinen Geburtstage, diesen besonderen Geburtdag im Rathaussaal feiert.

00:32:14: Noch mal ich wiederhole... In diesem Rathaussaal wurde viel Lehrer zuvor beschlossen, dass man ihnen Lern nicht mehr haben wollte.

00:32:22: Und dann war dieser Bann gebrochen und daraus ... ist dann ja unglaublich viel entstanden, das Buch wurde geschrieben.

00:32:29: Es wurde ein Film über ihn produziert, das wissen wir.

00:32:33: und seinen hundert ersten Gewürze haben wir denn gefeiert in dem wir den Filmen leer gezeigt haben.

00:32:38: Wir haben gar nicht so viele Karten verkaufen oder verteilen können wie das Interesse groß war an seiner Geschichte.

00:32:44: oder ich kann mich noch erinnern dass es eine Buchvorstellung gab bei uns hier in Leer.

00:32:48: da haben die Leute draußen Schlange gestanden und es konnten gar nicht alle in den Saal Weil alle ihn hören und sehen wollten, von dem Buch erfahren wollten.

00:32:56: Da hat er es geschafft wirklich das Denken in dieser Stadt zu wandeln.

00:33:02: Und das prägt uns bis heute!

00:33:05: Ich würde da gern einen kleinen Prug noch im Anschließen der gar nicht nur für Leer gilt, sondern ich glaube ... Allgemein insgesamt.

00:33:12: Das ist ja bei Zeitzeugen, dadurch dass die Zeitzeug sind ohnehin so.

00:33:16: aber nun für Albrecht gilt es ganz besonders und insbesondere für unsere drei Kommunen.

00:33:19: er ist ja nicht nur ein Botschafter gegen Antisemitismus oder gegen Fremdfeindlichkeit und für die Menschlichkeit sondern vor allen Dingen ist er ja auch ein Botscharfter ist eigentlich mal aus der Zeit weil er das selber du hast es gerade geschildert los Peter.

00:33:32: Er war selbst zu dem Zeitpunkt wo das im Rat der Stadt leer beschlossen wurde die Juden aus der Stadt zu treiben oder die Synagoge anzuzünden war er am Leben.

00:33:41: Das hat er selber miterlebt und er hat uns die Möglichkeit gegeben, nicht durch irgendwelche Lektüre in irgendwelchen Büchern oder Jonas wie du das immer machst, wenn du Sachen rekonstruierst.

00:33:53: wo haben wir noch die Möglichkeit aus eigenem Erleben mit jemanden der uns gegenüber sitzt, der mit eigenen Worten und Emotionen so etwas schildern kann?

00:34:00: So etwas zu tun ist das große Geschenk dass Albrecht uns allen als dass er das eben getan hat, weil er hätte es ja nicht gemusst.

00:34:13: Er hätte auch sagen können wissen was ihr könnt mich alle mal gern haben ich möchte mich damit nicht mehr auseinandersetzen das ist alles schmerzhaft genug gewesen.

00:34:20: ganz im gegenteil er hat immer wieder die kraft aufgebracht bis zuletzt genau das zu machen in einer unheimlich sympathischen art und weise und damit uns Die wir jetzt hier sitzen nur diesen podcast aufnehmen.

00:34:32: Achtzig neunzig Jahre mitzunehmen zurück in die zeit in der er das erlebt hat, was wir nie wieder erleben wollen und wo wir uns... wie wir jetzt auch hier feststellen.

00:34:42: Wo wir uns gegen stellen.

00:34:43: Das ist so selten.

00:34:45: Und wir haben im Jahr zwanzigzehnzehnt in dieser Zeit kaum noch irgendwie möglich, dass das glaube ich für uns alle echt ein großes Geschenk ist, dass wir überhaupt die Möglichkeit hatten, das von Albrecht wahrzunehmen und entgegenzunehen.

00:34:59: Und das ist glaube ich auch das, was unsere Kommunen danach haltig geprägt hat.

00:35:03: Ich sage immer, dass es das größte Geschenk in meiner bisherigen Amtszeit gewesen ist.

00:35:07: Dass Albrecht so aktiv war auch im hohen Alter noch so aktiver.

00:35:11: Die Stadt Leer ist immer geprägt gewesen von Redereien und redereien die weltweit aktiv sind und waren Und in Leben hundertzwanzig Nationen.

00:35:23: und dann behaupte ich immer und das ist auch so friedvoll unter einem Dach Das ist mir als Bürgermeister natürlich extrem wichtig, dass das auch so bleibt Auch in diesen schwierigen Zeiten.

00:35:34: Und Albrecht hat da einfach geholfen, dass viele Menschen ins Nachdenken gekommen sind und auch das möchten, dass wir friedvoll weiter zusammenarbeiten und

00:35:43: zusammenleben.".

00:35:44: Ich denke du hast das vorhin geschildert, Klaus-Peter.

00:35:49: Dass er vielleicht eine Faser hatte, wo er sagt, ich bin noch nicht so weit von der Stadt Lea hier letztlich mal anzunehmen.

00:36:02: auch ganz authentisch gewesen.

00:36:04: Er wollte, dass man das auch ehrlich meinte und nicht nur als Institution sondern auch als der Mensch, der es ausführt.

00:36:12: Ich glaube, das darf ich für uns alle drei sagen.

00:36:15: Das war auch so.

00:36:16: Ich bin mir sehr sicher wenn ich nur einen politischen Beschluss hätte ausführen sollen dann hätte er mehr zu verstehen gegeben.

00:36:25: kannst du gerne machen so nach dem Motto aber ich bin nicht dabei.

00:36:29: Und ich glaube, das ist etwas was er den Menschen letztlich auch hier zu verstehen gegeben hat.

00:36:37: Also ich finde auch immer nach wie vor ganz toll seinen Satz sehen ja da sage ich mal Ja es ist ja schon fast... Was ist das?

00:36:44: Nach dem Motto Das ist Religion aber das ist auch hier sagen wir Werteding.

00:36:47: Er hat immer mal wieder gesagt wenn der Mensch ein Mensch ist, dass ist meine Religion.

00:36:52: und das sag' ich mal vor dem Hintergrund Den er mit seiner Familie seine Leidensgeschichte gemacht hat.

00:36:59: Im Endeffekt ist das auch so, bei allen was rund um uns herum passiert.

00:37:04: Du hast gar keine andere Chance als den Menschen eine Chance zu geben und das hat er bei seiner Geschichte getan, dass er unsere Haut auf Hähnern gegenübergetan, der Lerana über alle anderen.

00:37:16: Aber das musst du auch können!

00:37:18: Mir war das manchmal sogar fast ... Ja also ich will sagen, manchmal konnte ich das auch gar nicht verstehen.

00:37:24: Also ich hab gedacht Hat denn so ein Mensch, der so etwas erlebt hat, nicht irgendwo auch noch ganz versteckt?

00:37:33: Noch einen Groll in sich.

00:37:34: Der auch immer mal rauskommen muss!

00:37:36: Und das haben wir hier nur einmal erlebt, aber das hat ihn für mich nicht minder sympathisch gemacht.

00:37:43: Er hatte ja mal einen Streitgespräch an der Schule gehabt mit einem Passort, der mehr oder weniger gesagt hat ... Wir waren noch jung und wussten wenig, konnten auch nicht anders.

00:37:53: Da ist er richtig aus der Haut gefahren.

00:37:57: Das fand ich überaus sympathisch.

00:38:00: Aber dass er in der Quintessenz dann für sich selber sagt Auch wenn diese Emotionen wieder hochkommen, dass wir gar keine andere Chance haben als letztlich den Menschen egal wie sie uns begegnen eine Chance zu geben und das zum obersten Leiser zu machen.

00:38:16: Wenn der Mensch ein Mensch ist – das ist meine Religion, das ist tief behindertpunkt!

00:38:22: Ich würde gleich gerne mit euch noch intensiver über die Frage der Verantwortung für die Zukunft sprechen, die ihr auch als Kommunalpolitiker habt und auch vielleicht da vorher noch mal auf die Frage eingehen.

00:38:36: Wieso das vielleicht auch kein Zufall ist dass Albrecht erst im hohen Alter so wirken konnte?

00:38:42: Also auf der Seite sozusagen des seiner alten Heimat.

00:38:46: ja weil ich mich auch gefragt habe was wäre eigentlich passiert wenn Albrechts in den sechzigern zurückgekommen wär.

00:38:55: Aber vorher möchte ich noch mal eure persönliche Einschätzung hören, wie Albrecht Weimelck das geschafft hat.

00:39:02: Also rein von der Kraft... Der Mann war weit über neunzig als er anfing hier zu wirken in der Öffentlichkeit und hat das bis zum Schluss ja im Endeffekt durchgezogen bis das aus dem Leben gerissen wurde, ich kann es mir nicht vorstellen.

00:39:26: Das ist einem Menschen der ein normales Arbeitsleben hat schon Unvorstellbar.

00:39:31: und dieser Mann hat ein unfassbares Leid erfahren als ganz junger Mensch und danach ja nun auch in New York kein sehr einfaches Leben gehabt als Fleischer mit vielen, vielen Stunden Sorge um seine Schwester.

00:39:46: die Traumatisierung also.

00:39:52: Das berührt mich richtig.

00:39:53: Ich weiß nicht, wie er diese Kraft aufgewunden hat.

00:39:56: Was meinst du?

00:39:56: Ich glaube, dass viel damit zu tun hat ... Er ist ja hier gewesen und auch in Schulen unterwegs gewesen.

00:40:04: Wenn man ihn erlebt hat – ich habe zwei Kinder an der Schule, die ihn jeweils persönlich erlebt haben -, und heimlich viel zurückbekommen.

00:40:15: Und vielleicht wächst dann auch bei ihm was, so nach dem Motto ich erreiche nicht nur sage ich mal die junge Generation er erreicht die Lehrerschaft die viel mit ihm zu tun haben und dass er sich da denn vielleicht letztlich auch gesagt hat ja also meine Botschaft ist nicht nur etwas was sag ich mal wirklich mit Ernsthaftigkeit, aber auch mit einer gewissen Begeisterung für die Sache von den wirklich jungen Menschen angenommen wird.

00:40:43: Sondern auch von allen anderen, die das schon für sich gesetzt haben.

00:40:49: Aber wo es dann noch verstärkt wird?

00:40:52: Da wird das auch etwas werden.

00:40:53: Also letztlich ist das vielleicht wie bei allen anderen auch sagen ... Er hatte in seiner Art der Vermittlung und was er rüberbringen wollte, er hatte Erfolg.

00:41:03: Und wenn du Erfolg hast, wird das ja in vielen Fällen auch dazu führen, dass du sagst ich probiere den nächsten Schritt dann tatsächlich auch nochmal aus.

00:41:11: Und wie wichtig ihm sage ich mal diese Verbindungsbotschaft war ist ein Beispiel.

00:41:15: bei uns zu Coronazeiten dürfen sich ja nur drei Haushalte treffen.

00:41:19: Das war seinerzeit Bernd Volker Brahms mit seiner Tochter.

00:41:23: der war sage ich mir der initiator der Stolpersteine.

00:41:25: der hat ihn auch besucht.

00:41:26: er hat letztlich sage ich Mal auch die Verbindung in Rautelfen und in Stolpersstein mit Albrecht auf den Weg gebracht.

00:41:31: Das war ich mit meiner Tochter, das waren Albrecht und

00:41:34: Gerda.".

00:41:34: Er sagte selbst zu diesen Zeiten, wo andere in seinem Hoch gesegneten Alter Angst hatten, dass sie vom Virus dann erwischt werden und nur noch wenige Monate haben ... Das ist mir egal!

00:41:47: Ich möchte hier am Tag, am neunten November vor Ort sein.

00:41:53: Das gehört für mich dazu.

00:41:54: Aber ich glaube, es ist tatsächlich vielleicht auch etwas ... was gewachsen ist, überall den Zuspruch, den er insbesondere von jungen Menschen hatte.

00:42:05: Dann war es eine fantastische Fügung, Gerd, dass es Gerda Denikas gibt und gab.

00:42:12: Sie hat ja Albrecht und seine Schwester im Altenheim betreut und gepflegt.

00:42:17: Und nach dem Tod von Albrechtsschwester dann auch zu sich in die Wohnung genommen.

00:42:23: Da eine Wohngemeinschaft draus gemacht aus den beiden ... Übrigens, weil er das Essen im Altenheim nicht so sehr liebte haben die beiden sich zusammengetan.

00:42:34: Das war einfach eine fantastische Fügung!

00:42:36: Ich habe oft gesagt Gerda ist zu seiner Managerin geworden.

00:42:39: einerseits hat sie ihn betreut und mit ihm zusammen gelebt aber auch all die Termine, die ihr dann plötzlich hatte, die mussten ja koordiniert werden Die mussten abgestimmt werden und es hat alles Gerde übernommen.

00:42:50: Und wenn ich jetzt so die ganzen Dinge in Leer hintereinander lege kommt es mir manchmal so vor, als wenn er so von Großveranstaltung zu Großveranstalten gelebt hat oder sich immer wieder darauf vorbereitet und gefreut hat.

00:43:07: Wir haben ja oft gesagt Mensch jetzt wird da hundert und eins.

00:43:10: wie schafft dieser Mann diese ganzen Dinge?

00:43:13: Und zum Hundertsten war es eben dieser besondere Geburtstag den er im Rathaus gefeiert hat Und danach wurde dann der Film über ihn ... Es gab viele Filmsequenzen, die zusammengeschnitten wurden zu einem Film.

00:43:25: Der auch in den Kinos und Schulen gezeigt wird.

00:43:29: Das war ihm dann auch noch mal wichtig, dass er die Premiere dieses Films in Leer erlebt mit vielen Gästen.

00:43:36: Irgendwie hab ich so den Eindruck darauf, hat er noch gewartet.

00:43:39: Da gibt es eine ganz besondere Sache.

00:43:41: Er hat sich immer gewünscht dass das ehemalige Synagogengrundstück hier in Lea, also wo die Synagoge zerstört und abgebrannt wurde.

00:43:49: Da steht heute eine Tankstelle beziehungsweise ein Autowerkstatt, der schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr genutzt wird.

00:43:56: Und es war sein sehnlichster Wunsch, dass dieser Ort wieder irgendwie, wie war ihm egal?

00:44:02: Aber dass er irgendwie ehrwürdiger wieder inszeniert wird.

00:44:07: Und das ist ein Prozess gewesen, den es mit dem heutigen Eigentümer hier gab und Albrecht hat immer wiederholt.

00:44:20: Ich hätte das gerne, dass sich dort was tut.

00:44:23: Kurz vor seinem hundertersten Geburtstag hat der heutige Eigentömer auch gesagt alles klar ich nehme mich da Sache an.

00:44:29: Ich werde dort etwas machen und ich werde auch das ehemalige wirkliche Synagogengrundstück der Stadt Lehr verkaufen so dass man das Grundstück dann auch entsprechend würdig gestalten kann.

00:44:42: Und das war für ihn das Letzte, was er noch erreichen wollte.

00:44:49: Nach dem Film und nachdem klar war, dass es mit dem Synagogen ein Stück weitergeht, da konnte er loslassen.

00:44:56: Das waren die letzten zwei, drei Wochen, wo er gesagt hat, jetzt war's das ... Jetzt darf ich auch sterben!

00:45:05: Ich finde ja immer so Analysen ... Wir sind schwierig, weil wir ... Das ist Hobbypsychologie.

00:45:13: Nein, ich glaub dir das, weil du da einfach auch näher dran bist und diese Gespräche oder diese Emotionen und dass die Dinge ja noch etwas näher mitbekommst.

00:45:26: Ich glaube am Ende sind es viele unterschiedliche Faktoren, die zusammenkommen.

00:45:30: Also die Tatsache, dass er in vielen Bereichen, ob das nun in Raudafilm, Lea oder bei uns in Wiener gewesen ist auf Menschen gestoßen die das auch als Anliegen für sich schon vorher entdeckt haben.

00:45:44: Und mit denen er über diese Dinge dann auch sprechen konnte und die das in diesen Orten auch für sich vorangebracht haben, dann in der Kombination was Gett gerade sagte dass auch viele junge Leute im Schüleralter sich dafür schon interessieren.

00:45:56: Das ist ja immer noch mal eine zusätzliche Motivation.

00:46:01: Dass man weiß es geht auch weiter!

00:46:02: Die Leute, die das jetzt entgegenehm dienen, mit denen ich jetzt spreche Zweifeln noch sehr lange.

00:46:08: Und die nehmen das sehr lange für sich mit und die geben es vielleicht auch weiter.

00:46:11: Und dann eben Gerda Dänekas, ich glaube, das kann man gar nicht überschätzen ... Die Wirkung, die Gerda in dieser Konstellation mit Albrecht gemeinsam entfaltet hat, eben auch genau immer zu gucken wie viel geht noch im Alter von hundert Jahren muss man ja auch ein bisschen auf sich achten.

00:46:27: da hat sie immer sehr gut hingeschaut dass das auch funktioniert, dass er sich auch nicht übernimmt sondern dass er mit seinen Kräften auch haushaltet, das konnte man immer gut gut merken.

00:46:36: und ich glaube diese Kombination ist es am Ende, die ihn so viel hat machen lassen.

00:46:41: Dass diese Dinge glücklich in sich zusammengefügt sind und was ich am Ende da als Quintessenz immer am schönsten finde, wir machen ja immer wieder den Sprung zurück zu dem, was ihm als Jugendlicher oder Kind widerfahren ist.

00:47:00: Jonas, deine Ausgangsfrage.

00:47:01: Wenn er in den Sechzigerjahren zurückgekommen wäre, hätte er dann auf diesen Resonanzraum gefallen und solche Leute gefunden, die ihm diese Basis auch irgendwie ermöglicht hätten?

00:47:13: Wahrscheinlich eher nicht, sondern das hat viele Jahrzehnte auch in Erinnerungskultur gerade auch hier in Ostfriesland aber in ganz Westdeutschland mit sich gebracht, dass diese Dinge erst nach einer bestimmten Zeit möglich wurden weil ausreichend viele Leute sich damit beschäftigt haben eben das vorangebracht haben.

00:47:32: Das Schönste, finde ich am Ende ist und da sieht man in diesem Zusammenspiel auch die Menschlichkeit gewinnt am Ende immer.

00:47:39: Also selbst wenn man das größte sterben und die ungrößten unmenschlichsten Taten an dieser Zeit hat sehen müssen und Albrecht hat sie erleben müssen um eigenen Leib zu einem späteren Zeitpunkt zu erleben dass Menschen sich diese Dinge annehmen, ob wir das nun sind als Bürgermeister oder die Ehrenamtlichen, die engagierten in unseren Gemeinden.

00:47:58: Ob Albrecht das ist als jemand der das erzählen kann aus eigener Anschauung?

00:48:02: Ob du das bist, der einen Podcast macht über diese Zeit um zu erklären wie es dazu kommen konnte am Ende ein Zeitpunkt zu finden wo Leute sich zusammentun um sich darüber zu unterhalten und sich auch zu tauschen da so etwas eben nicht wieder passieren darf Weil wir wissen, es kann wieder passieren.

00:48:24: Diese Kombination mit erleben zu dürfen, das finde ich auch etwas, was Albrecht sehr gut mitbekommen hat und wo er gemerkt hat, hier muss ich weitermachen nach dem, was ich kann.

00:48:36: Nach der Kraft, die ich einsetzen kann, muss ich das unterstützen und befördern weil's in die richtige Richtung geht.

00:48:44: Ich will noch einmal ... auf Gerda zurückkommen, kurz sagen.

00:48:48: Gerda war sein Engel so sagenhaft und ... Das ist natürlich schon ein Mensch gewesen der einen dann auch die schwierige oder ihn die schwierigen Zeiten getragen hat.

00:48:58: weil wie ihr beide gesagt habt das muss alles organisiert werden, das muss eingeschätzt werden.

00:49:05: aber wenn man manchmal von Gerda hörte dass sie ihm vielleicht sagt, Albrecht mach mal Malblang, dass er denn derjenige war der gesagt hat ne es ist aber wichtig.

00:49:15: Also das war schon, sag ich mal toll wie die Zeiten dann auch für ihn sich so entwickelt haben.

00:49:23: Aber ich will trotzdem noch sagen, Jonas du sprachst von den Sechzigerjahren.

00:49:28: Wir sind ja nun diejenigen gewesen, die diese Ehrenbürger Diskussion am Anfang hatten und Man braucht gar nicht so weit zurückgehen, auch sag ich mal wie wir das diskutieren.

00:49:41: Also es fängt ja immer mit Menschen an.

00:49:43: also Herbert Bräuch war jemand bei uns hier aus dem Gemeinderat ganz engagierter Kommunalpolitiker über Jahrzehnte der auch hier wie wir den Gedenkstein hatten die erste Einladung bei uns dann mit initiiert hat und er auch dann gesagt hat Mensch da müssen wir was machen.

00:50:01: Aber was du dann ja hast, und so ist Politikern nun mal auch ... jemand, der so ein Leben geführt hat.

00:50:09: Und da willst du ja keinen Mehrheitsbeschluss.

00:50:14: Sondern du möchtest einen Einstimmigen Beschluss?

00:50:17: Genau!

00:50:17: Das sage ich so wie das ist.

00:50:19: Wir haben den two-tausendsechzehn gefasst.

00:50:20: Ja.

00:50:21: Das war nicht so, dass das einfach war.

00:50:26: Es gab immer welche, ihr habt recht aber muss ... Ist das aber ein Ehrenbürger werden?

00:50:34: Das ist schon so, dass wir reden da über einen Zeitraum der noch keine zehn Jahre her ist oder vor zehn Jahren.

00:50:42: In dieser Zeit ist ja eine Diskussion geführt worden.

00:50:46: Heute wird jeder, der im Rat gewesen ist, sagen selbstverständlich war von Anfang an dabei.

00:50:52: So war das nicht.

00:50:54: Sondern da sind viele Gespräche geführt und ... Wir haben auch den Beschluss dann auch so einstimmig gefasst.

00:51:04: Aber auch da war eine gewisse Überzeugungsarbeit, die er aufgrund seiner eigenen Persönlichkeit mit reingebracht hat.

00:51:12: Weil er halt nicht derjenige war, der irgendwie Vorwürfe mit reengebracht hat, sondern der aufgrund deiner Art wie er es einem schließlich leicht gemacht hat.

00:51:28: Trotzdem ist das ... schon so gewesen, auch vor zehn Jahren ist das nicht so gewesen dass man sagen konnte.

00:51:37: Das ist ein Selbstgänger und das ist glaube ich das wo wir uns vielleicht manchmal auch zu sehr sag ich mal mit schwer tun.

00:51:46: Man kann gerne unterschiedlicher Meinung sein aber dass wir letztlich so wie ich es gerade geschält habe gesagt sowas müssen wir dann dann auch alles super einvernehmlich machen oder was vielleicht muss man das auch gar nicht.

00:52:00: Vielleicht darf man das auch anders aushalten.

00:52:02: Aber wenn man mit so einem Anspruch daran geht, dann ist es gar nicht ganz einfach.

00:52:08: Heute bin ich davon überzeugt ... Wir haben nach wie vor Gedanken gut, die auch solche Sachen machen würden.

00:52:16: Wie mit dem Beschmieren der Steine.

00:52:19: Nach wie vor haben wir ein oder zwei Fälle in Rauderfähen, wo irgendwelche Hakenkreuze auftauchen, wo der Startschutz wieder ermittelt.

00:52:27: Das ist nach wie Vor so ... Trotzdem glaube ich schon, dass wir eine deutlich breitere Basis haben von Menschen, die auch viel früher sagen wird bis hier und nicht weiter.

00:52:40: Und das auch dank Albrecht.

00:52:43: Diese Diskussion erleben wir in anderer Form bei uns immer mal wieder.

00:52:47: Wir haben ja nun die Begegnungsstätte für das jüdische Leben im letzten Jahr hier eröffnet bei uns.

00:52:53: Das haben wir an verschiedener Stelle immer mal das Leute sagen war das denn wirklich nötig?

00:52:57: Brauchen wir das unbedingt?

00:53:00: Also gerade in den sogenannten sozialen Medien tauchen diese Fragen immer wieder auf, insbesondere dann auch wenn man die eingesetzten Mittel, die wir dort investiert haben ins Verhältnis zu einem Schlagloch oder einem Gehweg, der mal repariert werden müsste.

00:53:15: Das ist tatsächlich so wie Gerhard sagt das also die Leute, wenn sie nicht aktiv sich dagegen behaupten aber dass sie schon in Zweifel ziehen, ist in Erinnerungskultur wirklich notwendig kann man das auf kleinerer Flamme irgendwie alles machen muss.

00:53:31: Man hat wirklich so viel Geld oder so viel Energie reinstecken, ist das wirklich so wichtig?

00:53:37: Das ist tatsächlich etwas was wir hier vor Ort auch erleben und da bin ich ganz froh dass wir – auch wenn Albrecht leider ja nicht mehr lebt aber nichtsdestotrotz ihn da als nicht moralische aber menschliche Instanz haben wo wir uns darauf berufen können und sagen so etwas würdet ihr jemandem wie Albrechtsjahr wohl nicht ins Gesicht sagen.

00:53:57: Und ich glaube, da schämen sich die Leute dann die solche Fragen stellen schon noch ausreichend.

00:54:02: Weil so allgemein und global kann man diese Frage immer stellen.

00:54:05: aber wenn man es mit jemandem zu tun hat der selber in Auschwitz war oder der selber ein Todesmarsch erlebt hat Ich glaub' dann kriegt das eine ganz andere Dimension.

00:54:17: Das machen wir uns glaube ich insgesamt zu wenig klar und das müssen wir noch stärker nach außen tragen dass das eben nichts ist was irgendwie abstrakt mal irgendwann irgendwo irgendwie passiert ist, sondern dass es ganz konkrete Menschen gab die anderen Menschen so was angetan haben.

00:54:30: Auch hier bei uns in Raudafen, in Lea oder eben in Wiener und ja Jürgen ist Albrecht leider nicht mehr da aber das hat er immer sehr gut erzählen können Aber ohne sich moralisch zu überhöhen oder so Sondern wirklich einfach nur aus dem was er erlebt hat.

00:54:46: sein Buch wiegt das auch sehr anschaulich rüber Und das ist sicherlich etwas was uns fehlen wird.

00:54:53: Wenn ich euch sozuhöre dann glaube ich, dass sie als Kommunalpolitiker da wirklich an vorderster Front der Erinnerungskultur steht.

00:55:01: Also Erinnerungskultur, davon bin ich felsenfest überzeugt findet nicht irgendwo im deutschen historischen Museum unbedingt statt oder im Haus der Geschichte bei uns jetzt in Nordrhein-Westfalen und Bonn oder in Hannover sondern vor Ort in den Kommunen Und ich finde es großartig das ihr da so engagiert seid.

00:55:23: Ihr habt schon beschrieben, welche Strukturen ihr vor Ort geschaffen habt.

00:55:28: Mich würde interessieren wie ihr gedenktes lebendig zu halten.

00:55:34: also das ist eben nicht nur eine Ferner Erinnerung oder eine Geschichte bleibt sondern dass die Menschen ins Gespräch kommen.

00:55:41: ich fand interessant was Gerd und Heiko gesagt haben Einmal, dass es eben nicht selbstverständlich war ein Mehrheitsbeschluss zu finden um selbst so jemanden wie Albrecht zum Ehrenbürger zu machen.

00:55:52: Dass man da ins Gespräch gehen musste und Überzeugungsarbeit leisten musste.

00:55:56: auf der anderen Seite das ist auch heute noch unter diesem großen Einfluss von Albrechts In Wiener und anders, wo Menschen sagen, wofür brauchen wir den ganzen Bums?

00:56:08: Ja also ist doch alles Vergangenheit Sandrüber.

00:56:11: Und es gut!

00:56:11: Also was glaubt ihr?

00:56:13: wie schaffen wir das jetzt ohne Zeitzeugen Änderungskultur lebendig zu halten?

00:56:19: Das haben wir Albrecht immer gefragt.

00:56:20: Wie schaffen wir dass wenn du mal nicht mehr da bist und hat er gesagt dann müsst ihr das erzählen.

00:56:28: Ich erzähle euch das jetzt einmal.

00:56:29: Ihr müsst es einmal verstehen Was ich meine und was ich erlebt habe auch wenn man das gar nicht verstehen kann und nicht nachvollziehen kann, was er erlebt hat.

00:56:38: Aber da war es ihm wichtig, dann müsst ihr das erzählen.

00:56:41: Und ich bin heute sehr froh, dass es diesen Film gibt und dieses Buch gibt.

00:56:45: Den Machern bin ich sehr dankbar.

00:56:47: Ich hoffe, dass die beiden Dinger immer wieder gezeigt bzw.

00:56:52: gelesen werden, sodass sich das Ganze hält.

00:56:56: In Leer werden wir das ehemalige Gelände der Synagoge herrichten Und Gerd und Heiko haben es ja gerade erzählt.

00:57:08: Auch bei uns im Rat gab's die eine oder andere Stimme, muss das sein?

00:57:12: Muss das kommunales Geld sein?

00:57:15: Dann hab ich immer sagen können macht euch da mal keine Sorgen denn viele Leraner Bürger wohlhabende Bürger auch normale Bürger oder Stiftungen haben wir in vielen Gesprächen angeboten egal was ihr davor habt Das Projekt ist finanziert Das braucht gar kein kommunales Geld sein.

00:57:34: Ich bin da sehr dankbar drüber, dass die Gesellschaft in Lea durch das Wirkenauf von Albrecht es verstanden hat, dass man da eine Erinnerungskultur aufbauen muss und wir werden jetzt einige Monate warten müssen weil mit dem Abriss der Werkstatt auf dem Gelände natürlich dann erstmal der Denkmalschutz dort recherchiert.

00:57:56: was ist noch im Boden?

00:57:58: Was ist erhaltenswert Was kann man rekonstruieren, was muss einfach nur überdeckt bleiben?

00:58:03: Also da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen.

00:58:07: Und dann haben wir vor einen Prozess zu starten den wir nicht als Verwaltung vorgeben oder irgendwie schon vorgedacht haben sondern das soll ein bürgerlicher Prozess sein wo die Leranerinnen und Lerane sagen wir hätten gerne dass und das auf der Fläche dargestellt.

00:58:24: Und dabei ist nicht wichtig, ob danach eine Stähle auf dem Grundstück steht oder ob da eine Bank oder ein Baum steht.

00:58:31: Sondern es ist wichtig, dass wir uns mit dem Thema weiter beschäftigen.

00:58:34: Das ist uns allen klar!

00:58:35: Also wie auch immer das weiß ich noch nicht genau, wie das funktioniert.

00:58:40: Da wollen wir uns auch Zeit mitlassen aber wir werden den Prozess als wichtigen Prozess ansehen viel wichtiger als was dann nachher auf dem grundstück ist.

00:58:49: so versuchen wir das.

00:58:50: dann ja das Vermechnis von Albrecht.

00:58:56: Ich glaube, es ist schon so.

00:58:57: Man braucht eine Anzahl an Menschen, die davon überzeugt sind, dass das unbedingt notwendig ist und ob die Ressourcen an Manpower oder an Gelden aus der Gesellschaft kommen oder auch aus einem städtischen Haushalt.

00:59:13: Das spielt dann eine sekundäre Rolle aber es braucht ausreichend Menschen, Das ist eine absehbare Zeit, nur dauert bis das wieder passiert.

00:59:26: In der Geschichte der Menschheit war es schon immer so.

00:59:29: Du befasst dich da so intensiv mit wie keiner von uns im Gespräch.

00:59:33: Du kennst die ganzen Mechanismen, die dahinter stehen.

00:59:35: Wir haben sie hier bei uns in Wena recherchiert für die Stadt Wena in unserer Begegnungsstätte.

00:59:42: Ich bin ja auch von Hause aus Historiker und hab mich da auch ganz intensiv befasst.

00:59:47: Und es ist erschreckend!

00:59:48: erschreckend wirklich in welcher kurzen Zeitfrist, in einer kleinen Provinzstadt wie Wena die damals siebtausend und ein paar Einwohner hatte.

00:59:59: Diese Haltung diese Menschenverachtung innerhalb von Monaten sich Baden gegriffen hat.

01:00:04: Und das wird in Raudafäne, in Lea und vielen anderen kleineren und auch größeren Städten in Deutschland nicht viel anders gewesen sein.

01:00:11: die eher große Erinnerungskultur die wir so aus der Schule kennen oder die wir auch vom großen Filmen meinigen können beschäftigt sich in der Regel eben mit den ganz großes Zusammenhängen oder mit großen Ereignissen mit Bücherverbrennungen oder dem Holocaust als Seuchen mit Konzentrationslagern.

01:00:28: aber das ist ja Das Ende dieser Entwicklung und wo das anfing zu Beginn der dreißiger Jahre, was du ja auch in deinem Podcast schilderst.

01:00:36: Auch in kleinen Ortschaften, kleinen Städten wie von denen, wo wir jetzt Bürgermeister sind.

01:00:42: Das ist alles nur ein Menschenleben her!

01:00:44: Und das ist eben das Wichtige den Menschen immer wieder in Erinnerung zu rufen und nicht müde zu werden.

01:00:51: Das wäre die große Gefahr dass man müde wird.

01:00:53: Dass man nicht müden wird wirklich ein Beispiel, wo wir uns mehr als eine große Scheibe von abschneiden können.

01:01:00: Der ist auch mit Hundertzwei nicht müde geworden und das muss für uns der Ansporn sein.

01:01:04: ob das nun Richtung einer Gedenkstätte bei euch in Lea auf dem Senagogengrundstück oder jetzt eine Begegnungsstätte über uns?

01:01:12: Oder die Benennung einer Schule in Raudafen?

01:01:15: All das sind Dinge, die ja nur deswegen zustande kommen weil Menschen das wollen!

01:01:20: Weil das beschlossen wird in einem Gemeinderat.

01:01:22: Oder weil Grundstückseigentümer sich da auf den Weg machen oder wie auch immer und das müssen wir immer wieder voranbringen, da müssen wir.

01:01:31: die Werbetrommel ist das falsche Wort aber das müssen sie immer wieder diskutieren, das müssen Sie immer wieder dem Menschen ins Gedächtnis rufen so anstrengend dass es auch ist und auch wenn die Zeiten da im Moment... Die Leute, die das nicht so gerne hören möchten, dürfen müde werden.

01:01:46: Wenn wir müde sind, wird das Thema in Vergessenheit geraten und diese Zeit möchte ich mir nicht ausmagen.

01:01:53: Ich mache es mir etwas einfacher.

01:01:56: Auf der einen Seite ist das mit Aktionen oder ... Wir haben im Wald für ihn angepflanzt und wollen andere Sachen machen.

01:02:04: Da hast du auf der anderen Seite immer den Eindruck, es ist nicht genug!

01:02:09: Aber wenn ich dann wieder auf sein Motto zurückkomme, wenn da Mensch ein Mensch ist.

01:02:13: Dann sage ich das ist genug und wenn das für jeden gilt, wird es auch tatsächlich so nicht passieren.

01:02:22: Von daher ... Beides ist richtig.

01:02:26: Man muss die Erinnerungskultur immer, sag ich mal, auch wieder leben.

01:02:30: Man muß da auch mal wieder eine Aktion machen, man muß vielleicht einen Ort wieder hinherrichten, wo man das macht.

01:02:39: Aber bei dem anderen, das ist mir persönlich nicht weniger wichtig.

01:02:45: Dass auch immer wieder deutlich ist, wenn da Mensch ein Mensch ist, dass es meine Religion, von jemandem, der so was erlebt hat, wenn er das sagen kann und leben kann ... Dann muss es so ein kleines Licht wie ich jetzt bin in einem normalen Leben.

01:03:01: Egal, wie schwierig die Situation für mich manchmal sein mag oder genauso leben können.

01:03:06: Und da ist ein großes Vorbild.

01:03:10: Ich würde sagen, das ist ein sehr angemessenes Schlusswort.

01:03:13: Klaus-Peter Heiko gärt vielen Dank für das offene Gespräch und ich wünsche euch viel Erfolg beim Gestalten eurer Erinnerungskultur vor Ort.

01:03:24: Danke schön!

01:03:24: Vielen Dank.

01:03:27: Wir waren ja deutsche Bürger wir wurden ja nur verfolgt wegen unserer Religion Und auf so einem Dorf wie Rauderfein damals jeder hat sich gekannt.

01:03:40: Das war dann ein kleines Breine, wie soll ich sagen, Bewohner.

01:03:45: Und da wurde immer bei uns.

01:03:50: oder wenn jemand mit meinem Vater irgendwie Geschäft tun wollte und sich nicht ausgekannt hat, dann wurde nicht gesagt wo wohnt Alfred Weinberg?

01:04:02: Da wurde immer gesagt... Alfred ist sein Papa gewesen, oder?

01:04:07: Wo wohnt der Jöt?

01:04:09: Immer der Jött war!

01:04:10: Antisemitismus, obwohl wir genau solche Menschen waren wie unsere Nachbar mit zwei Händen und zwei Füß.

01:04:20: Wenn die ihre Feiertage hatten – die Pontistanzen oder die Katholen oder Bibelforschers, wie sie sich damals genannt haben – das war einfach perfid!

01:04:32: Da wurde gar nicht drüber geredet.

01:04:35: Das, was ihr gerade gehört habt, das war die Stimme von Albrecht Weinberg bei einem seiner letzten Auftritte im Podcast kurz erklärt der Stadtverwaltung Leer.

01:04:45: Weihnachten, twenty-fünfundzwanzig!

01:04:48: Vielen Dank an dieser Stelle dass ich den Ausschnitt benutzen durfte.

01:04:51: wenn ihr mehr über Albrechts sein Leben seinen Wirken wissen wollt dann wie gesagt lest seine Biografie.

01:04:57: Ihr habt auch die Möglichkeit, demnächst ein Dokumentarfilm über sein Leben vor allem über seinen Engagement und Erinnerungsarbeit zu sehen.

01:05:07: Der Film heißt Albrecht Weinberg.

01:05:09: Es ist immer in meinem Kopf Und derzeit gibt es auch öffentliche Filmvorführungen bei den Gerda Denecas dabei ist und zum Gespräch einlädt.

01:05:19: Den Link zum Film packe ich in die Show-Nots, genauso wie den Link zu einem Interview das Gerda Denecas kürzlich der jüdischen Allgemeinen gegeben hat.

01:05:29: Dort wird sie z.B.

01:05:30: auch gefragt warum sie sich jetzt nicht so ruhe setzt und immer noch weiter in der Erinnerungsarbeit tätig sein will?

01:05:39: Und da sagt sie Ich mache das weil es mir ein Bedürfnis ist.

01:05:42: Albrecht hat so viele Jahre und mit so viel Enthusiasmus gegen das Vergessen gekämpft, geredet, gredet und geredelt.

01:05:48: Albrechts ist zwar nicht mehr da aber ich kann nichts sagen.

01:05:51: es muss mal gut sein.

01:05:52: Ich kann keinen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen sowie manche es sich wünschen.

01:05:57: Man muss die Erinnerung an das Unrecht der NS-Zeit immer wieder wachrütteln.

01:06:01: Es verschwindet ja nicht nur weil die Überlebenden immer weniger werden.

01:06:05: Hier in Lea wird Albrecht nie weg sein.

01:06:07: Das ist so sicher wie das Armen in der Kirche, er hat so viel hinterlassen dass weiter geführt werden muss.

01:06:12: Es gibt einen Albrechts Weinberg Gymnasium in seinem Geburtsort Raudafen, ein Albrech Weinberg Hain und auch eine würdige Gedenkstätte an die zerstörte Synagoge In Lea für die er sich so eingesetzt hat wird es geben.

01:06:24: Das is meine nächste große Aufgabe.

01:06:28: Schon dieser kurze Auszug aus dem Interview mit Gerda Denikas in der jüdischen Allgemeinen zeigt glaube ich Was für eine beeindruckende Frau sie ist und ich glaube, mit ihr wird noch zu rechnen sein in Zukunft.

01:06:40: Ich wünsche ihr viel Erfolg!

01:06:43: Und damit kommen wir jetzt zum Ende der Folge.

01:06:45: von Gerda Denikas weiß ich übrigens auch was die Lieblingsmusik von Albert Weinberg war und ich hätte jetzt sehr gerne die Folge geschlossen Mit einer Version von Jerusalem of Gold oder mit einem Song von Frank Sinatra.

01:06:59: aber das geht leider aus lizenztechnischen Gründen nicht.

01:07:02: Deswegen müsst ihr euch das dann gleich selber anmachen, entweder bei einem Musikambienter eurer Wahl oder direkt auf Platte oder CD.

01:07:11: Statt Musik gebe ich deshalb noch einmal Albrecht Weinberg das Wort.

01:07:15: der hat nämlich einmal gesagt macht nicht die gleichen Fehler macht den Mund auf.

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